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29.07.2008

UPDATE2: Siemens bringt SEN in JV mit US-Finanzinvestor ein

(NEU: Weitere Aussagen CFO, Aktienkurs) Von Alexander Becker DOW JONES NEWSWIRES

(NEU: Weitere Aussagen CFO, Aktienkurs) Von Alexander Becker DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Siemens AG hat nach jahrelanger Suche eine Lösung für ihre Tochter Siemens Enterprise Networks (SEN) gefunden, bleibt aber an SEN beteiligt. SEN werde in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Investor The Gores Group eingebracht, teilte der Münchner DAX-Konzern am Dienstag mit. Die Transaktion werde das Ergebnis des Unternehmens im vierten Quartal belasten.

Im Zuge der Transaktion übernimmt Gores Group 51% an SEN, während Siemens mit 49% beteiligt bleibt. Die operative Führung des Joint Ventures liegt bei dem US-Finanzinvestor, der zudem die Firmen Enterasys und SER Solutions in das Gemeinschaftsunternehmen einbringt.

Beide US-Unternehmen sind den Angaben zufolge in den Bereichen IT-Technologie und -Applikationen tätig. Zusammen erzielten die Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 240 Mio EUR. Das Closing der Transaktion wird noch im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 erwartet. "Mit Gores Group habe wir einen äußerst erfahrenen Partner gefunden", sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser.

Wie im Januar angekündigt, soll das Geschäft mit einer soliden Finanzausstattung übergeben werden. Dabei sei das Unternehmen schuldenfrei und von Siemens mit einem Finanzpolster von 500 Mio EUR ausgestattet worden, sagte Kaeser auf Nachfrage weiter. Zu der Höhe der übernommenen Verbindlichkeiten wollte sich Kaeser nicht äußern.

Siemens kündigte weiter an, zusammen mit Gores rund 350 Mio EUR in das JV zu investieren, zusätzlich zu den ohnehin geplanten Forschungs- und Entwicklungsausgaben und sonstigen Aufgaben. Siemens und Gores investieren dabei jeweils 175 Mio EUR.

Siemens kündigte an, durch die Schaffung einer soliden Kapitalbasis, durch Transaktionskosten sowie Verbindlichkeiten von SEN habe die Gründung des JV für den Konzern "insgesamt erhebliche finanzielle Auswirkungen, die im vierten Quartal sichtbar werden". Der Siemens-Finanzvorstand wollte mit Blick auf entsprechende Analystenschätzungen eine negative Ergebniswirkung im sehr hohen dreistelligen Mio-EUR-Bereich nicht ausschließen. Konkrete Angaben zu der Höhe der erwarteten Ergebniswirkung machte Kaeser aber nicht. Der Großteil davon werde aber "über die Zeit" Cash-wirksam werden.

Im abgelaufenen zweiten Quartal 2007/08 hatte Siemens für SEN Restrukturierungskosten von 109 Mio EUR verbucht. Zudem war eine Vermögenswertminderung von 12 Mio EUR vorgenommen worden.

Wo Siemens SEN künftig in der Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns verbuchen wird, ist Kaeser zufolge noch nicht entschieden. Siemens führt seine großen Gemeinschaftsunternehmen wie Nokia Siemens Networks (NSN), Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) oder Fujitsu Siemens Computers in der Berichtslinie Strategic Equities Investments (SEI).

Über einen Exit von Siemens aus dem Joint Venture zu spekulieren, ist es Kaeser zufolge "derzeit noch zu früh". Es gebe aber eine vereinbarte Stillhaltefrist von zwei Jahren, die aber auch im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst werden könne.

"Wir haben immer angestrebt, eine starke Nummer zwei zu schaffen, das ist uns in großen Teilen auch gelungen, weil wir durch die von Gores eingebrachten Firmen einen Schritt vorangekommen sind". Kaeser deutete mögliche weitere Schritte für die Zukunft des Gemeinschaftsunternehmens an. "Siemens begleitet den Ausstieg bei SEN durch einen 49-prozentigen Anteil am Joint Venture. An die strategische Konsolidierung der Branche glauben wir aber weiter", sagte Kaeser, ohne dieses näher auszuführen.

Siemens hatte Ende Februar für SEN eine umfassende Restrukturierung angekündigt. Abbau und Auslagerung von rund 6.800 Arbeitsplätzen sollten helfen, nach mehr als einjähriger Suche einen Partner für das schwierige Geschäft mit Telekommunikationsanlagen für Geschäftskunden zu finden.

Inzwischen sei die Restrukturierung weitestgehend abgeschlossen, sagte Kaeser. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte SEN bei einem Umsatz von rund 3,2 Mrd EUR einen operativen Verlust von rund 600 Mio EUR geschrieben.

Der designierte Chairman des JV, Mark Stone, sagte, dass er den Breakeven bei SEN so schnell wie möglich erreichen wolle. In der Regel erreichten die Investments von Gores Group innerhalb von sechs bis zwölf Monaten ihren Breakeven. Alec Gores, Chairman und Gründer von The Gores Group, verwies im Gespräch mit Dow Jones Newswires darauf, dass er innerhalb von sechs Monaten mit einem Breakeven bei SEN rechne.

Gores rechnet zudem mit einer weiteren Konsolidierung in dem für SEN relevanten Markt. Für SEN seien entsprechend auch Zukäufe geplant. Diese könnten das bisherige Geschäft von SEN ergänzen, aber auch strategischer Natur sein.

Siemens hatte in den vergangenen Wochen wiederholt bekräftigt, sich in intensiven Verhandlungen mit mehreren Interessenten für SEN zu befinden. In der nun gefundenen Joint-Venture-Struktur wird Siemens zwei der insgesamt fünf Aufsichtsratsmandate besetzen und ein Veto-Recht erhalten. Laut Siemens werden "wichtige Patente und Lizenzen" von dem Münchner DAX-Konzern auf das Gemeinschaftsunternehmen übertragen, welches zudem "bevorzugter Siemens-Lieferant" werde und das Siemens-One-Vertriebsnetz nutzen kann.

The Gores Group wurde 1987 gegründet und hat seitdem in über 70 Unternehmen investiert. Investitionsschwerpunkt sind Mehrheitsbeteiligungen an "etablierten und wachsenden Firmen".

Die Siemens-Aktie reagierte zunächst mit Kursverlusten auf die Mitteilung und markierte bei 70,44 EUR oder 2,8% im Minus ein Tagestief. Im weiteren Handelsverlauf erholte sich die Aktie dann jedoch wieder und notierte bis 16.56 Uhr in einem festeren Gesamtmarkt mit 0,8% im Plus bei 73,05 EUR.

Webseite: http://www.siemens.com - Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/jhe

Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.