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26.04.2007

UPDATE2: Rückzug von Kleinfeld setzt Siemens-Aktie unter Druck

(Wiederholung von Mittwochabend)

Von Alexander Becker

Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones)--Der Rückzug von Klaus Kleinfeld vom Vorstandsvorsitz der Siemens AG ist bei Analysten und Investoren auf Kritik gestoßen. Sie verweisen vor allem auf die Unsicherheit, die ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens mit sich bringt. Die Siemens-Aktie reagierte mit einem Kursrutsch auf die Nachricht.

Wie der Münchener DAX-Konzern am Mittwoch mitteilte, steht Kleinfeld für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung. Damit zog Kleinfeld offenbar die Konsequenzen aus den tagelangen Spekulationen um seine bevorstehende Ablösung. Ein Nachfolger wurde vom Unternehmen noch nicht benannt.

Kurz nach der Veröffentlichung drehte die Aktie ins Minus, nachdem sie vor der Mitteilung noch 2% im Plus gelegen hatte. Die Aktie schloss im Xetra-Handel schließlich mit 0,9% im Minus bei 88,36 EUR. Die in den USA gehandelten Siemens-ADRs bauten die Verluste weiter aus. Um 13.53 Uhr Ortszeit notierten sie 5,3% im Minus bei 117,83 USD.

Nach Einschätzung von Theo Kitz, Analyst von Merck, Finck & Co wird der Rückzug Kleinfelds den Aktienkurs auch noch in den kommenden ein bis zwei Tagen belasten. "Man muss nun sehen, was an Nachrichtenfluss vom Unternehmen kommt". Aus Sicht der Aktionäre sei der Abschied Kleinfelds negativ zu werten, da er "per saldo" Sachen umgesetzt habe, die den Aktionären genutzt haben.

Ein Händler verwies auf die guten Zweitquartalszahlen, die Siemens am Vorabend vorgelegt hatte und die bei allen Kennziffern die Erwartungen der Analysten übertroffen hatten. Dies hätte bestätigt, dass Kleinfeld einen guten Job gemacht habe, so der Händler. Ein neuer Mann bringe mehr Unsicherheit. Die positive Entwicklung der vergangenen Monate sei nun nicht weiter gewährleistet.

Bereits im Vorfeld der Entscheidung hatten sich Analysten skeptisch über ein mögliches Ende der Ära Kleinfeld geäußert, nachdem Medien über eine mögliche Ablösung von Kleinfeld an der Spitze Unternehmens berichtet hatten. Eine Entlassung von Kleinfeld wäre ein "gravierender strategischer Fehler des Aufsichtsrats", da der Kapitalmarkt von den Qualitäten des Vorstands überzeugt sei, hatte Morgan-Stanley-Analyst Ben Uglow am Morgen in einer Analyse geschrieben.

Kleinfeld wird seinen bis Ende September 2007 laufenden Vertrag offenbar noch erfüllen, bis ein Nachfolger gefunden ist. "Der Aufsichtsrat ist Kleinfeld dankbar, dass er bis zum 30. September 2007 weiter zur Verfügung steht," wird der neue Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme zitiert. Der Aufsichtsrat wählte Cromme einstimmig und mit sofortiger Wirkung zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats.

Cromme tritt damit die Nachfolge von Heinrich von Pierer an, der in der vergangenen Woche zurückgetreten war. Cromme ist für den Rest der laufenden Amtsperiode bis zur Hauptversammlung am 24. Januar 2008 Vorsitzender des Gremiums und damit auch vor allem für die Suche nach einem Nachfolger für Kleinfeld verantwortlich. Siemens wollte sich auch auf Nachfrage nicht über einen möglichen Nachfolger und den Ablauf einer Übergabe des Vorstandsvorsitzes äußern.

Medienberichten zufolge hat der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, der im Präsidium des Siemens-Aufsichtsrats sitzt, die Ablösung vorangetrieben und spricht "mit einer Reihe von externen Kandidaten". Hier wurden in den Berichten unter anderem der derzeitige Linde-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Reitzle und der ehemalige VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard genannt.

Aktionärsvertreter bedauerten den Rückzug Kleinfelds. "Die Börse hätte Herrn Kleinfeld gerne behalten", sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem "Tagesspiegel".

Zwar treffe der Führungswechsel den Siemens-Konzern in einer stabilen betriebswirtschaftlichen und konjunkturellen Lage. Die Ablösung von Heinrich von Pierer als Aufsichtsratschef und Kleinfeld als Vorstandschef binnen weniger Tage "werde im Konzern aber Spuren hinterlassen". Im Top-Management seien Kleinfelds Verbündete nun isoliert. "Grabenkämpfe sind vorprogrammiert", sagte Hocker.

Kleinfeld begründete seinen Entschluss "mit den laufenden Diskussionen darüber, die Vertragsverlängerung erneut zu verschieben". "In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung. Daher habe ich mich entschlossen, für die Verlängerung meines Vertrags nicht mehr zur Verfügung zu stehen", wird Kleinfeld zitiert.

Cromme betonte den weiteren Angaben zufolge, dass die bisherigen unabhängigen Untersuchungen der Kanzlei Debevoise & Plimpton "keinerlei Anhaltspunkte für ein persönliches Fehlverhalten oder eine Mitwisserschaft Kleinfelds im Zusammenhang mit den Affären ergeben haben".

Die Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat teilten gemeinsam mit, sie "bedauern" den Rückzug Kleinfelds. Die anstehenden Entscheidungen würden die Vertreter der Arbeitnehmer sorgfältig treffen.

Die Vertragsverlängerung Kleinfelds stand auf der Agenda der heutigen Aufsichtsratssitzung des Unternehmens. Diese endete rund vier Stunden nach ihrem Beginn um 16.00 Uhr, sagte eine mit der Situation vertraute Person Dow Jones Newswires. Ob es auf der Sitzung auch Entscheidungen zum geplanten Börsengang oder einem möglichen Verkauf der Automobilzuliefersparte VDO gegeben hat, wollte ein Siemens-Sprecher auf Nachfrage nicht kommentieren. Dieses sei Sache des Aufsichtsrats.

Bislang hat der Aufsichtsrat lediglich der Ausgliederung der Automotive-Sparte zugestimmt. Diese ist für Juni geplant. Alle weiteren Schritte, etwa der geplante Börsengang oder auch ein kompletter Verkauf sowie die jeweiligen Prüfungen und Vorbereitungen bedürfen weiterer Beschlüsse des Siemens-Aufsichtsrats.

Ende Januar hatte Siemens angekündigt, den Automobilzulieferer an die Börse bringen zu wollen. Siemens werde die Mehrheit bei VDO Automotive behalten, hieß es seinerzeit. Demnach sollen 25% bis 49% von VDO an die Börse gebracht werden. Allerdings hat Kleinfeld auch Alternativen zu einer Börsennotierung nicht ausgeschlossen.

Siemens hat früheren Angaben zufolge für die Sparte bereits konkrete Angebote von Private-Equity-Investoren vorliegen, die derzeit geprüft werden. Auch die Continental AG bekundete wiederholt öffentlich Interesse an VDO. Zuletzt bekräftigte der Hannoveraner DAX-Konzern am Vortag sein Interesse an dem Wettbewerber VDO. Siemens selbst hatte bislang immer bekräftigt, dass ein Börsengang von VDO Priorität habe.

Webseite: http://www.siemens.de

- Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 505

industry.de@dowjones.com

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