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23.04.2008

UPDATE2: Qimonda-Abschreibung beschert Infineon Milliardenverlust

(NEU: Aussagen Telefonkonferenz, Aktienkursentwicklung, Analysteneinschätzung)

(NEU: Aussagen Telefonkonferenz, Aktienkursentwicklung, Analysteneinschätzung)

Von Alexander Becker

DOW JONES NEWSWIRES

NEUBIBERG (Dow Jones)--Bei der Infineon Technologies AG ist im zweiten Quartal 2007/08 infolge von Verlusten der Qimonda AG und einer Abschreibung auf die Speicherchiptochter ein Konzernverlust von rund 1,4 Mrd EUR angefallen. Das Kerngeschäft mit Logikchips entwickelte sich dabei jedoch im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Halbleiterhersteller warnte hier allerdings vor einem starken Gegenwind für das Geschäft durch einen anhaltend schwachen Dollar.

Im zweiten Quartal hatte der Neubiberger Halbleiterhersteller bei einem Umsatz von 1,049 (Vorjahr 0,978) Mrd EUR einen Konzernverlust von 1,371 Mrd verzeichnet nach minus 11 Mio EUR im Vorjahr. Hier wirkte sich vor allem die Neubilanzierung der 77,5-prozentigen Tochter Qimonda aus. Diese wird seit dem zweiten Quartal als "zum Verkauf stehende Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten" geführt und taucht entsprechend nur noch im Ergebnis des nicht fortgeführten Geschäfts und dem Infineon-Konzernergebnis auf.

Das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten belief sich im zweiten Quartal auf minus 1,390 Mrd EUR. Dieses beinhaltet den Infineon-Anteil am Qimonda-Fehlbetrag von 482 Mio EUR sowie Abschreibungen von 1,004 Mrd EUR für die Wertberichtigung des Buchwerts der von Infineon an Qimonda gehaltenen Anteile.

Im Kerngeschäft mit Logikchips entwickelten sich Umsatz und Ergebnis im Berichtszeitraum im Rahmen der Analystenerwartungen. In der Sparte Automotive, Industrial & Multimarket (AIM) belief sich der Umsatz auf 741 Mio EUR und das EBIT auf 69 Mio EUR. Leicht besser als erwartet entwickelte sich der Bereich Communication Solutions (Com). Bei einem Umsatz von 302 (Vorjahr 238) Mio EUR erwirtschaftete Infineon hier ein EBIT von minus 29 (minus 53) Mio EUR.

"In unseren Segmenten haben wir hinsichtlich Umsatz und Infineon-EBIT im Vergleich zum Vorquartal beachtliche Fortschritte erzielt, und das trotz der sehr ungünstigen Entwicklung des US-Dollar-Euro-Wechselkurses", wird der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Ziebart.

Die Dollarschwäche könnte sich auch auf die Ergebnisziele auswirken. Sollte sich der "drastische" Rückgang des US-Dollar gegenüber dem Euro im gesamten Geschäftsjahr 2008/09 bestätigen und auf dem Niveau von 1,60 einpendeln, "würde dies basierend auf gegenwärtigen Umsatzplanungen im Geschäftsjahr 2008/09 zu einem Rückgang des Infineon-EBIT von 120 Mio EUR führen". "Unter diesen Voraussetzungen wird es nicht möglich sein, eine EBIT-Marge von 10% zu erreichen".

Über die Absicherung von Wechselkursrisiken mit dem US-Dollar für das kommende Geschäftsjahr 2008/09 sei bislang noch keine Entscheidung getroffen worden, sagte der neue Finanzvorstand Marco Schröter während einer Telefonkonferenz zu den Zweitquartalszahlen. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres sei Infineon bei einem Euro-Kurs von 1,45 USD abgesichert.

Jeder Cent Wechselkursveränderung zu Ungunsten des Dollar koste das Unternehmen 8 Mio bis 10 Mio EUR EBIT über das Geschäftsjahr, sagte Ziebart. Auf welchem Wechselkursniveau die Erreichung dieses Ziel noch möglich sei, wollte Ziebart auf Nachfrage nicht konkret kommentieren. Mit Veröffentlichung der Erstquartalszahlen hatte das Infineon-Management bereits gesagt, dass das Erreichen des Margenziels 2009 deutlich schwieriger geworden sei. Damals notierte der Euro bei rund 1,45 USD. Bei Ausgabe der ursprünglichen Prognose habe das Wechselkursverhältnis bei 1,25 USD gelegen, so Ziebart weiter.

Nach Einschätzung von Merrill Lynch (ML) ist die Tatsache, dass das Management das bisher gültige EBIT-Margen-Ziel von 10% für das Gesamtjahr aufgrund von Wechselkurseinflüssen zurückgenommen habe, keine Überraschung. Die Analysten sehen die nun vorgelegten Zweitquartalsergebnisse leicht über den Erwartungen. Der Ausblick für das dritte Geschäftsquartal liege im Rahmen der Prognosen, sagt ML-Analyst Jonathan Crossfield. Er empfiehlt Infineon als "Buy" mit einem Kursziel von 7,20 EUR.

Am Vormittag notierte die Infineon-Aktien mit 5,1% im Plus bei 5,40 EUR und war damit stärkster Wert im Dax. Ein Händler machte vor allem einen "Shortsqueeze" für das Kursplus von Infineon verantwortlich. Die Anleger würden bei steigenden Kursen schnell unter Handlungsbedarf geraten.

Nach anderen Stimmen aus dem Handel sind die Quartalszahlen derzeit für die Aktie wohl nur von untergeordneter Bedeutung. Im Fokus stehe vielmehr die geplante Abspaltung von Qimonda. Investoren erhoffen sich hierzu weitere Details. Laut "FTD" verhandelt Infineon mit allen wichtigen Konkurrenten über einen Verkauf. Dieser könne noch vor dem Sommer abgeschlossen sein. In der Zwischenzeit haben bereits Qimonda-Wettbwerber Powerchip Semiconductor, Nanya, Elpida und Hynix erklärt, sich nicht in Übernahmeverhandlungen zu befinden.

Infineon selber hatte den Bericht nicht kommentieren wollen. Ein Sprecher wiederholte am Dienstagabend jedoch frühere Angaben, wonach der DAX-Konzern für die Trennung von Qimonda alle Optionen prüft.

Konkrete Aussagen zur Trennung von Qimonda machte Infineon auch bei Veröffentlichung der Zweitquartalszahlen nicht. "Im zweiten Quartal haben wir einen großen Schritt in der Vorbereitung der Veräußerung und der daraus folgenden Dekonsolidierung unserer Beteiligung in Qimonda gemacht, was die Umgliederung von Qimonda in zum Verkauf stehende Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten zur Folge hatte", wird CEO Ziebart lediglich zitiert. Infineon hatte am Montag die Neubilanzierung sowie die damit verbundenen Abschreibungen angekündigt.

Infineon hatte zuvor mehrfach angekündigt, die Qimonda-Beteiligung bis spätestens zur Hauptversammlung 2009 unter 50% zu reduzieren. Derzeit evaluiere das Unternehmen die verschiedenen Alternativen, hieß es am Montag.

Webseite: http://www.infineon.com - Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/brb

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