Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.07.2009

UPDATE2: Software AG will sich IDS Scheer einverleiben

(Zusammenfassende Berichterstattung)

Von Philipp Grontzi

DOW JONES NEWSWIRES

DARMSTADT/SAARBRÜCKEN (Dow Jones)--Die Software AG will überraschend die IDS Scheer AG schlucken. Das Darmstädter Unternehmen bietet dafür 15 EUR je Aktie und geht inklusive anfallender Akquisitionskosten von einem Transaktionsvolumen von rund 487 Mio EUR aus. Die Zustimmung maßgeblicher IDS-Scheer-Aktionäre hat der Konzern bereits in der Tasche. Mit der Übernahme erhält die Software AG Zugriff auf die IDS-Softwarelösung ARIS, welche beim Geschäftsprozessmanagement zum Einsatz kommt, sowie das Beratungsgeschäft von IDS Scheer.

IDS-Scheer-Gründer August-Wilhelm Scheer sowie Mitgründer Alexander Pocsay, beide IDS-Großaktionäre und Aufsichtsräte bei dem Unternehmen, haben mit der Software AG bereits einen Vertrag zum Verkauf von insgesamt 47,68% der IDS-Anteile geschlossen. Die Veräußerung der Anteile soll im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots erfolgen, das laut Software AG im August starten soll. Eine über die knapp 48% hinausgehende Mindestannahmequote gibt es nicht.

Die Software AG rechnet damit, dass IDS Scheer im laufenden Jahr bereits "grob" mit einem Quartal konsolidiert werden kann. Finanziert werden soll der Zukauf überwiegend mit Schulden, eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant. Software-AG-Finanzvorstand Arnd Zinnhardt sagte am Dienstag zu Dow Jones Newswires, man wolle IDS Scheer am langen Ende von der Börse nehmen, allerdings stehe das Unternehmen nicht unter Zeitdruck und werde deswegen nicht den Preis anheben.

IDS Scheer erzielt die Mehrheit der Erlöse mit Beratung, mehr als die Hälfte dieser Umsätze stammt dabei aus dem SAP-Umfeld. Die Software AG teilt ihr Geschäft in den Datenmanagement-Bereich ETS und das Segment webMethods ein. Das Unternehmen hatte 2007 die US-Gesellschaft webMethods Inc für mehr als 500 Mio USD erworben und gliedert hier nun ihre Aktivitäten rund um Integrationssoftware.

Die Ankündigung der IDS-Übernahme kommt überraschend. Peter Gérard, Vorstandsvorsitzender von IDS Scheer, hatte Anfang März auf der CeBIT noch gesagt, dass es regelmäßig Anfragen von Interessenten gebe, ob die in Saarbrücken ansässige IDS Scheer zum Verkauf stehe, sich dieses Thema für das Unternehmen aber nicht stelle. Software-AG-CEO Karl-Heinz Streibich meinte im April mit Blick auf Übernahmen zwar, dass sich sein Unternehmen den Markt immer anschaue, man aber ein "Kaliber" wie webMethods derzeit nicht auf dem Radarschirm habe.

Laut Zinnhardt sind beide Unternehmen seit neun Monaten in Gesprächen über eine strategische Partnerschaft gewesen. Konkrete Übernahmegespräche wurden aber seiner Darstellung zufolge nach erst vor vier bis fünf Wochen aufgenommen, wobei die Initiative von der Software AG ausgegangen sei.

IDS Scheer hatte im vergangenen Jahr zweimal seine Prognose für 2008 gesenkt und umfassende Restrukturierungen eingeleitet. Dazu gehörten etwa ein Stellenabbau, die Zusammenführung des Vertriebs für die eigene Softwarelösung ARIS und für die Beratung sowie die Straffung interner Prozesse. Die Maßnahmen führen laut früheren Angaben zu einem Einsparungspotenzial von rund 12 Mio EUR im laufenden Jahr und haben sich bereits im ersten Quartal positiv auf den Gewinn ausgewirkt.

Die geplante Übernahme sei ein sehr guter Deal für IDS Scheer, während für Aktionäre der Software AG etwas Erklärungsbedarf bestehe, schrieb Analyst Jonathan Crozier von der WestLB in einer ersten Reaktion. Sein Kollege Thomas Becker von der Commerzbank bemängelte etwa, dass das Beratungsgeschäft von IDS die Ergebnisstruktur der Software AG verwässern würde.

Die Papiere von IDS Scheer setzen am Dienstag infolge des Übernahmeangebots, das am Montagabend veröffentlicht wurde, zum Höhenflug an: Gegen 12.27 Uhr notiert die Aktie mit einem Aufschlag von 38% nahe am Angebotspreis von 15 EUR je Anteilsschein. Aktien der Software AG verzeichneten hingegen Abschläge und liegen bei 48,24 EUR, ein Minus von knapp 4%.

Zinnhardt erwartet, dass das kombinierte Unternehmen in zwei bis drei Jahren eine Gewinnmarge bezogen auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von etwa 25% erreichen kann. Die Software AG verbuchte im Gesamtjahr 2008 Umsätze von 720,6 Mio EUR sowie ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 180,5 Mio EUR, während IDS Scheer bei Erlösen von 399,1 Mio EUR einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (EBITA) von 16,4 Mio EUR erwirtschaftete.

Webseiten: www.softwareag.com www.ids-scheer.com - Von Philipp Grontzki, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29 725 107, tmt.de@dowjones.com (Florian Faust in Frankfurt hat an diesem Bericht mitgewirkt.) DJG/phg/kla Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

Copyright (c) 2009 Dow Jones & Company, Inc.