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18.11.1994

Ursachen erkennen und beheben Datenverlust: Oft ist auch die Festplatte schuld daran

Zu den klassischen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital kommen mittlerweile die Daten hinzu. Das kann sich besonders unangenehm bemerkbar machen, wenn ein Datenunfall passiert. Sofort auf Utilities zurueckzugreifen ist nicht immer die beste Loesung, um die verlorengegangenen Informationen wiederzufinden. Oft muss auch die Festplatte geoeffnet werden. Michael Friedrichs* beschreibt Moeglichkeiten zur Fehlerdiagnose.

Das groesste Sicherheitsrisiko fuer die Daten sitzt vor dem Bildschirm und heisst Anwender. Sabotage und Boeswilligkeit fuehren nur zu ein bis zwei Prozent der Entschaedigungsleistungen, die den Wuerttembergischen Versicherungen zufolge eine Elektronikversicherung 1993 aufzubringen hatte. Auch Diebstahl verursachte lediglich knapp zehn Prozent der Schaeden. Hauptschadensquelle war die Fahrlaessigkeit, aus der ein Viertel aller Defekte entstand.

Sind die gespeicherten Daten eines Tages nicht mehr verfuegbar, dann kommt es zunaechst darauf an, die Ursache zu diagnostizieren. Professionelle Datenretter warnen dabei vor blindem Vertrauen auf Utilities - zumindest unerfahrene Anwender haben damit schon mehr zerstoert als repariert. Sollte ein Headcrash vorliegen, dann fuehrt jedes erneute Anschalten des Rechners - oder auch blosses Laufenlassen - zu Datenverlusten, die endgueltig sein koennen.

Ein sicheres und erfolgreiches Verfahren zur Datenrettung setzt voraus, dass die Festplatte geoeffnet wird, um die Schadensursache nach dem bewaehrten Prinzip der Chirurgie festzustellen: aufmachen und nachsehen. Dies muss allerdings in einem Reinraum geschehen - dort ist die Luft etwa 50000mal sauberer als in einem normalen Zimmer. Sonst koennten sich Staubpartikel oder andere Fremdkoerper zwischen die Schreib-Lese-Koepfe oder die Platten setzen und den Schaden noch vergroessern. In dem empfindlichen Festplattenmilieu wuerde sich eine Schuppe wie ein Elefant im Porzellanladen auswirken.

Es gibt zwei Schadenstypen: logische und physikalische Schaeden. Von einem logischen Schaden spricht man, wenn ein Datensalat vorliegt, ohne dass Magnetschicht oder Elektronik beschaedigt sind. Logische Schaeden sind vielfach vom Anwender selbst verursacht; eine Datenrettung ist hier im allgemeinen moeglich.

Die wichtigsten logischen Schadenstypen sind: Verlieren der Zuordnungstabelle, defekte Indexdateien, versehentliches Loeschen, unsachgemaesse Handhabung von Utilities sowie fehlerhaftes Backup.

Werden Magnetbaender als Sicherungskopie oder zur Archivierung verwendet, muss man sich ueber deren Schwaechen im klaren sein. Es geschieht gar nicht so selten, dass Daten falsch abgespeichert werden, ohne dass der Anwender den Fehler bemerkt. Das boese Erwachen kommt dann beim Ruecksichern, das nie getestet worden ist. Auch der Verschleiss spielt eine Rolle, und gegen Staub sind die Baender sehr empfindlich. Rosthaltiger Staub in Aufbewahrungsraeumen, der zum Beispiel aus Klimaanlagen austritt, kann Sicherungsdateien in Schrott verwandeln.

Bei physikalischen Defekten ist beispielsweise die Magnetschicht beschaedigt, in der die Daten gespeichert sind, es kann aber auch die Elektronik sein, die Mechanik oder ein Schreib-Lese-Kopf der Festplatte.

Die technischen Probleme einer Datenrettung bei physikalischen Schaeden sind deutlich komplexer als bei logischen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Daten durch technische Prozesse wieder lesbar gemacht werden muessen. Das kann einen Tag, aber auch mehrere Wochen oder Monate dauern.

Bei einem Headcrash kommen die Schreib-Lese-Koepfe in direkten Kontakt mit der Magnetoberflaeche. Durch diese Beruehrung verschleisst die Magentoberflaeche, in der die Daten gespeichert sind. Typische Symptome, die fruehzeitig einen moeglichen Headcrash anzeigen, sind eine steigende Zahl von Versuchswiederholungen, die die Platte langsamer machen, sowie zunehmende fehlerhafte Sektoren, die zu verschiedenen Fehlermeldungen fuehren.

Im Fachjargon spricht man hier von spanabhebender Datenverarbeitung: Der Schreib-Lese-Kopf schabt die Magnetschicht ab. Bei einem fortgeschrittenen Headcrash macht sich diese Stoerung durch einen unangenehmen Pfeifton bemerkbar. Fuer die Datenrettung ist es entscheidend, dass der Rechner in so einem Fall nicht weiter laeuft. Platten und Schreib-Lese-Koepfe werden ausgebaut, die Rekonstruktion erfolgt in hochsensiblen Sekundaergeraeten mit Speziallesekoepfen.

Ein typisches Anzeichen fuer einen elektronischen Schaden ist die Unfaehigkeit des Rechners, die Festplatte anzusprechen. Es kommen Fehlermeldungen wie "Festplatte nicht bereit" oder "kann nicht booten".

Mechanische Fehler treffen am haeufigsten die beweglichen Teile in der gekapselten Festplatte. Solche Beschaedigungen lassen sich nur an der geoeffneten Platte feststellen. Beispiele aus der Praxis sind etwa eine durchgebrannte Drehmotorspule der Festplatte, defekte Schreib-Lese-Koepfe, abgerissene Schreib-Lese-Koepfe oder ein kaputter Schrittmotor. Oft kommt es auch zu einer Wechselwirkung zwischen mechanischen und elektronischen Defekten.

Bei einem Sturz, etwa auf den Boden, koennen sich die Platten relativ zu den Schreib-Lese-Koepfen verschieben. Es hat dann den Anschein, als waeren saemtliche Daten verloren, was aber nicht der Fall ist.

Selbst nach einem Brand koennen Spezialisten die Daten auf einer Festplatte retten, wenn die Temperatur zu keinem Zeitpunkt hoeher als etwa 400 Grad Celsius lag. Erst zwischen 450 und 500 Grad tritt ein vollstaendiger Datenkollaps ein. Daten auf Disketten und Magnetbaendern ueberstehen Temperaturen von etwa 100 Grad.

Kommt der Datentraeger mit Wasser in Beruehrung, dann entstehen auf der Plattenoberflaeche kleine Mikrokristallpartikel. Deren Wachstum kann den Schreib-Lese-Kopf und die Plattenoberflaeche beim Anlaufen vollstaendig beschaedigen und in wenigen Sekunden zu einem ernsthaften Headcrash fuehren.

Die Aussichten, Daten bei DV-Schaeden zu retten, sind heute deutlich besser als noch vor wenigen Jahren. Spezialisten fuer schwierige Faelle arbeiten zum Beispiel in den Labors der norwegischen Firma Ibas, die in Deutschland von Dr. Wissner repraesentiert wird.

* Michael Friedrichs ist Berater bei Dr. Wissner in Augsburg.