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24.06.1994

Urteil an der Realitaet vorbei

Betrifft: CW Nr. 21 vom 27. Mai 1994, Seite 3: "Die Butler Group verabreicht Microsoft schallende Ohrfeige"

Ich weiss nicht, welche anderen superben Systeme zur C/S- Entwicklung von Butler untersucht wurden. Ich pflichte immerhin der angefuehrten Kritik bei, dass VB/Win kein Data-Dictionary- Konzept bietet und auch das Team Computing praktisch nicht unterstuetzt wird. Des weiteren ist VB/Win fuer den wichtigen Bereich Transaktionsverarbeitung nur eingeschraenkt geeignet. Dennoch geht das Urteil, VB/Win sei "fuer richtige Anwendungen nicht zu gebrauchen", an der Wirklichkeit vorbei.

1. VB/Win ist kein monolithisches Produkt. Seine Staerke, um nicht zu sagen: sein unvergleichlicher Charme, besteht in der Offenheit dieser Entwicklungsplattform. Ueber die Technik der Custom Controls (VBX), die ein direktes Ergebnis objektorientierten Designs sind, koennen Erweiterungen problemlos implementiert werden. Dies zeigt sich auch in dem ueberwaeltigenden Angebot an Third-party-Produkten: Es existieren einige hundert Zusatzprodukte, die die Funktionalitaet von VB/Win weit ueber den von Microsoft gelieferten Umfang hinaus erweitern.

2. Der Support sei schlecht, wird berichtet. Nun gut, Support ist immer ein Problem bei Produkten mit einer explosionsartig anwachsenden Marktverbreitung. Immerhin existieren allein zwei unabhaengige (nicht von Microsoft herausgegebene) Fachzeitschriften, die sich ausschliesslich mit VB/Win beschaeftigen.

3. VB/Win ist eine native Programmiersprache (keine 4GL) mit einem Compiler fuer EXE-Files. Es wird also kein Code generiert, der erst kompiliert werden muesste. Dennoch hat VB/ Win die Funktionsgewaltigkeit einer 4GL (oder hoeher).

4. Weil es sich um Basic handelt, kann unterstellt werden, dass die Lernkurve weniger steil verlaeuft als bei anderen, akademisch anspruchsvolleren Sprachen (wie C++). Dennoch ist VB/Win wesentlich mehr als Basic.

5. Ein weiterer Grund fuer die gute Eignung von VB/Win fuer C/S- Entwicklung ist nicht zuletzt die Marktbedeutung von Microsoft. Sicherlich ist dies ein zweischneidiges Schwert. Aus Wettbewerbsgesichtspunkten ist die Marktmacht von MS beaengstigend, und schon aus dieser Ueberlegung heraus sollten andere Produkte empfohlen werden. Aus der mikrooekonomischen Sicht eines Anwendungsentwicklers jedoch, der die Verantwortung fuer sein System und dessen Zukunftssicherheit zu tragen hat, ist es von entscheidender Bedeutung, auf ein Tool zu setzen, das von einem Hersteller mit langfristiger Ueberlebenschance getragen wird.

Natuerlich ist VB/Win hundertprozentig proprietaer, wie alles von Microsoft. Dies ist in der Tat ein schwerwiegender Kritikpunkt. Ich finde es zum Beispiel unertraeglich, dass MS sich einen privaten SQL-Standard leistet. Nicht gaenzlich anders als ANSI, aber doch hinreichend, um VB/ Win-Programme, die sich dieser SQL bedienen, kaum jemals auf andere Umgebungen umstellen zu koennen. Aber das ist ja auch der Sinn (aus Sicht von Microsoft, wo man noch besser als angenommen von IBM gelernt hat). Dennoch soll man nicht die Gaeule schlagen, wenn man den Kutscher meint, will sagen: An der Leistungsfaehigkeit des Produkts VB/Win und der hohen Produktivitaet desjenigen, der es anwendet, aendert die MS-Schelte selbst nichts.

Lutz Wagner, Unternehmensberatung, 20144 Hamburg