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09.12.2008

UPDATE4: Prognosesenkung schickt Q-Cells-Aktie auf Talfahrt

(NEU: Aktuelle Aktienkurse, Aussagen von Solon)

(NEU: Aktuelle Aktienkurse, Aussagen von Solon)

Von Nico Schmidt

DOW JONES NEWSWIRES

BITTERFELD-WOLFEN (Dow Jones)--Die Finanzkrise ist nun auch in der Solarbranche angekommen: Der Solarzellenhersteller Q-Cells senkte am Dienstag wegen den Verwerfungen an den Kapitalmärkten seine erst Mitte November angehobene Prognose für das laufende Jahr sowie den Umsatzausblick für 2009.

Die Nachricht sorgte am Aktienmarkt für einen Kurseinbruch: Die Aktie des in Thalheim in Sachsen-Anhalt ansässigen Unternehmens verlor am Dienstag an der Frankfurter Börse in der Spitze mehr als 30%. Um 15.28 notieren Q-Cells noch mit 24% im Minus bei 20,75 EUR und sind mit Abstand schwächster Wert im TecDAX.

Obwohl sich die deutschen Solarkonzerne bemüht zeigten, durch Prognosebestätigungen am Markt Sorgen über den Zustand der Branche zu zerstreuen, verlieren im Sog der Gewinnwarnung von Q-Cells auch alle anderen Solarwerte: Conergy geben 9,3% auf 0,88 EUR nach, Phoenix Solar 3,7% auf 25,28 EUR und SMA Solar geben 16,2% auf 26,76 EUR nach. Außerdem verlieren SolarWorld 8,5% auf 12,90 EUR, Solon 4,8% auf 13,13 EUR und Roth & Rau 8,5% auf 12,55 EUR.

Die Q-Cells SE begründete die gesenkten Prognosen mit den "Unsicherheiten sowie der schwächeren Marktnachfrage im Zusammenhang mit der Finanzkrise". Aufgrund dieser Faktoren haben nach Unternehmensangaben "eine Reihe von Kunden in den vergangenen Tagen die Abnahme vereinbarter Mengen in das nächste Jahr verschoben". Kurzfristig seien für diese Mengen keine anderen Abnehmer gefunden worden.

Der Vorstandsvorsitzende Anton Milner betonte auf einer Analystenkonferenz, dass es sich nicht um Absagen von Bestellungen, sondern lediglich um Verschiebungen handele.

Das Unternehmen rechnet nun für 2008 mit einem Produktionsvolumen von rund 570 MWp statt wie bisher von 585 MWp. Der Konzernumsatz wird sich nach Unternehmensangaben auf etwa 1,225 (bisher: 1,35) Mrd EUR belaufen. Das Unternehmen erwartet nun außerdem ein operatives Ergebnis (EBIT) im Kerngeschäft von etwa 230 Mio EUR und ein Konzern-EBIT von rund 205 (bisher: 260) Mio EUR.

Inklusive des erwarteten Ergebnisbeitrags der Renewable Energy Corporation strebt Q-Cells einen Jahresüberschuss von etwa 185 (bisher: 215) Mio EUR an. Nach Aussage von Q-Cells-Finanzvorstand Hartmut Schüning lasten vor allem die schwächer als erwarteten Umsatzzuwächse sowie sinkende Absatzpreise auf der Gewinnentwicklung.

Als Reaktion auf die "veränderten Marktgegebenheiten" will der Solarzellenhersteller die Weihnachtstage sowie den Jahreswechsel für Wartungsarbeiten und den Abbau von Überstunden nutzen. Der Investitionsplan soll aber unberührt bleiben: 2009 sollen laut Schüning weiter rund 500 Mio EUR ausgegeben werden.

Angesichts der schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten sowie der unsicheren Lage auf den Märkten erwartet Q-Cells auch zum Jahresbeginn 2009 eine schwache Nachfrage. Daher senkte das Unternehmen die Produktionsprognose für das Jahr 2009 auf 800 MWp bis 1 GWp (bisher: 1 GWp). Aufgrund des niedrigeren Produktionsvolumens rechnet Q-Cells auch mit einem niedrigeren Umsatz von 1,75 Mrd und 2,25 (bisher: 2,25) Mrd EUR. Dies würde allerdings immer noch einem Einnahmenanstieg um mindestens 40% entsprechen.

Aufgrund der "zunehmenden Attraktivität der Rendite" von Photovoltaik-Anwendungen, erwartet das Unternehmen spätestens ab dem zweiten Halbjahr 2009 eine steigende Marktnachfrage und daher mittelfristig weiterhin einen unverändert positiven Trend: Nach einem "schwächer als erwarteten ersten Quartal" und einer etwas besseren Entwicklung im zweiten Dreimonatszeitraum werde es vor allem im zweiten Halbjahr zu einer Erholung kommen, sagte Milner. Laut Finanzvorstand Schüning ist "die Perspektive für die Branche und Q-Cells weiter sehr positiv".

Erst am 13. November hatte Q-Cells seine mittelfristigen Ziele bis 2010 bestätigt und den Ausblick für das laufende Jahr sogar leicht erhöht. "Die weltweite Finanzkrise hat die Rahmenbedingungen ohne Zweifel nicht verbessert", hatte es noch im Neunmonatsbericht geheißen. "Allerdings sehen wir derzeit keinerlei Anzeichen für ein Nachlassen der Nachfrage. Der limitierende Faktor für das Wachstum der Industrie dürfte auch im Jahr 2009 die Angebotsseite sein."

Im ersten Halbjahr 2009 seien wegen der Kapitalmarktkrise zwar vereinzelte Kundenprobleme zu erwarten, teilte das Unternehmen seinerzeit mit. Diese hätten aber wohl nur geringe Auswirkungen. Q-Cells profitiere in der derzeitigen Krise als Weltmarktführer in der Solarzellen-Fertigung von Größenvorteilen sowie dem breiten, weltweiten Kundenportfolio.

In den vergangenen anderthalb Wochen habe sich die Situation jedoch grundlegend geändert, begründete Q-Cells-Vorstandsvorsitzender Anton Milner am Dienstag die gesenkten Prognosen. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise seien Kundenanfragen nach Verschiebungen aufgekommen. Aufgrund der langfristigen Orientierung sei Q-Cells auf die Bedürfnisse der Kunden eingegangen, so Anton Milner

Im Handel wurden die Kursverluste von Q-Cells am Berichtstag teilweise mit einem Glaubwürdigkeitsproblem begründet, da sich das Unternehmen erst jüngst zuversichtlich zur Geschäftsentwicklung geäußert hatte. Nach Einschätzung der LBBW hat das Q-Cells-Management in den vergangenen Tagen einen großen Teil des Vertrauens verspielt.

Die Analysten der WGZ-Bank zeigten sich jedoch wenig überrascht von den Projektverschiebungen, hatten sie doch unlängst darauf hingewiesen, dass dies aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten bei Kunden wohl nicht ausbleiben werde. WestLB-Analyst Sebastian Zank zeigte sich mit Blick auf die gesenkte Prognose skeptisch, dass Q-Cells wegen des schwierigen Umfelds sowie der unsicheren Preis- und Umsatzentwicklung auch 2009 die hohe Profitabilität behaupten kann.

Nach Einschätzung der Analysten von SES führt die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem erheblich niedrigeren Nachfragewachstum für Solarsysteme und setzt dementsprechend die Margen entlang der gesamten Wertschöpfungskette unter Druck. Das wachsende Angebot und die Absatzkrise im spanischen Markt hätten ferner zu einem signifikanten Überangebot geführt und die Modulpreise damit massiv unter Druck gesetzt.

Nach neuesten Kalkulationen eines Analysten, der namentlich nicht genannt werden wollte, könnte der Gewinn je Aktie von Q-Cells im kommenden Jahr rund 20% unter das Niveau des Jahres absacken.

Andere deutsche Solarkonzerne bestätigten nach Bekanntwerden der Gewinn- und Umsatzwarnung von Q-Cells jedoch ihre Ziele, um Sorgen über den Zustand der Branche zu zerstreuen. Der Q-Cells-Zulieferer Roth & Rau beispielsweise hält trotz der Prognosensenkung des Solarzellenherstellers an seinen Zielen für 2008 fest. Auch die Bonner SolarWorld AG will nach Aussage ihres Vorstandsvorsitzenden, Frank Asbeck, an ihren Zielen festhalten.

Anka Leiner, Sprecherin der Phoenix Solar AG, sagte: "Wir liegen im Plan; es gibt keinen Anlass, unsere Prognose zu senken". Das Unternehmen ist nach Aussage der Sprecherin aktuell kein Kunde von Q-Cells. Zu spüren bekommt der Solar-Systemanbieter die Finanzkrise nicht direkt, sondern über die Kunden. Vor allem das Segment Kraftwerksbau sei betroffen, wo es aufgrund der Krise am Finanzmarkt teilweise zu längeren Projektentwicklungszeiten komme, so Leiner.

Eine Sprecherin von Solon sagte, die Prognosen des Unternehmens hätten Bestand. Sie verwies auf die Mitteilung des Konzerns im November. Als einer der ersten führenden deutschen Solarkonzerne hatte die Solon AG Mitte November mit Verweis auf die eingetrübten Branchenaussichten ihre Prognosen für 2008 und 2009 zurückgenommen.

Webseite: http://www.q-cells.de - Von Nico Schmidt; Dow Jones Newswires; + 49 - (0)69 297 25 111; nico.schmidt@dowjones.com DJG/ncs/jhe

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