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26.04.2007

UPDATE3: Kleinfeld gibt Nachfolger höhere Renditen vor

Von Alexander Becker und Michael Brendel

Dow Jones Newswires

MÜNCHEN (Dow Jones)--Die scheidende Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld hat wie versprochen die Margenziele für alle Konzernsparten erreicht und hinterlässt seinem Nachfolger noch anspruchsvollere Renditenanforderungen. Seinen am Vortag angekündigten Rücktritt begründete er mit der nicht uneingeschränkten Unterstützung seiner Person durch den Ausfsichtsrat. Kleinfelds Nachfolger muss bei Siemens ein größer als bislang bekanntes Ausmaß an dubiosen Zahlungen untersuchen und das Unternehmen durch verschärften Ermittlungen der US-Behörden führen.

Für neun der elf Sparten hob Siemens am Donnerstag die Margenziele an. Mit dem neuen mittelfristigen Zielen des "Fit for 2010" genannten Programms solle die Wettbewerbsfähigkeit und der Unternehmenswert weiter erhöht werden. Zudem führte der Münchener DAX-Konzern neue Konzernrendite-Kennziffern ein. So soll bis zum Jahr 2010 der Return on Capital Employed (ROCE) auf 14% bis 16% gesteigert werden. 2005/06 hatte die ROCE bei 10% gelegen.

Als weitere Zielgröße bestimmte Siemens die Cash Conversion Rate (CCR), die das Verhältnis des Free-Cash-Flow zum Nachsteuergewinn angibt. Siemens wolle hier künftig eine Rate von mindestens 1 abzüglich seiner Wachstumsrate erzielen. 2005/06 lag die CCR bei 0,64. Analysten hatten zuvor konkrete Rendite- und Cash-Ziele für den Konzern gefordert.

Bislang hatte das Unternehmen lediglich Renditevorgaben für die einzelnen Bereiche ausgegeben. Diese Ziele erreichte das Unternehmen im zweiten Quartal in allen Sparten und übertraf damit die Analystenerwartungen. Kleinfeld hatte das Erreichen aller Sparten-Ziele zum Ende des zweiten Quartals 2006/07 bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren als Maßgabe ausgegeben.

Kleinfeld zeigte sich - ebenso wie die meisten Analysten - überzeugt von der guten operativen Verfassung seines Unternehmens. So sieht Kleinfeld Siemens sehr gut aufgestellt für die künftigen Wachstumsziele. Am Dienstag hatte Siemens bereits Konzernzahlen vorgelegt, die deutlich über den Analystenschätzungen lagen.

Der Umsatz legte im Berichtszeitraum um 10% auf 20,626 Mrd EUR zu und der Auftragseingang um 9% auf 23,469 Mrd EUR. Analysten hatten hier lediglich mit einem Zuwachs um 5% bzw 6% gerechnet. Das operative Ergebnis der Bereiche stieg um 49% auf 1,964 Mrd EUR. Analysten hatten ein Plus von 31% erwartet.

Für neun von elf Beeiche legte Siemens nun die Latte höher. Lediglich für Transportation Systems (TS) und Siemens Buldings Technologies (SBT) blieben die Margenziele mit 5-7% bzw 7-9% unverändert. In den zuletzt wachstumsstärksten Sparten Automation & Drives (A&D) und der Medizintechniksparte hob Siemens sowohl das untere als auch das obere Ende der Prognosen an. Bei A&D liegt die Zielmarge nun bei 12-15% (zuvor 11-13%), bei der Medizintechnik nun bei 13-15% statt 11-13%. Beide Sparten gehören zu den ausgemachten Wachstumsfeldern von Siemens.

Das nun aufgesetzte Programm bekräftigt die Konzentration auf die Wachstumsfelder Energy & Environmental Care, Automation & Control, Industrial & Public Infrastructure und Health Care. Auch die Sparte VDO soll offenbar noch länger Teil des Siemens-Konzerns bleiben. Kleinfeld und Finanzvorstand Joe Kaeser bekräftigten die Pläne für einen Börsengang. Zwar habe Siemens mehrere Offerten erhalten, die sie prüfen müssten. Es gebe aber derzeit keine Verhandlungen.

Die geplante künftige Ausrichtung des Konzerns sei dabei ebenso wenig wie das neue "Fit for 2010"-Programm von seiner Person abhängig, so Kleinfeld. So stehe die gesamte Führungsmannschaft und das ganze Unternehmen hinter den gesetzten Zielen. Kleinfeld selbst wird das Unternehmen nun so lange weiter führen, bis ein Nachfolger gefunden ist. So habe ihn der Aufsichtsrat gebeten, so lange weiterzumachen, bis ein Nachfolger gefunden sei.

Wo ein neuer Chef herkommen soll, sei "schwer zu sagen". Sein Nachfolger müsse aber das "Unternehmen kennen und Technologien verstehen" sowie internationale Erfahrung aufweisen. Siemens hat bislang noch keinen Nachfolger für Kleinfeld benannt. Dieser hatte am Vortag mitgeteilt, für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung zu stehen stehe. Sein Vertrag läuft bis Ende September 2007.

Kleinfeld begründete am Donnerstag, dass die "belastende und untragbare" Unklarheit in der Führungsfrage beim Siemens-Konzern ihn zu seinem Rücktritt bewegt hat. In solchen Zeiten ist es extrem wichtig, dass das Gremium geschlossen hinter einem steht", sagte Kleinfeld. Die aktuelle Diskussion über die zukünftige Führung des Unternehmens habe innen wie außen verunsichert, eine klare Entscheidung zur künftigen Führung wird erwartet", sagte Kleinfeld.

Mögliche Forderungen oder Druck von Seiten der mächtigen US-Ermittlungsbehörden seien auf jeden Fall nicht der Grund für seine Entscheidung gewesen. Am Morgen hatte Siemens neben den Zahlen mitgeteilt, dass die US-Börsenaufsicht SEC ihre bislang informelle Untersuchung der mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen von Siemens-Mitarbeitern in eine formelle Untersuchung abgeändert. Eine formelle Untersuchung bedeutet laut Rechtsanwälten eine deutliche Verschärfung der Ermittlungen und größere finanziellen Risiken für das Unternehmen.

Sollte es zu einer formellen Untersuchung der SEC kommen und sich die Vorwürfe bestätigen, könnten Siemens Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe drohen, hatten Rechtsanwälte Dow Jones Newswires gesagt. Laut Siemens könnten sich aus den Ermittlungen negative Folgen für die operative Geschäftstätigkeit resultieren, in Form von Geldbußen, Schadensersatz oder Ausschlüssen bei der öffentlichen Auftragsvergabe erwachsen.

Siemens sieht sich derzeit mit umfassenden Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen von Mitarbeitern der ehemaligen Com-Sparte konfrontiert. Mitte November hatten deutsche Ermittler deswegen erstmalig mehrere Siemens-Büros durchsucht. Im Dezember räumte Siemens ein, dass eine Gruppe von Managern in der Telekommunikationssparte von 1999 bis 2006 dubiose Zahlungen über bis zu 420 Mio EUR geleistet habe.

Die dubiosen Zahlungen waren offenbar deutlich höher als bislang angenommen, räumte Siemens nun ein. So habe Siemens bei internen Untersuchungen deutlich mehr Zahlungen identifiziert, die als "bedenklich" gelten. Dieses könnte "wesentliche" Auswirkungen auf die Bilanzierung bei Siemens haben. Untersuchungen von Zahlungen werden nun auch für andere Siemens-Sparten durchgeführt. "Als Konsequenz erwartet Siemens, dass der Umfang der gesamten zu untersuchenden Zahlungen, die im Zusammenhang mit BCAs stehen, deutlich zunehmen wird".

Die Siemens-Aktie nach einem schwachen Start im Handelverlauf weiter zu und notierte am Mittag in einem festen Gesamtmarkt 1,8% im Plus bei 89,91 EUR.

Webseite: http://www.siemens.de

- Von Alexander Becker und Michael Brendel, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 505, industry.de@dowjones.com

DJG/abe/mim

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