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17.12.1982 - 

Der Office-Automation-Markt wird erst noch verteilt:

US-Büros rücken näher aneinander

München (hh) - Als ein Wachstumsmarkt stellt sich in den Vereinigten Staaten wie auch hierzulande das Gebiet der Büroautomation dar. Dieser Teilbereich der Informationsverarbeitung birgt einerseits allein durch die Zunahme der administrativen Tätigkeiten ein großes Potential in sich, ist aber auch andererseits durch starke Konkurrenz der Hersteller untereinander und ihrer Konzepte gekennzeichnet. Ein aktuelles Bild zeichnete John Gantz von der International Data Corporation (lDC) in einem Vortrag anläßlich einer Computer Briefing Session.

Um diesen vielschichtigen und schnellen Änderungen unterworfenen Markt der Büroautomation in den USA greifbar zu gestalten, erscheint es angebracht, wichtige Eckdaten noch einmal kurz in das Gedächtnis zu rufen. Wie das amerikanische Handelsministerium errechnete, sind über 50 Prozent der Angestellten als Techniker und Manager mit höheren Verwaltungsaufgaben befaßt. Bezogen auf die Gesamtzahl der in der Industrie Tätigen ergibt sich ein Prozentsatz von mehr als 30 Prozent Arbeitnehmern, die im Bürobereich tätig sind. Nur zehn von Hundert Büroangestellten lassen sich jedoch den Gruppen "Sekretärin" und "Schreibkraft" direkt zuordnen (absolute Zahl: fünf Millionen etwa). Diese Gruppe wurde bis vor kurzem in der offiziellen Lesart als die Zielgruppe für Büroautomationsprodukte dargestellt. Bedenkt man aber, daß das Heer der Angestellten insgesamt sehr viel größer ist, so wird verständlich, warum in jüngster Zeit eine neue Definition Raum griff und der Bereich, der durch die modernen Produkte der Informationsverarbeitung abgedeckt werden soll, ausgeweitet wurde.

Die demografischen Realitäten spiegeln sich mittlerweile auch in der Zahl der Anbieter wieder, die Textverarbeitungssysteme oder multifunktionale Arbeitsstationen anbieten. So beschäftigen sich aus dem Bereich der Datenverarbeitung Unternehmen wie die IBM, DEC, Wang, Burroughs, RDS, Datapoint und andere mit diesem Sektor. Neu hinzugestoßen zu dieser Gruppe sind in den letzten Jahren Prime, Honeywell, Hewlett-Packard, Data General und NCR. Dieser Trend setzt sich fort, so daß in absehbarer Zeit wohl jedes Unternehmen - und hier seien die Anbieter von Desk-Top-Computern eingeschlossen - zumindest ein Textverarbeitungsgerät für diesen aufnahmefähigen Markt bereithält.

Trend zur Multifunktion

Eindrucksvoll sind die Zuwachsraten, die für die nächsten Jahre auf dem Sektor der Büroautomation prognostiziert werden. Im Jahre 1981 belief sich das Marktvolumen auf 13 Milliarden Dollar - 1986 soll es insgesamt 33 Milliarden ausmachen.

Ein weiterer Trend, den es in Amerika zu beobachten gibt, befaßt sich mit den Einsatzgebieten der modernen Büroautomationsprodukte. Mehr und mehr gehen die Bestrebungen der Anbieter dahin, verbundfähige Systeme und Systemkomponenten auf dem Markt anzubieten. So werden einerseits reine Textverarbeitungsgeräte mit Schnittstellen zur Datenverarbeitung versehen, während die Small-Business-Computer Zusatzfunktionen für die Textverarbeitung erhalten.

Dennoch - auch in den Vereinigten Staaten machen sich konjunkturelle Einflüsse zumindest in Teilmärkten bemerkbar. So wurden 1981 knapp 100000 Standalone-Textsysteme ausgeliefert. Das sind etwa 20000 Einheiten weniger, als von der IDC seinerzeit vorausgeschätzt wurden. Trotz dieser Entwicklung gelang es der IBM, ihren Marktanteil auf gut 30 Prozent auszudehnen. Er wird - so die Prognose - auch weiterhin anwachsen, aber wahrscheinlich nicht mehr als 40 Prozent betragen.

Anders die Situation auf dem Markt für Mehrplatzsysteme. Hier ist Wang immer noch führend, obwohl sein Marktanteil auf knapp unter 50 Prozentpunkte abgesunken ist. Die Aktivitäten der IBM, die in diesem Teilbereich zehn Prozent hält, ist offensichtlich. Neben diesen Giganten des Marktes teilen sich Hersteller wie Four Phase, Data Point, DEC und CPT den Restanteil ungefähr gleichmäßig.

In absoluten Zahlen ausgedrückt, wird sich dieser Bereich von 48000 gezählten Einheiten im Jahre 1981 auf 225000 im Jahre 1986 ausweiten. Die monetäre Zuwachsrate dürfte allerdings unter der physischen Steigerungsrate liegen, da auf Grund der Konkurrenzsituation mit einem weiteren Preisverfall von durchschnittlich 10500 Dollar auf 7500 Dollar je Einheit gerechnet wird.

Zweigleisige Strategien

Zwei Ideen bestimmen derzeit den Herstellermarkt für Bürokommunikationssysteme. Auf der einen Seite verfolgen die Anbieter von Datenverarbeitungsanlagen, die sich auf dem Office Automation Markt tummeln, eine Defensivtaktik, die es ihnen erlaubt, einen gewissen Konkurrenzschutz aufzubauen und schnelle Gewinne einzufahren, auf der anderen Seite aber auch eine Offensivstrategie, die langfristig darauf abzielt, sich das Marktpotential zu sichern, das im Bereich des Einsatzes ihrer Produkte im Management liegt.

Es wird erwartet, daß sich auch zukünftige Produkte an gewissen Standards ausrichten werden. So hat beispielsweise der Xerox-Star Richtlinien gesetzt, die sich bei anderen Herstellern niederschlagen. (Der verhaltene Anklang, den dieses Gerät in den USA fand, ist wohl mehr im Preis denn im Konzept oder Design zu suchen.)

Eine wachsende Zahl von Anbietern versucht sich mittlerweile auch auf dem Gebiet der Sprachübertragungssysteme, so die ECS Telecommunications, IBM, Voice & Data Systems oder auch Wang. Vermeiden die Hersteller hier einen Krieg um die notwendigen Standards, so gibt es eine gute Chance, daß sich diese Produkte auf dem Markt durchsetzen. Häufiger tauchen in den Produktpaletten auch relationale oder ähnlich aufgebaute Datenbanksysteme auf.

Für den Erfolg oder Mißerfolg entscheidend ist aber immer noch die Software. Hier bedarf es noch großer Anstrengungen, um die hardwaremäßig guten Produkte dem Anwender wirklich schmackhaft zu machen und der Büroautomation zu einem Massendurchbruch zu verhelfen.

Bewegung im Markt

Eines jedenfalls scheint sicher: Der Markt wird in den nächsten Jahren in Bewegung geraten. Dies nicht zuletzt durch zwei Entscheidungen, die zwei Kommunikationsgiganten betreffen. So hat die IBM durch die Einstellung des Anti-Trust-Verfahrens durch das Justizministerium Luft bekommen und kann sich auf dem Sektor der Büroautomation zu einem aggressiven und kampffähigen Faktor entwickeln. Das AT & T-Abkommen andererseits ermöglicht es einem neuen Konkurrenten, sich auf dem Computermarkt umzutun.

Allerdings ist davon auszugehen, daß AT & T noch geraume Zeit benötigen wird, leistungsfähige Büroautomationsgeräte zu entwickeln. Sollte dieser Markt bis dahin erschlossen sein, so wird sich dieses Unternehmen eventuell darauf konzentrieren, Kommunikationsdienstleistungen anzubieten, um auf diese Weise doch noch ein Stück vom großen Office-Automation-Kuchen abzubekommen.