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19.03.2009

UPDATE2: ThyssenKrupp sieht Quartalsverlust und baut Stellen ab

(NEU: Aussagen Konzernsprecher)

(NEU: Aussagen Konzernsprecher)

Von Olaf Ridder und Martin Rapp

DOW JONES NEWSWIRES

DÜSSELDORF (Dow Jones)--Wegen des anhaltenden Einbruchs der Stahlnachfrage hat die ThyssenKrupp AG für das laufende zweite Geschäftsquartal überraschend einen Verlust auf operativer Ebene angekündigt. Der Stahl- und Technologiekonzern kündigte am Donnerstag einen drastischen Umbau der Strukturen samt Personalabbau an und will so den Sparkurs verschärfen.

So sollen die fünf Segmente Steel, Stainless, Technologies, Elevator und Services ab dem neuen Geschäftsjahr in zwei Divisions gebündelt sein. Davon verspricht sich der DAX-Konzern Einsparungen von 500 Mio EUR jährlich. Für die Hälfte dieser Summe soll ein Abbau von einigen hundert Stellen sorgen, wie ein Konzernsprecher sagte. Bereits im November hatte der Konzern Einsparungen im laufenden Geschäftsjahr von deutlich über 1 Mrd EUR angekündigt.

Die ThyssenKrupp-Aktie reagierte auf die Verlustankündigung mit einem Kurseinbruch von zunächst 5,3%. Analyst Heino Ruland von Ruland Research sagte, viele Beobachter hätten mit einem Vorsteuergewinn von rund 240 Mio EUR im laufenden Quartal gerechnet und müssten jetzt ihre Schätzungen zurücknehmen. Bislang hatte ThyssenKrupp erklärt, das Geschäft dieses Quartal werde schwieriger, ab April dürfte es sich aber auf dem Niveau einer normalen Rezession entwickeln.

Jetzt erklärte der DAX-Konzern, die wirtschaftliche Lage habe sich in nahezu allen Ländern und Branchen "mit großer Geschwindigkeit noch stärker verschlechtert als erwartet". Insgesamt befinde sich die Weltwirtschaft in einer tiefen Rezession. Das erste Quartal 2008/09 hatte ThyssenKrupp bei 6% Umsatzrückgang noch mit einem Konzerngewinn vor Steuern von 240 Mio EUR abgeschlossen.

ThyssenKrupp machte keine Angaben dazu, wie hoch der operative Verlust im zweiten Quartal ausfallen wird. Für das erste Halbjahr traut sich der Konzern aber zumindest noch einen leichten Gewinn zu. Ein Konzernsprecher konkretisierte die Kennziffer, die ThyssenKrupp so bisher nicht extra ausgewiesen hat, als "das, was ein Unternehmen mit seiner gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwirtschaftet". Enthalten sind also keine Sonderposten, wozu unter anderem Restrukturierungsaufwand und Wertberichtigungen zählen.

Schwarze Zahlen auf operativer Ebene und vor Sonderposten seien auch im Gesamtjahr möglich, aber nur wenn die Konjunkturprogramme greifen und sich die wirtschaftliche Situation im zweiten Halbjahr bessert, schränkte der Konzern ein.

Sollte die Nachfrage also nicht anziehen, bedeute das Verlust, schlussfolgerte Analyst Christian Obst von der HVB. Und selbst wenn nicht, könnten Restrukturierungen dem Konzern noch einen Fehlbetrag bescheren, warnte er.

Zur Höhe etwaiger Restrukturierungskosten im Zuge der Verschlankung des Konzerns machte ThyssenKrupp noch keine Angaben. Neben Vorlaufkosten für neue Stahlwerke und Wertberichtigungen werde das Gesamtjahr aber vom Restrukturierungsaufwand geprägt sein, "unter anderem für Personalanpassungen", heißt es in der Mitteilung.

Konkret ist geplant, dass die Segmente Steel, Stainless und Services in der neuen Division Materials und die Segmente Technologies und Elevator in der neuen Division Technologies zusammengefasst werden, sofern der Aufsichtsrat das Vorhaben auf einer Sondersitzung am 27. März billigt.

Als Folge des Umbaus werden kurzfristig drei Konzernvorstände eingespart. Doch das werden nicht die einzigen Stellen sein, die wegfallen: Ein Konzernsprecher bezifferte die Zahl der abzubauenden Stellen auf "einige hundert". Diese sollen auf administrativer Ebene eingespart werden und für gut die Hälfte des angepeilten Einsparvolumens sorgen. Die anderen 250 Mio EUR sollen durch Reduzierung der Sachkosten eingespart werden, so der Sprecher.

Die Vorstände Jürgen Fechter und Karl-Ulrich Köhler sollen schon Ende März einvernehmlich aus dem Konzern ausscheiden, während das Ressort von Wolfram Mörsdorf nach Auslaufen seines Vertrags am 14. April nicht neu besetzt wird. Umgesetzt werden soll die neue Konzernstruktur bis zum 1. Oktober vom bisherigen Finanzvorstand Ulrich Middelmann, der sein jetziges Amt am 1. April an Alan Hippe übergibt.

"Mit dieser strukturellen und personellen Neuausrichtung wird ThyssenKrupp marktnäher agieren und strategische Maßnahmen effizienter umsetzen können", erklärte Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz.

Belastet wird der größte deutsche Stahlkonzern aktuell stark von einem "drastischen Nachfrageeinbruch bei Stahl, Edelstahl und in der internationalen Werkstoffdienstleistung". Im Automobilzuliefergeschäft und im zivilen Schiffbau verbucht der Konzern eine unerwartet schlechte Ergebnisentwicklung, während das Aufzugsgeschäft voll im Rahmen der Erwartungen liegt.

Im Quartal bis Ende März schlagen eine starke Unterauslastung und der Preisdruck erheblich zu Buche. ThyssenKrupp geht überdies auch von weiteren Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen aus. In den Monaten Oktober bis Dezember hatte der Konzern seine Wertansätze bereits um rund 250 Mio EUR nach unten korrigiert.

Um 14.30 Uhr zeigt sich die ThyssenKrupp-Aktie noch mit einem Abschlag von 2,2% bei 14,16 EUR und gehört damit zu den schwächsten Werten im Deutschen Aktienindex DAX, der mit 2,9% im Plus liegt.

Webseite: http://www.thyssenkrupp.com/ -Von Olaf Ridder und Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 111, unternehmen.de@dowjones.com DJG/mmr/rio Besuchen Sie unsere neue Webseite http://www.dowjones.de

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