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21.12.2010

UPDATE2: Winterwetter hält Luftverkehr weiter in Atem

(NEU: Aussagen Deutsche Bahn, Deutsche Post, Automobil- und Zulieferindustrie, Mineralölwirtschaftsverband, Deutsche BP)

(NEU: Aussagen Deutsche Bahn, Deutsche Post, Automobil- und Zulieferindustrie, Mineralölwirtschaftsverband, Deutsche BP)

Von Kirsten Bienk DOW JONES NEWSWIRES

HAMBURG (Dow Jones)--Neuerliche Schneefälle und anhaltend kalte Temperaturen haben auch am Dienstag im deutschen Luftverkehr zu umfangreichen Flugausfällen und Verspätungen geführt. Airlines und Flughafenbetreiber haben alle Hände voll zu tun, Start- und Landebahnen vom Schnee zu räumen und Flugzeuge zu enteisen. Außerdem müssen sie wartende Passagiere mit Übernachtungsmöglichkeiten sowie Essen und Trinken versorgen. Für die Mitarbeiter führt dies kurz vor den Weihnachtsferien zu umfangreichen Überstunden und Verzicht auf Urlaub. Die Unternehmen müssen Zusatzkosten verbuchen.

Am Morgen musste beispielsweise der Flughafenbetreiber Fraport seinen Hauptflughafen in Frankfurt für mehr als drei Stunden schließen, da massive Schneefälle sichere Starts und Ladungen verhindert hatten. Von denen für den Gesamttag geplanten mehr als 1.300 Flugbewegungen wurden daraufhin 340 Starts und Landungen gestrichen und immense Verspätungen gemeldet.

Aus diesem Grund begrüßte der Flughafenbetreiber die von Politikern angeregte Lockerung der Nachtflugregelung. Es gebe einige Passagiere in Frankfurt, die schon mehr als eine Nacht am Flughafen hätten verbringen müssen.

Die Deutsche Lufthansa AG musste aufgrund der zeitweisen Schließung des Frankfurter Flughafens und des Schneefalls ihre Langstreckenflüge auf andere deutsche und europäische Flughäfen umleiten. Diese Maschinen würden nun nach und nach in Frankfurt eintreffen, sagte eine Sprecherin. Aus diesem Grund seien alle Langstreckenflüge ab Frankfurt bis 13.00 Uhr annulliert worden. Wie viele Starts davon betroffen sind, sagte die Sprecherin nicht. Alle Langstreckenflüge nach 13 Uhr sollen durchgeführt werden.

Weiterhin erheblich beeinträchtigt sind auch die innerdeutschen und innereuropäischen Flüge von Europas größter Airline. Zahlreiche Streichungen und Verspätungen sind an der Tagesordnung. Aus diesem Grund gilt auch am Dienstag noch der zum Wochenende eingesetzte Sonderflugplan. Reisende fordert die Lufthansa weiterhin auf, alternative Transportmittel zu wählen.

Gleichwohl scheint sich eine Verbesserung abzuzeichnen. Da der Wetterdienst Lufthansa zufolge steigende Temperaturen in Aussicht gestellt habe, will die Airline bereits am Nachmittag und auch am Mittwoch zunehmend wieder mehr Flüge anbieten und so schnell wie möglich zum normalen Flugplan zurückkehren.

Die Fluggesellschaft Air Berlin sieht sich gegenwärtig weniger vom Winterwetter betroffen. Sie hat am Dienstag nur einen Flug gestrichen und rechnet unverändert damit, spätestens am Mittwoch wieder alle Flüge plangemäß durchführen zu können. Winterbedingte Verspätungen seien aber auch weiterhin nicht ausgeschlossen, sage eine Sprecherin. Am vergangenen Wochenende hatten Eis und Schnee bei Deutschlands zweitgrößter Airline zum Ausfall rund 56 Flügen geführt. Am Montag konnten 27 Starts und Landungen nicht durchgeführt werden. Auch bei Air Berlin wird die Lockerung von Nachtflugverboten positiv gesehen.

Angaben zu Zusatzkosten wollen weder Fraport, Lufthansa noch Air Berlin machen. Dazu sei es derzeit noch zu früh, hieß es.

Bei der Deutschen Bahn AG ist gegenwärtig das Reiseaufkommen aufgrund der vielen Umsteiger von Flugzeug und Automobil sehr hoch. Hinzu kommt der einsetzende Weihnachtsreiseverkehr. Gerade auf den großen Fernverkehrsstrecken führt diese Kombination zu erheblichen Kapazitätsengpässen. "Wir haben eine Extremsituation", sagte ein Sprecher. So seien Zugausfälle und Verspätungen einfach nicht zu vermeiden. Abgesehen davon hat die Bahn die Höchstgeschwindigkeit der Züge auf 200 km/h reduziert, um Beschädigungen durch umherfliegende Eisstücken an den Unterseiten der Züge zu vermeiden. Dies führt zu weiteren Verzögerungen. Angaben über die Zahl der Zugausfälle macht die Bahn nicht.

Wenig negative Auswirkungen verspürt die Deutsche Post AG. Der Logistikkonzern sei wegen der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage auf ein größeres Transportvolumen von Briefen, Päckchen und Paketen eingestellt und bereite sich generell in dieser Jahreszeit auf ungünstige Wetterbedingungen vor, sagte ein Sprecher. Aus diesem Grund sei er zuversichtlich, alle Sendungen bis zum Fest auszuliefern. Wenn allerdings mal ein Flugzeug ausfalle oder ein Lkw auf der Straße hängenbliebe, seien Verspätungen nicht zu vermeiden. Allerdings könnte die Post aufgrund ihrer Größe relativ rasch alternative Transportmöglichkeiten organisieren.

Das Winterwetter wirkt sich aber auch auf andere Industrien aus. Allen voran die Bauindustrie. Generell hat das eisige Wetter Einfluss auf die Bautätigkeit, heißt es bei HeidelbergCement. In diesem Jahr seien diese Auswirkungen besonders früh zu spüren, da der Winter bereits Anfang Dezember Einzug in Deutschland gehalten habe.

Positive Auswirkungen der Witterung verzeichnet indes K+S. Der Absatz von Streusalz hat sich nach Angaben eines Sprechers im laufenden Dezember im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Das Unternehmen importiert deswegen derzeit zusätzlich Salz aus einer Mine in Chile und von einer nordamerikanischen Tochter. Außerdem baut sie dieses Mineral noch in einem Kaliwerk in Deutschland ab. Allerdings müssen sich Kunden seit rund zwei Wochen auf Lieferverzögerungen einstellen, da Züge und Lastkraftwagen wegen des Wetters manchmal nicht wie geplant ankommen.

Wenig betroffen von der ungünstigen Witterung sind derzeit noch Automobilhersteller und ihrer Zulieferer. Viele haben ohnehin bereits Werksferien oder stehen kurz vor der traditionellen Weihnachtspause, die bei vielen wegen der hohen Nachfrage allerdings kürzer ausfällt als gewohnt. Bei der Daimler AG, bei der die Werksferien an den meisten Produktionsstandorten erst am 23. Dezember beginnen, gebe es bislang keine Einschränkungen in der Produktion, sagte ein Sprecher. Auch bei Opel beginnen die Werksferien am Donnerstag. Auch hier läuft die Produktion noch wie geplant. "Natürlich gibt es gewisse Verzögerungen, die sich aber im Rahmen halten", sagte ein Sprecher. Die Volkswagen AG startet erst Heiligabend mit den Werksferien. Die Produktion läuft weitgehend noch störungsfrei. Bei BMW werden ab und zu Probleme "auf der Straße" verzeichnet. Diese haben aber noch nicht zu Produktionsengpässen geführt.

Die Continental AG spürt zwar erste Auswirkungen des Winterwettters. Um die Produktion dennoch aufrecht zu erhalten, weiche der Hannoveraner Konzern auf alternative Transportmöglichkeiten aus, zudem gebe es für solche Fälle Sicherheitsbestände, sagte eine Sprecherin. Ausfälle habe es bislang keine gegeben. Bosch hat eigenen Angaben zufolge derzeit auch noch keine gravierenden Probleme und begründet dies mit eingebauten Zeitpuffern von einigen Tagen. Auch bei ElringKlinger sind keine größeren Probleme bekannt. Leoni verzeichnete bereits das ein oder andere Mal eine verzögerte Zulieferung von Kabeln, hat deswegen aber noch keine Beeinträchtigung der eigenen Lieferfähigkeit verzeichnet.

Unbesorgt ob des Wetters zeigt sich auch der Mineralölwirtschaftsverband. Es könnte zwar an einzelnen Tankstellen mal die eine oder andere Kraftstoffsorte ausgehen, eine flächendeckende Unterversorgung sei aber nicht abzusehen, hieß es. Grund für Hamsterkäufe gebe es deswegen selbst mit Blick auf die bevorstehenden Feiertage nicht.

Auf den Straßen entspanne sich die Lage, in Bayern und Sachsen sei das Sonntagsfahrverbot gelockert worden und in Nordrhein-Westfalen dürfen Lkw seit Montagnachmittag wieder fahren.

Diese entspannte Einschätzung unterstreicht die Deutsche BP für ihre Aral-Tankstellen. Es sei Ende abgelaufener Woche in verschiedenen Regionen wie beispielsweise Sachsen und Thüringen zu Verzögerungen bei der Belieferung gekommen. Jetzt laufe es aber wieder besser, sagte ein Sprecher. Fehlende Kraftstoffsorten würden in der Regel durch vorhandene höherwertige Produkte, die zum Preis der nicht verfügbaren Sorte verkauft würden, ausgeglichen.

Webseiten: www.fraport.de www.lufthansa-financials.com www.airberlin.com -Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires, +49 (0)40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com, DJG/kib/has

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