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12.08.2009

UPDATE2: Streit von Kuka und Großaktionär Grenzebach eskaliert

(NEU: Weitere Details, Aussagen Reuter von Telefonkonferenz, Hintergrund)

Von Nico Schmidt

DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Der seit langem schwelende Streit zwischen dem Roboter- und Industrieanlagenbauer Kuka und dem Großaktionär Grenzebach eskaliert. Die Grenzebach Maschinenbau GmbH stellte am Mittwoch einen Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung der Kuka AG. Auf dem außerplanmäßigen Aktionärstreffen, das voraussichtlich im Herbst stattfinden wird, soll dem Kuka-Management das Vertrauen entzogen werden.

Auf der Agenda sollen neben dem Vertrauensentzug gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden Horst Kayser und Finanzvorstand Matthias Rapp auch Neuwahlen zum Aufsichtsrat stehen. Der amtierende Vorsitzende des Kontrollgremiums, Rolf Bartke, soll abberufen werden. Als neuer Vorsitzender wird Grenzebach-Intimus Till Reuter kandidieren.

Cordula Heldt, Rechtsanwältin und Referentin beim Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt, erklärte auf Anfrage von Dow Jones Newswires das grundsätzliche Procedere bei der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung: "Laut Paragraf 122 im Aktiengesetz kann jeder Aktionär oder eine Gruppe von Aktionären mit einem Stimmrechtsanteil von mindestens 5% und einer Haltedauer von mindestens drei Monaten einen Antrag auf Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung stellen".

Die Forderung richtet sich nach Aussage der Expertin direkt an den Vorstand, der darüber zu befinden hat. Stimmt der Vorstand zu, könne das Aktionärstreffen nach Ablauf einer Frist von mindestens 37 Tagen stattfinden. Wenn die Führung eines Unternehmens dem Antrag dagegen nicht nachkomme, gehe die Sache vor Gericht, so Heldt. "Dieses kann den Aktionär dann direkt ermächtigen, die Hauptversammlung einzuberufen, aber den Antrag auch zurückweisen, zum Beispiel wenn ein Abwarten des Anliegens bis zur Behandlung auf der ordentlichen Hauptversammlung zumutbar ist."

In den vergangenen Wochen und Monaten war es hinter den Kulissen der Augsburger immer wieder zu Streit mit den Großaktionären Grenzebach und Guy Wyser-Pratte gekommen. Dem schwäbischen Maschinenbauer und dem US-Investor, die gemeinsam rund 40% an der Kuka AG halten, kam zuletzt der Strategiewechsel bei den Augsburgern zu langsam voran. Wie aus Aufsichtsratskreisen zu erfahren war, standen deshalb zuletzt einige Mitglieder des Gremiums dem Management sehr kritisch gegenüber.

Kuka will durch ein verstärktes Engagement in den Geschäftsbereichen Energie, Medizintechnik und Luftfahrt die Abhängigkeit von der kriselnden Automobilindustrie zurückfahren. Der im Geschäft mit der Autobranche erwirtschaftete Umsatzanteil soll durch den Ausbau alternativer Kundenkreise von aktuell rund 70% langfristig auf etwa 50% zurückgefahren werden.

Als besonders aussichtsreiche Wachstumsbranchen beurteilt Großaktionär Grenzebach die Medizintechnik, die Solarbranche und die Flughafenlogistik. Neben der "zögerlichen Erschließung" dieser Wachstumsmärkte wirft das Familienunternehmen dem amtierenden Kuka-Management auch vor, nicht "rechtzeitig geeignete Maßnahmen" zur Kompensation des massiven Einbruchs bei den Aufträgen und zur Sicherung der Finanzierung ergriffen zu haben. Zudem habe der Vorstand in der Robotersparte eine verfehlte Personalpolitik betrieben. Dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bartke kreidet Grenzebach an, "die Versäumnisse des Vorstands tatenlos hingenommen" zu haben. "Auch er genießt nicht mehr unser Vertrauen", sagte Grenzebach-Berater Till Reuter auf einer Telefonkonferenz.

Kuka, die den Vorwurf fehlender Fortschritte beim Strategiewandel bislang stets als "nicht fundiert" zurückgewiesen hatte, bestätigte am Mittwoch lediglich den Eingang des Antrags, wollte zu den Vorwürfen aber bisher keine Stellung nehmen. Von dem MDAX-Konzern hieß es bis dato immer, das Management habe auf das Ziel hingearbeitet, die Abhängigkeit von der Autoindustrie zurückzufahren und das Geschäft mit der General Industry auszubauen. Dieses Ziel habe "nach wie vor oberste Priorität", hatte es vom Unternehmen geheißen.

Kuka litt zuletzt massiv unter der Krise in der Autoindustrie. In den ersten sechs Monaten brachen die Aufträge um mehr als ein Drittel ein, der Umsatz um fast ein Viertel. Sowohl operativ als auch unter dem Strich rutschten die Augsburger trotz intensiver Sparbemühungen in die roten Zahlen. Zu allem Überfluss brach das Unternehmen im zweiten Quartal auch noch eine Kreditklausel und sprach von einem im schlimmsten Fall bestandsgefährdenden Risiko. Die Verhandlungen mit den Banken über die Refinanzierung laufen noch; eine Kapitalerhöhung ist angedacht.

Grenzebach war Ende 2008 bei Kuka eingestiegen und hatte die Beteiligung im laufenden Jahr auf knapp 30% ausgebaut. Bereits kurz nach der Ankündigung der Anteilssaufstockung kam es zu ersten Differenzen: Grenzebach pochte auf zwei Sitze im Kuka-Aufsichtsrat, die Augsburger fühlten sich davon überrumpelt und wollten dem lange ersehnten Ankerakionär eigentlich nicht so viel Spielraum zur operativen Einflussnahme einräumen.

Grenzebach arbeitet bereits seit einem knappen Jahrzehnt mit Kuka zusammen. Das Das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Hamlar verwendet als Komponenten eigener Anlagen überwiegend Kuka-Roboter - die Augsburger sind also ein wichtiger Zulieferer. Zudem sind beide Unternehmen gemeinsam in der Produktentwicklung tätig. Grenzebach bestätigte mehrfach - auch am Mittwoch - die Beteiligung nicht ausweiten zu wollen. Bei einem Anteil von mehr als 30% würde ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig.

Grenzebach hatte seit der Anteilsaufstockung in diesem Jahr nach eigenen Angaben "mehrfach den konstruktiven Dialog" mit dem Kuka-Aufsichtsratsvorsitzenden und dem Vorstand der Gesellschaft über die künftige Ausrichtung des Unternehmens gesucht. Dabei sei aber nie "ein akzeptables Ergebnis" erzielt worden, hieß es. "Die Ergebnisse der Gespräche waren ernüchternd", sagte Grenzebach-Berater Till Reuter. Das amtierende Management habe Entscheidungen verschleppt, und es sei der Eindruck entstanden, dass sich der Vorstand nicht immer am Wohle des Unternehmens orientiert habe.

"Wir hätten der Kuka den Weg über eine außerordentliche Hauptversammlung gerne erspart", so Grenzebach-Geschäftsführer Bernd Minning. "Leider sind unsere Gespräche aber ergebnislos geblieben. Ein personeller Neuanfang ist unausweichlich, wenn die Kuka rasch auf die Erschließung von Wachstumsmärkten ausgerichtet werden soll."

Der Maschinenbauer hat nach eigenen Angaben bereits "eine strukturierte Suche" nach Nachfolgern für das Kuka-Management eingeleitet und befindet sich bereits in Gesprächen "mit einigen profilierten Kandidaten". Reuter erklärte, die Gespräche mit potenziellen Nachfolgern liefen "nicht erst seit gestern". Die neue Führungsmannschaft müsse Kapitalmarkterfahrung, Fachwissen im Maschinenbaubereich und "Macherqualitäten" mitbringen. Zu Namen äußerte er sich nicht.

Webseiten: www.kuka.com www.grenzebach.com - Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires, +49 - (0)69 297 25 114; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/kla Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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