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10.01.1992 - 

Intel-Version von Nextstep soll im Januar 1992 kommen

US-amerikanische Behörden haben sich für Next-Rechner entschieden

RESTON/MÜNCHEN (IDG/CW) - Für Next hat sich ein neues Marktsegment aufgetan. US-Behörden, die budgetbewußt einkaufen müssen, ordern die Workstations. Das oftmals beanstandete Handikap kaum verfügbarer Anwendungen könnte durch eine Intel-Version - die für Januar 1992 erwartet wird - bald der Vergangenheit angehören.

Mit seinen Next-Workstations muß Steven Jobs gegen das Image ankämpfen, daß die Rechner reine DTP-Geräte seien. Dabei erzielt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge nur einen geringen Teil des Umsatzes im DTP-Geschäft. Wie Monika Baumann, Vertriebsleiterin der deutschen Next-Niederlassung, berichtet, arbeite man an der Wallstreet bereits mit den Maschinen der Steven-Jobs-Company.

22 Next-Workstations lösen /36-System ab

Jetzt haben zudem die US-Behörden die Next-Workstations entdeckt - als Arbeitsgerät für die Berechnung von Finanzplänen und für Tabellenkalkulationen. So sei die Stadtverwaltung von Baltimore gerade dabei, ihr IBM-/36-System durch 22 vernetzte Next-Workstations zu ersetzen, meldet die CW-Schwesterpublikation "Computerworld". Als die Entscheidung anstand, das Midrange-System auszurangieren, prüfte Tim Krus, der dort in verantwortlicher Position tätig ist, verschiedene Alternativen, etwa die AS/400, die RS/6000, PC-Netze oder Apple-Computer. "Die Next-Maschine bot als einziger Rechner sämtliche für uns wichtigen Funktionen", begründet der Baltimorer seine Entscheidung.

Das Next-Betriebssystem mit der grafischen Benutzeroberfläche "Nextstep" basiert auf dem Mach-Kernel, den auch die OSF für ihre Unix-Version - und damit später ACE - verwendet. Ein Vorteil gegenüber anderen Systemen ist Krus zufolge die objektorientierte Entwicklungsumgebung. Das Applikations-Kit für Nextstep wurde in Objektive-C programmiert und komplett objektorientiert aufgebaut. Nextstep ermögliche damit, so der DV-Fachmann, für jeden Anwender ein individuelles grafisches Benutzer-Interface zu gestalten. Hinzu kommt, daß sich bei den Next-Rechnern aufgrund der objektorientierten Programmierbasis Software in kurzer Zeit entwickeln läßt, ergänzt F. William Strehl, Vice-President der Next User Group.

Neben den Systemen aus der Steven-Jobs-Fabrik verfügen jedoch auch Rechner anderer Hersteller über eine solche Entwicklungsumgebung. So sind zum Beispiel die grafische Benutzer-Schnittstelle New Wave von HP sowie das Unix-Derivat von Sun, Solaris 2.0, objektorientiert ausgelegt.

Als Schwachpunkt von Nextstep bezeichnen Fachleute die Inkompatibilität zu X-Windows. Ferner haftet den Rechnern ein Hochpreis-Image an, was den Regierungsangestellten zufolge so nicht stimmt. Ein 7000-Dollar-Next-System könne durchaus mit einer Sparcstation von Sun verglichen werden, die 20 000 Dollar koste, äußert ein Mitarbeiter der Air Force. Diese Ansicht vertreten auch Branchenkenner in Deutschland. Das Einstiegssystem sei mit einem Kampfpreis kalkuliert, der bis zu 75 Prozent unter dem vergleichbarer Workstations anderer Hersteller liege, hieß es noch vor kurzem. Mittlerweile bringen aber auch Unternehmen wie HP mit der HP-9000-Serie 700, Modell 710, die Mitte Januar angekündigt werden soll, oder Sun mit der Sparcstation IPC immer leistungsfähigere Unix-Rechner im unteren Preisniveau.

Aufgrund der steigenden Nachfrage in den USA geht Tony Bonidy, Next-Vertriebsdirektor, davon aus, daß in den USA immerhin etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes, den Bonidy auf 141 Millionen Dollar schätzt, mit Regierungsstellen erzielt werden. In Deutschland ist das Interesse von seiten der Behörden dagegen noch gering. Als einen Grund dafür nennt die Münchner Vertriebsleiterin den indirekten Vertriebsweg, den man für den deutschen Markt gewählt hat. Baumann: "Behörden reden lieber direkt mit dem Hersteller."

Laut Next werden die Systeme, deren installierte Basis in Deutschland bei 4200 Einheiten liegen soll, überwiegend für Entwicklungs- und Anpassungsaufgaben sowie in Hochschulen und Universitäten eingesetzt. Ab Anfang 1992 will man jedoch auch hier das Behördengeschäft mit speziellen Programmen gezielt angehen.

Aus Amerika war ferner zu hören, daß das proprietäre Nextstep-Betriebssystem in einer Version für Intel-486-Prozessoren auf den Markt kommen soll. Mit der Ankündigung rechnen die Auguren im Januar 1992 während der Nextworld Show in San Franzisko. Das PC-Branchenblatt "Infoworld" behauptet, daß bereits Portierungs-Tools fertig seien, um existierende Nextstep-Applikationen auf die PC-Version zu übertragen.

Das Motiv von Steven Jobs ist klar: Ein Intel-basiertes Nextstep dient als Anreiz für unabhängige Software-Entwickler. Die geringe Zahl an Applikationen, die bisher für die Next-Workstations zur Verfügung stehen, bezeichnen Marktkenner als gravierenden Nachteil für das Unternehmen.

"Es gibt nur wenige Standardanwendungen, die unter Nextstep laufen", sagt Rikki Kirzner vom Marktforschungsinstitut Dataquest. Next plane jedoch nicht, eine 486-basierte Nextstation herauszubringen, sagen Insider, die andererseits wissen wollen, daß bereits einige PC-Hersteller ihre Unterstützung zugesagt haben.

Dem PC-Fachblatt zufolge soll die als "Next-PC" bezeichnete Systemsoftware funktionsgleich mit der noch nicht angekündigten Version 3.0 von Nextstep sein. Auch die Möglichkeit der Spracheingabe, eine Standardfunktion der Nextrechner, soll von einigen Anbietern als Option unterstützt werden. Bonidy äußert sich zudem vage über eine Nextstep-Version für Sparc-Prozessoren von Sun. Für Branchenkenner ist eine solche Variante eher fraglich, da Sun mit Solaris selbst ein objektorientiertes Betriebssystem anbietet.

In der deutschen Niederlassung hat man laut Baumann "davon noch nichts gehört".