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Ellison will Peoplesoft-Übernahme notfalls vor Gericht durchsetzen

US-Behörden pfeifen Oracle zurück

20.02.2004
MÜNCHEN (CW) - Vertreter des US-amerikanischen Justizministeriums haben den Kartellbehörden empfohlen, sich gegen die geplante Übernahme von Peoplesoft durch Oracle auszusprechen. Trotz dieses Dämpfers hält Oracle-Chef Lawrence Ellison an seinen Plänen fest. Notfalls will er die Akquisition vor Gericht durchsetzen.

In einem Schreiben an den zuständigen Kartellrichter Hewitt Pate haben sich die Anwälte des US-Justizministeriums für eine Ablehnung der von Oracle angestrebten Übernahme von Peoplesoft ausgesprochen. Der Deal verstoße gegen die Wettbewerbsrichtlinien, argumentieren die Behördenvertreter. Mit der Übernahme würde sich eine für die Kunden nachteilige Konzentration der Anbieter im Markt für Geschäftsapplikationen ergebe. Oracle, die Nummer drei in diesem Geschäftsfeld, versucht seit Juni vergangenen Jahres Peoplesoft, das mit der Akquisition von J.D. Edwards 2003 zur Nummer zwei im Markt aufstieg, zu übernehmen. Weltweiter Marktführer bleibt unangefochten SAP.

Für die Oracle-Verantwortlichen kommt die Ablehnung der Justizbehörden zu einem ungünstigen Zeitpunkt. So hat der Datenbankspezialist erst vor wenigen Tagen sein Angebot von 7,3 auf 9,4 Milliarden Dollar erhöht. Trotz des Rückschlags will das Oracle-Management weiter um die Übernahme kämpfen. Für die Entscheidung des Kartellgerichts sei nicht allein das Votum des Justizministeriums maßgebend, wiegelte Oracle-Anwalt James Rill ab. Es habe in der Vergangenheit viele Fälle gegeben, in denen sich die Kartellbehörde gegen die Empfehlung der Untersuchungsanwälte entschieden habe: "Der Prozess ist noch nicht vorbei."

Oracle will die Monopolvorwürfe der Kartellwächter nicht gelten lassen. Mit der Übernahme von Peoplesoft lasse sich nur im Segment für Geschäftsapplikationen für Großkonzerne eine gewisse Marktkonzentration feststellen. Der Gesamtmarkt bleibe jedoch weiter fragmentiert. So könnten Marktführer SAP und Oracle rund ein Drittel der weltweiten Umsätze für sich verbuchen. Außerdem werde sich mit Microsoft künftig ein weiterer Wettbewerber zu Wort melden.

Ellison droht mit Klage

Nach rund achtmonatiger Untersuchungsdauer erwarten Experten die Entscheidung von Richter Pate für den 2. März dieses Jahres. Sollte der Spruch gegen die Übernahme ausfallen, hat Ellison bereits rechtliche Schritte angekündigt. Vor Analysten erklärte der Oracle-Chef, er habe die Unterstützung des Aufsichtsrats, eine Klage einzureichen. Diese Strategie bedeutet einen Wechsel der Taktik bei Oracle. Bislang hatte Ellison immer betont, bei einer Ablehnung des Deals durch die Behörden von seinen Übernahmeplänen Abstand zu nehmen.

Neben den US-amerikanischen Kartellbehörden untersuchen auch die Anwälte der Europäischen Kommission die möglichen Auswirkungen einer Übernahme auf den Wettbewerb. Allerdings sei erst am 11. Mai dieses Jahres mit einer Entscheidung zu rechnen, verlautete aus Kommissionskreisen. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hatte die Untersuchungen Mitte Januar gestoppt, um von den betroffenen Firmen weitere Informationen anzufordern.

Ein faires Angebot?

Mit der Ablehnung des Deals durch das Justizministerium hat das Peoplesoft-Management rund um CEO Craig Conway wieder ein wenig Luft. Die Verantwortlichen waren in den vergangenen Wochen durch das erhöhte Angebot von Oracle unter Druck geraten. Viele Analysten hatten die Offerte von 26 Dollar je Peoplesoft-Aktie als faires Gebot eingestuft. Conway argumentierte dagegen wie schon zu Beginn der Übernahmeschlacht Mitte vergangenen Jahres mit der drohenden Ablehnung des Geschäfts durch die Kartellbehörden.

"Diese Art der Verteidigung ist sehr amüsant", spottete dagegen Ellison. Die ursprüngliche Idee, das Applikationsgeschäft beider Unternehmen zu verschmelzen, stamme von Conway, berichtete der Oracle-Chef in einem Gespräch mit Analysten von Merrill Lynch. Vor rund einem Jahr habe ihm der Peoplesoft-Chef vorgeschlagen, beide Geschäftsbereiche unter Conways Führung zu vereinen. Oracle habe damals entschieden, sich nicht von seinem Applikationsgeschäft zu trennen. Die Idee an sich habe das Management jedoch gutgeheißen. Daher habe Oracle auch wenige Monate später ein Angebot für die Übernahme Peoplesofts abgegeben. Dies habe dessen CEO jedoch mit Verweis auf mögliche Kartellprobleme abgewiesen. "Das ist unaufrichtig: Wenn Conway die Sache übernimmt, ist es eine gute Idee, wenn ich das Ganze leite, ist es plötzlich ein Wettbewerbsproblem", moniert Ellison. (ba)