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10.05.2007

UPDATE3: Telekom-Belegschaft zieht in den Streik

(NEU: Weitere Aussagen von ver.di)

(NEU: Weitere Aussagen von ver.di)

Von Stefan Paul Mechnig

Dow Jones Newswires

BONN (Dow Jones)--Der Konflikt um den Personalumbau stürzt die Deutsche Telekom AG in den ersten flächendeckenden Streik ihrer Geschichte. Die Gewerkschaft ver.di rief am Donnerstag den Arbeitskampf aus, nachdem sie sich in einer Urabstimmung die Rückendeckung der Beschäftigten geholt hatte.

Die von den Ausgliederungsplänen betroffenen Angestellten der Festnetzsparte stimmten mit überwältigender Mehrheit für den Ausstand. Die eskalierte Auseinandersetzung überschattete die von anhaltender Schwäche im Inland geprägten Erstquartalszahlen der Telekom.

Ab Freitag werde bei der Telekom offiziell gestreikt, verkündete Lothar Schröder vom ver.di-Bundesvorstand in Bonn: "Der Arbeitskampf wird unweigerlich folgen." Eine Zustimmung von 96,5% der gut 22.000 befragten Angestellten sei dafür ein "klarer Auftrag". Bereits in den vergangenen Wochen hatte es zahlreiche Warnstreiks unter Beteiligung Zehntausender Beschäftigter gegeben.

Auch die Beamten der Telekom, die per Gesetz nicht streiken dürften, wurden im Verlauf der dreitägigen Urabstimmung um ihre Meinung gefragt und hätten mit einer ähnlich hohen Zustimmungsrate wie die Angestellten ihre Unterstützung bekundet, sagte Schröder. Sie würden in Protestkundgebungen einbezogen. Rund die Hälfte der etwa insgesamt 50.000 Festnetz-Mitarbeiter aus den Service- und Technikbereichen, die nach dem Willen des Vorstandes länger und für weniger Geld in Subunternehmen arbeiten sollen, steht im Beamtenverhältnis.

Schröder, der die Verhandlungen mit dem Management geführt hatte, sagte, ver.di sei auch angesichts eines Organisationsgrades von mehr als 70% in der Lage, den Arbeitskampf über Wochen durchzuhalten. Mit einem Vorlauf von zwei Tagen und abhängig von den Reaktionen des Vorstands werde über Ausweitungen entschieden. Zunächst würden erneut rund 10.000 Beschäftigte die Arbeit ruhen lassen. Es sei möglich, dass der Streik noch auf andere Teile des Konzerns übergreife.

Der Ausstand werde Auswirkungen auf die Privat- und Geschäftskunden der Telekom haben, wenngleich seine Stoßrichtung gegen den Vorstand gehe. Nach Schröders Worten ist beispielsweise mit Engpässen in der Netzversorgung oder längeren Wartezeiten in Call-Centern und bei Installationsarbeiten zu rechnen. Ver.di werde jedoch dafür sorgen, dass sicherheitsrelevante Bereiche nicht gefährdet seien. Hingegen sei es nicht auszuschließen, dass es beim Weltwirtschaftsgipfel im Ostseebad Heiligendamm, wo die Telekom gerade eine größere Infrastruktur aufbaue, zu Störungen komme.

Schröder warf dem Vorstand vor, den Einsatz von Streikbrechern vorzubereiten. Das Management wolle dafür anscheinend Prämien von 300 EUR pro Mitarbeiter anbieten. Schröder setzte das mit dem Judaslohn von "30 Silberlingen" gleich. Die Telekom sei offenbar dabei, von einer "Kooperationskultur" in eine "Konfliktkultur" zu treten. Ver.di-Arbeitskampfleiter Ado Wilhelm hielt der Geschäftsleitung vor, die Urabstimmung durch Hausverbote und Platzverweise behindert zu haben. Beschäftigte seien "massiv bedroht" worden.

Ver.di erwartet nun, dass sich der Vorstand bewegt und ein neues Angebot vorlegt. Zuletzt hatte die Telekom eine Gehaltsabsenkung um 9% und eine Ausdehnung der Wochenarbeitszeit um vier auf 38 Stunden gefordert. Im Gegenzug will sie den Kündigungsschutz verlängern und eine Zeit lang garantieren, dass die neuen Einheiten nicht verkauft werden.

Die Telekom sieht den Ball hingegen im Feld von ver.di, wie ihr Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal sagte. Der Vorstandsvorsitzende Rene Obermann rief die Gewerkschaft zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Ein Streik nützt niemandem", sagte er. Zu den eingeleiteten "Reformschritten" gebe es daher keine Alternative: "Nur so können wir langfristig die Eigenständigkeit der Deutschen Telekom und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze im Unternehmen erreichen", mahnte der Konzernlenker.

Die Zahlen der ersten drei Monate zeigten, dass die Telekom in Deutschland weiter unter einem erheblichen Wettbewerbs- und Reformdruck stehe. Die Festnetzsparte verlor im Startquartal beschleunigt Telefonkunden, was zu einem Gewinneinbruch führte. Auf der anderen Seite gewann die Telekom jedoch soviele selbst vermarktete DSL-Anschlüsse wie in keinem Quartal zuvor.

Das Wachstum kam erneut nur aus dem ausländischen Mobilfunkbereich, reichte jedoch nicht aus, um trotz einer vierprozentigen Steigerung des Konzernumsatzes einen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ohne Sondereffekte zu verhindern, das um knapp 6% auf 4,7 Mrd EUR sank. Der Nettogewinn rutsche sogar überraschend um 58% auf 459 Mio EUR ab.

Webseite: http://www.telekom3.de

http://www.verdi.de

-Von Stefan Paul Mechnig, Dow Jones Newswires, ++ 49 (0) 211 - 13 87 213,

TMT.de@dowjones.com

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