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Anwender kritisieren permanenten Führungswechsel in Augsburg:


08.05.1981 - 

US Abhängigkeit verschreckt NCR Management

AUGSBURG - Der Exodus exponierter Führungskräfte führte bei der Augsburger NCR GmbH zu einer Management-Krise. "Bevormundungspolitik sowie überschraubte Erwartungen der US-Oberen" - so NCR-Kenner bewirkten innerhalb weniger Monate den Wechsel von Geschäftsführer Kurt W. Hackel und Finanzchef Dr. Ferdinand Eiffe zur Grundig AG, Fürth. Jetzt warfen auch der stellvertretende Geschäftsführer George Kirchmann und Vertriebsdirektor Dieter Gallist das Handtuch.

Als im Januar dieses Jahres der Australier Ian M. Angus von der US-Konzernleitung in Dayton/Ohio auf den deutschen NCR-Thron gehievt wurde, rätselten Branchenbeobachter über die Motive der Amerikaner. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger Friedrich Franz Herzog, der an der Kassen-Mentalität der Augsburger Verkaufscrew gescheitert war, diese Ex-IBMer Hackel konsequent versucht, die deutsche NCR-Tochter als Computerhersteller zu profilieren. NCR-Insider vermuten jedoch, daß der ehrgeizige Hackel den Amerikanern letztlich zu unbequem wurde. Also mußte ein "Linientreuer" wie Angus her.

Bei den Dayton-Getreuen in der Fuggerstadt ist der Neu-Fürther Hackel freilich in der Nachbetrachtung nicht unumstritten. Wie ein zur Diskretion vergatterter NCR-Mann heute offenbart, habe der Ex-IBMer die NCR nur als "willkommenes Sprungbrett" benutzt und von der US-Mutter verordnete, unbequeme Rationalisierungsmaßnahmen auf die "lange Bank" geschoben. Als Hackel im Dezember 1980 bei Grundig zum Vorstandsvorsitzenden gekürt wurde, war die Krise in Augsburg bereits programmiert: Zuerst demissionierte Dr. Eiffe, der mehr als zwanzig Jahre für NCR tätig war. Er wurde, vermuten NCR-Mitarbeiter, von Hackel nachgezogen. Tatsache ist, daß er diesem jetzt bei Grundig für "Spezial-Aufgaben" direkt unterstellt wurde.

Knüppeldick kam es dann Ende April: Kirchmann und Gallist kündigten ihren Rücktritt an. Beide waren wie Eiffe lange mit den Augsburgern "verheiratet" - Kirchmann gar seit über dreißig Jahren. Über ihre beruflichen Pläne ist noch nichts bekannt. Indessen wurde mit Rainer Liebick, bisher Verkaufsdirektor bei NCR, ein Gallist-Nachfolger avisiert.

NCR-Kenner, die den 50jährigen Angus am kurzen Zügel der Amerikaner sehen, sprechen von einer Roßkur, die der Australier nun dem verbliebenen deutschen Management verordnen wolle. Er stelle "altgewohnte Besitzstände" der unter Hackel groß gewordenen Führungskräfte in Frage und ginge mit "eisernem Besen" durch die Hierarchien. So wurde denn auch der im Angus-Gefolge angetretene Hartwig Baumann am 30. März zum "ordentlichen Geschäftsführer" der NCR Deutschland bestellt.

Und so erklärt ein ehemals leitender NCR-Mitarbeiter das derzeitige Management-Debakel: Die amerikanische NCR-Mutter habe in den letzten Jahren die Machtfülle des deutschen Geschäftsführers immer mehr beschnitten. Je schwieriger sich der Markt hierzulande entwickelte, desto mehr hätte das Daytoner Top-Management auf die Augsburger Statthalter eingewirkt. Ein unangenehmer Papierkrieg, der in bürokratische Rechtfertigungen mündete, habe schließlich sämtliche Initiativen erstickt. Heute klagten NCR-Mitarbeiter vor allem darüber, daß die Zielsetzungen der US-Oberen immer utopischer wurden.

Vernichtend über das NCR-Marketing urteilen nunmehr auch deutsche Anwender, denen das Führungs-Hick-Hack langsam an die Nieren geht. So ließt etwa die Aussage eines niedersächsischen Criterion-Benutzers an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig:" Die derzeitige Unterstützung und die Informationspolitik der NCR sind unter aller Sau." Nur unter Androhung gerichtlicher Schritte bekäme er - trotz Wartungsvertrag - einen Techniker ins Haus. All diese Querelen führt er auf den permanenten Augsburger Managementwechsel zurück.

Auch der DV-Chef eines westdeutschen Großhandelsunternehmens ist über die fehlende NCR-Unterstützung erbost. Monatelang schlummernde Anfragen, zu erklären nur durch die Entscheidungsunfähigkeit der NCR-Spitze, trübten seit langem das Verhältnis zu seinem Hersteller. Hinzu käme, daß durch den Personalwechsel bei NCR anwenderorientierte Konzepte immer wieder umgeworfen würden, weil die neuen Manager mit anderen Vorstellungen als ihre Vorgänger an die Entwicklungen herangingen. Der Leidtragende sei in jedem Fall der Kunde.

_AU:Manfred Hasenbeck