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30.04.2008

UPDATE2: Siemens im 2Q operativ besser als erwartet

30.04.2008

(NEU: Aussagen Löscher, Aktienkursverlauf)

Von Alexander Becker

DOW JONES NEWSWIRES

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die Siemens AG hat im zweiten Quartal 2007/08 belastet von negativen Projektrisiken einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet, sich im operativen Geschäft aber besser als von Analysten erwartet entwickelt. Weitere wesentlich Belastungen im laufenden Geschäftsjahr wurden bei der inzwischen weitgehend abgeschlossenen Projektüberprüfung nicht gefunden. Siemens präzisierte zudem die im November vorgestellten Pläne für eine Kürzung der Vertriebs- und Verwaltungskosten.

Der als Indikator für die künftige Geschäftsentwicklung wichtige Auftragseingang stieg im Berichtszeitraum im Vergleich zum Vorjahr auf vergleichbarer Basis um 15% auf 23,371 Mrd EUR und damit stärker als von Analysten erwartet. Der Umsatz legte mit 2% aber weniger zu als erwartet auf 18,094 Mrd EUR zu. Das Nettoergebnis fiel auf 412 Mio EUR nach 1,259 Mrd EUR im Vorjahr.

Als durchwachsen bezeichnen die Analysten der UniCredit die vorgelegten Zahlen. Das gelte auch für den Ausblick: Während Siemens die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr bekräftigt habe, habe die Prognose für das operative Ergebnis enttäuscht. Siemens geht von einem stagnierenden operativen Ergebnis aus; UniCredit hatte mit einer Steigerung um 300 Mio EUR gerechnet. Die Neuordnung des Konzerns verlaufe indessen nach Plan, sagen die Analysten. Die Analysten der Citigroup bewerten die Siemens-Zweitquartalszahlen als "solide".

Investoren reagierten zunächst positiv auf die vorgelegten Zahlen. Die Siemens-Aktie notierte am Vormittag in einem nahezu unveränderten Gesamtmarkt 1,6% im Plus bei 74,54 EUR.

Für die künftige Geschäftsentwicklung erwartet Löscher weniger Rückenwind von der allgemeinen Weltkonjunktur. "Wir sehen erste Bremsspuren", so Löscher. "Wir gehen davon aus, dass die Folgen der Finanzkrise im Verlauf unseres kommenden Geschäftsjahres auch deutlicher in der Realwirtschaft ankommen werden." Beim Auftragseingang im Breitengeschäft in Deutschland sehe der DAX-Konzern bereits erste Anzeichen einer "zunehmenden Vorsicht der Kunden", so Löscher weiter.

Sein Unternehmen habe aber auch künftig "Wachstumschancen" und verwies auf die anhaltend "sehr erfreuliche" Book-to-Bill-Ratio, die wie im Vorquartal bei 1,3 lag.

Um die Ertragskraft des Unternehmens auch strukturell zu stärken hat Siemens ein Programm zur Senkung der Senkung der allgemeinen Vertriebs- und Verwaltungskosten (SG&A) gestartet. Löscher konkretisierte hier die Pläne wie angekündigt. Demnach will Siemens bis zum Jahr 2010 absolut 10% ihrer SG&A-Kosten senken. Das entspricht einer Kostenreduzierung um 1,2 Mrd EUR von 12,1 Mrd EUR im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 auf 10,9 Mrd EUR im Geschäftsjahr 2009/10. Mehrere Analysten hatten die Aussagen des Managements zum Stand der geplanten Kostenkürzungen im Vorfeld als eine der wichtigsten Aspekte bei der Vorlage der Zweitquartalszahlen in den Blickpunkt gerückt. Angaben zur Höhe des damit verbundenen Personalabbaus machte Löscher nicht. "In der Verwaltung wird es ganz klar zu Personalabbau kommen", sagte er lediglich. Wann und in welchem Umfang dieser starten könnte, wollte er nicht kommentieren, da es dafür noch zu früh sei.

Im abgelaufenen zweiten Quartal zeigte sich das operative Ergebnis getrieben von einem starken Geschäft bei dem nach Umsatz größte Siemens-Geschäftsbereich Automation & Drives (A&D) robuster als erwartet. Das Ergebnis der Bereiche fiel im Berichtszeitraum auf 1,203 Mrd von 1,781 Mrd EUR im Vorjahreszeitraum und damit nicht so stark wie von Analysten prognostiziert. Das Ergebnis der Bereiche bildet bei Siemens die operative Ergebnisentwicklung des Kerngeschäfts ab.

In diesem Ergebnis sind Sonderbelastungen aus Projektrisiken in den Bereichen Power Generations (PG), Transportation Systems (TS) und Siemens IT Solutions and Services (SIS) von 857 Mio EUR enthalten.

A&D wies für den Berichtszeitraum mit 16,7% eine deutlich über den Erwartungen liegende Ergebnismarge aus und zeigte dabei eine anhaltend robusten Auftragseingang. A&D gilt wie die Lichttechnik-Sparte Osram als einer der Frühindikatoren im Siemens-Konzern für konjunkturelle Zyklen. Entsprechend hatten Analysten die Entwicklung des Wachstums im Vorfeld der Zahlen in den Blickpunkt gerückt. Osram verzeichnete eine im Vergleich zum Vorquartal stabile Entwicklung.

In Folge der Projektbelastungen wiesen die Bereiche PG mit minus 7,5% (Vj 10,7), TS mit minus 15,6 (Vj 5,0%) und SIS mit minus 2,8% (Vj 5,2%) dagegen teilweise deutlich negative Margen aus.

Siemens hatte wegen der Projektrisiken in diesen Bereichen Mitte März eine Gewinnwarnung ausgegeben und die wenige Monate alten Prognosen für das laufende und kommende Geschäftsjahr kassieren müssen. Mehrere Analysten hatten in Folge der Gewinnwarnung mit zusätzlichen Belastungen im dreistellligen Mio-EUR-Bereich für das laufende Jahr gerechnet.

"In keinem der drei untersuchten Bereiche wurden zusätzliche Risiken identifiziert, die über die bereits am 17. März genannten Belastungen von knapp 900 Mio EUR wesentlich hinausgehen", so das Unternehmen. Die Prüfung der Kraftwerksprojekte bei PG wurde inzwischen abgeschlossen und bei TS "entscheidend vorangetrieben". Bei PG rechnet Siemens allerdings in Folge der Überprüfung auch in den kommenden Quartalen mit negativen Margeneffekten.

Im Rahmen der Erwartungen bewegte sich der nach PG und A&D drittgrößte Bereich Medical Solutions (Med). So erwirtschaftete der Bereich mit 12,5% eine Marge im Rahmen der Analystenerwartungen. Eine Verlangsamung zeigte sich allerdings beim Wachstum von Umsatz- und Auftragseingang.

Siemens-Wettbewerber General Electric (GE) hatte zuvor enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt und dieses unter anderem mit einem schwachen Medizintechnikgeschäft auf dem US-Markt begründet. In den USA haben die Medizintechnik-Anbieter bereits seit mehreren Quartalen mit dem Deficit-Reduction-Programm der Regierung zu kämpfen, das auch die Ausgaben der US-Krankenhäuser beeinflusst. Der zweite Wettbewerber Philips hatte dagegen deutlich bessere Quartalsergebnisse in der Medizintechnik vorzuweisen.

Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher bekräftigte frühere Aussagen, nach denen erst im kommenden Jahr mit einer Erholung auf dem US-Medizintechnikmarkt zu rechnen sei. Im laufenden Jahr rechne er noch mit einer flachen bis leicht negativen Entwicklung auf dem US-Markt für Medizintechnik auf dem für den Siemens-Sektor Healthcare wichtigsten Regionalmarkt.

Für den Konzern gab Siemens wie angekündigt auch eine neue Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 aus. Demnach rechnet das Unternehmen wie bisher mit einem organischen Umsatzwachstum, das doppelt so hoch ist, wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt.

Das Ergebnis der Bereiche wird ebenso wie das Ergebnis aus fortgeführtem Geschäft auf Vorjahresniveau gesehen. Hier hatte Siemens im abgelaufenen Geschäftsjahr nach eigenen Angaben 6,56 Mrd EUR bzw 3,909 Mrd EUR ausgewiesen. Ursprünglich hatte Siemens in Aussicht gestellt das Ergebnis der Bereiche doppelt so stark wie den Umsatz zu steigern.

Webseite: http://www.siemens.com -Von Alexander Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)89 5521 40 30 industry.de@dowjones.com DJG/abe/mim

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