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02.11.2009

UPDATE2: Linde sieht anziehende Nachfrage im Gasegeschäft - Ausblick unverändert

(NEU: Weitere Aussagen von Pressekonferenz, Analystenstimmen, aktueller Kurs)

(NEU: Weitere Aussagen von Pressekonferenz, Analystenstimmen, aktueller Kurs)

Von Heide Oberhauser-Aslan

DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Linde AG spürt in ihrer Gasesparte eine langsam wieder anziehende Nachfrage. Zwar musste der Münchener DAX-Konzern auch im dritten Quartal auf Konzernebene bei Umsatz und operativem Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr Rückgänge hinnehmen, gegenüber dem Vorquartal haben sich die Zahlen jedoch verbessert. Dabei konnte der Gase- und Anlagenbaukonzern auch von seinen Maßnahmen zur nachhaltigen Produktivitätssteigerung profitieren. Dennoch sieht Linde Umsatz und Ergebnis im Gesamtjahr weiterhin unter Vorjahr.

Die Umsatz- und Ergebnis-Rekordwerte des Vorjahres werde Linde in diesem Geschäftsjahr nicht mehr erreichen, sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Reitzle am Montag. Linde bleibe in guter Tradition vorsichtig-realistisch, wolle aber den erwarteten Rückgang beim Konzernergebnis "weitestgehend begrenzen".

"Allerdings rechnen wir auf der Basis der aktuellen Zahlen für das zweite Halbjahr 2009 mit einer besseren Geschäftsentwicklung als in den ersten sechs Monaten", bestätigte der Manager frühere Aussagen. "Die positiven Tendenzen, die wir zum Ende des zweiten Quartals gesehen haben, haben sich im dritten Quartal weiter verfestigt." Die Maßnahmen zur nachhaltigen Produktivitätssteigerung zeigten immer mehr Wirkung. "Die Krise trifft auch uns, wir halten uns aber vergleichsweise stabil", sagte Reitzle. Für 2010 stellte der Manager für die Gasesparte einen Anstieg bei Umsatz und Ergebnis in Aussicht.

Im dritten Quartal erzielte Linde mit einem operativen Ergebnis von 637 Mio EUR zwar noch einen Rückgang um 2,3%, im Vorquartalsvergleich stieg es jedoch um 12,5%. Von Dow Jones befragte Analysten hatten im Mittel ein operatives Ergebnis von 624 Mio EUR erwartet. Der Umsatz lag bei 2,837 Mrd EUR, geschätzt worden waren 2,883 Mrd EUR. Das Ergebnis nach Anteilen anderer Gesellschafter sank auf 169 Mio von 177 Mio EUR; geschätzt wurden hier im Mittel 160 Mio EUR. Die operative Marge stieg auf 22,5% nach 20,4% im zweiten Quartal.

In der Division Gase setzte sich die Erholungstendenz des Vorquartals fort. Umsatz und operatives Ergebnis legten gegenüber den drei vorangegangen Monaten erneut zu. Das operative Spartenergebnis lag mit 625 Mio EUR sogar exakt auf dem Niveau des Vorjahres. Allerdings fiel der Umsatz zum Vorjahr auf 2,279 (2,448) Mrd EUR zurück. Auch im Gesamtjahr werde Gase bei Umsatz und Ergebnis unter dem Niveau des Vorjahres bleiben, bekräftigte Linde.

Nach den starken gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen zu Jahresbeginn habe sich die Stabilisierung des Marktumfeldes im Gasegeschäft im Verlauf des dritten Quartal weiter verfestigt, hieß es. Deutliche Signale einer Erholung seien dabei vor allem in den Wachstumsmärkten der Schwellenländer auszumachen, erklärte Linde. Dies gelte insbesondere für China, aber auch für Indien und kleiner Märkte in Süd- und Ostasien. In Westeuropa und Nordamerika habe sich die Gase-Nachfrage im Jahresverlauf zwar langsam aber kontinuierlich verbessert, von einer breiten nachhaltigen Markterholung könne allerdings keine Rede sein, sagte Reitzle.

Auch in den einzelnen Produktbereichen der Division Gase sei die Geschäftsentwicklung von den schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt worden, hieß es. Auf vergleichbarer Basis war der Umsatz im Flüssiggasgeschäft per Ende September um 8,7% rückläufig, bei Flaschengasen betrugen die Einbußen 9,1%. Besser lief es für Linde dank langfristiger Lieferverträge im Tonnage-Geschäft. Hier fiel der Umsatz in den ersten neun Monaten um 4,2%. Einen Umsatzanstieg von 5,6% erreichte die Sparte Healthcare.

In der kleineren Division Engineering fiel der Auftragseingang im dritten Quartal auf 215 (Vorjahr 738) Mio EUR. Die Wirtschaftskrise wirke sich im internationalen Großanlagenbau aus, erläuterte Linde. Der Spartenumsatz ging auf 564 (652) Mio EUR zurück, das operative Ergebnis dagegen nur leicht auf 55 (57) Mio EUR. Entsprechend verbesserte sich die operative Marge auf 9,8%, nach 8,7% im Vorjahr.

Trotz Auftragsschwäche im dritten Quartal zeigte sich der Konzern zuversichtlich für die Sparte Engineering. Der nach wie vor hohe Auftragsbestand bilde die Grundlage für eine vergleichsweise stabile Geschäftsentwicklung in den nächsten ein bis zwei Jahren, hieß es. Auch Engineering wird 2009 nicht an das Umsatzniveau aus dem Vorjahr heranreichen. Bei der operativen Marge gilt nach wie vor 8% als Zielgröße.

Mit dem Programm zur Produktivitätssteigerung und Prozessoptimierung HPO kommt Linde weiter voran. Mit dem Programm, das Linde im März beschleunigt hatte, sollen 2009 bis 2012 Bruttokosteneinsparungen von 650 Mio bis 800 Mio EUR erzielt werden. In den ersten neun Monaten hat Linde unter anderem mit diesem Programm bereits etwa 3.600 Stellen abgebaut, davon 170 Stellen in Deutschland . Dafür sind den Angaben zufolge 80 Mio EUR Restrukturierungsaufwendungen angefallen. Die Kosten sollen 2009 damit um mehr als 200 Mio EUR gedrückt werden. "Der größte Teil des Personalabbaus liegt nun hinter uns", sagte Reitzle.

Mit der Schuldensituation sieht sich Linde in der Finanzkrise weiter gut aufgestellt. Die Nettofinanzschulden haben nach Unternehmensangaben per Ende September mit 6,443 Mrd EUR wieder annährend das Niveau des Jahres 2008 erreicht. "Unsere Finanzierung ist stabil und langfristig ausgerichtet, rund 90% unserer Finanzschulden werden erst nach dem Jahr 2010 fällig", sagte Reitzle.

Analysten zeigten sich zufrieden mit den Zahlen. Die Drittquartalsergebnisse von Linde seien etwas besser ausgefallen als von ihnen und dem Markt erwartet, so die WestLB-Analysten. Der Management-Ausblick eines Anstiegs des operativen Ergebnisses im zweiten Halbjahr entspreche ihrer Prognose. Die Analysten halten Linde für ein attraktives defensives Investment, da das Risiko im Vergleichsweise zu zyklischen Chemieaktien vergleichsweise niedrig.

Die Analysten von Sal. Oppenheim stellen in Aussicht, ihren Fairen Wert für Linde um 3% bis 6% anzuheben. Die Gase-Sparte habe sich gut entwickelt, insbesondere mit Blick auf die Margen. Die Ergebnisse demonstrierten eindeutig den defensiven Charakter der Sparte. Auch der Bereich Engineering habe sich viel versprechend entwickelt, besonders dessen weiterhin hoher Auftragsbestand von 3,9 Mrd EUR, meint Sal. Oppenheim.

Sehr zufrieden mit den Zahlen von Linde äußerte sich Peter Spengler von der DZ Bank. Linde habe den Konsens deutlich übertroffen. Die meisten Einzelschätzungen, die in den Konsens Eingang gefunden hätten, haben laut Spengler nur Restrukturierungskosten von bis zu 5 Mio EUR eingeplant. Linde habe jedoch 13 Mio EUR eingestellt und dennoch den Konsens, besonders beim operativen Ergebnis, übertroffen.

"Auffallend ist auch der Erfolg des Gasgeschäfts", sagt Spengler. Linde habe hier sogar in der absoluten Höhe das Vorkrisenniveau des dritten Quartals im Vorjahr getroffen. Der bestätigte Ausblick für 2009 sei zudem positiv. Die Linde-Aktie lag um 12:36 Uhr mit 1,29 % im Plus und notierte bei 72,31 EUR während der Gesamtmarkt nur mit 0,2% im Plus lag.

Webseite: www.linde.com - Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 725 113, heide.oberhauser@dowjones.com DJG/hoa/brb/kla Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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