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13.05.2010

UPDATE2: Softwarekonzern SAP will Sybase für 5,8 Mrd USD kaufen

(NEU: Analysten) Von Philipp Grontzki DOW JONES NEWSWIRES

(NEU: Analysten) Von Philipp Grontzki DOW JONES NEWSWIRES

WALLDORF (Dow Jones)--Der Softwarekonzern SAP geht wieder auf große Einkaufstour und will das US-Unternehmen Sybase für rund 5,8 Mrd USD übernehmen. Mit dem Zukauf stärkt der Hersteller von Unternehmenssoftware aus dem badischen Walldorf seine Position mit Blick auf den steigenden Trend zur mobilen Datennutzung und sichert sich das Datenbankgeschäft von Sybase. Die Akquisition soll sich bereits von Anfang an positiv auf den Gewinn von SAP auswirken.

"Mit dieser Übernahme öffnen wir unsere Unternehmensanwendungen mehreren Hundert Millionen mobilen Nutzern", erklärte Bill McDermott, Co-CEO des DAX-Konzerns, bei Bekanntgabe der Pläne am Mittwochabend. Die Gespräche über den Zusammenschluss hätten im März begonnen, sagte er am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

SAP will 65 USD je Sybase-Aktie bieten, was einem Aufschlag von 44% gegenüber dem gewichteten durchschnittlichen Aktienkurs in den vergangenen drei Monaten entspricht, wie es am Mittwoch hieß. Finanziert werden soll der Deal aus liquiden Mitteln und über ein von Barclays Capital und Deutsche Bank arrangiertes Darlehen von 2,75 Mrd EUR. Der Verwaltungsrat der Sybase Inc hat dem Angebot bereits zugestimmt.

Sybase bietet Lösungen wie beispielsweise festinstallierte und mobile Datenbanken sowie Software für Verschlüsselung und Endgeräte-Verwaltung. Mit der mobilen Plattform von Sybase will SAP die Zahl ihrer potenziellen Kunden deutlich steigern. Sybase erzielte 2009 bei einem Umsatz von 1,17 Mrd USD eine operative Marge nach Non-GAAP von 30%.

Die Übernahme soll voraussichtlich im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden und wird sich laut SAP auf Non-IFRS-Basis unmittelbar positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken. Synergien verspricht sich der Konzern vor allem auf der Umsatz- und weniger auf der Kostenseite, wie Finanzvorstand Werner Brandt sagte.

Die SAP-Aktie reagierte am Donnerstag negativ auf die Bekanntgabe der Übernahme und handelte am späten Nachmittag bei 35,67 EUR mit 1,1% im Minus. Sybase passe zwar gut zu SAP, meinen die Analysten von Cheuvreux. Allerdings sei die Übernahme "nicht gerade ein Schnäppchen".

Die Gründe für die Transaktion sind vernünftig. Sie geben SAP die Möglichkeit, Applikationen für mobile Endgeräte anzubieten, außerdem gibt es SAP einen Schub für ihr Datenbank-Geschäft, sagte Gartner-Vice-President Yvonne Genovese. Zu den finanziellen Aspekten wollte sie sich als Industrieanalystin aber nicht äußern.

Der Zugriff auf die Technologie für mobile Applikationen von Sybase werde kurzfristig mehr Umsatz ermöglichen. "Und die Fähigkeiten von Sybase im Bereich Datenbank-Technologie werden die Strategie von SAP unterstützen, den Kunden die schnellere und zuverlässerige in-memory Datenbank Technologie anzubieten", fügte Genovese hinzu.

Eine Gegenofferte für Sybase erwarten Analysten allgemein nicht. Oracle würde mit einem solchen Vorhaben auf kartellrechtliche Bedenken stoßen, da sie bereits eine dominante Stellung am Markt für Datenbanken habe. Ein weiterer Interessent könnte IBM sein, hieß es. Ein Vorstoß des Konzerns wäre zwar möglich, doch glauben Beobachter nicht, dass IBM einen Bieterkampf für ein Unternehmen starten werde, bei dem es beachtliche Produktüberrschneidungen gebe.

Der Sybase-Kauf ist für SAP die zweite Milliardentransaktion binnen relativ kurzer Zeit. Anfang 2008 hatte SAP die Übernahme von Business Objects, einem Konzern mit Fokus auf Software für Unternehmensdaten-Analyse, für rund 4,8 Mrd EUR abgeschlossen. Die Walldorfer hatten in der Folge darauf verwiesen, dass man größere Übernahmen auch weiterhin nicht scheuen würde.

Sybase mit Sitz in Dublin, Kalifornien, soll weiter als eigenständige Einheit agieren, und CEO John Chen soll in den SAP-Vorstand einziehen.

SAP hat schwierige Zeiten hinter sich. So löste der Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 einen Rückgang der Nachfrage aus, der SAP im vergangenen Jahr ein Umsatzminus bescherte und den Konzern zum ersten Stellenabbau seiner Geschichte veranlasste. Im laufenden Jahr will das Unternehmen aber wieder wachsen.

Im Februar dieses Jahres trennte sich SAP außerdem von ihrem Vorstandssprecher Léo Apotheker. Seither hat der Konzern wieder eine Doppelspitze, die von Vertriebsvorstand McDermott und Jim Hagemann Snabe, dem Verantwortlichen für die Produktentwicklung, gebildet wird.

Webseiten: www.sap.com www.sybase.com - Von Philipp Grontzki, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 107, philipp.grontzki@dowjones.com DJG/phg/sha/bam Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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