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05.12.1986 - 

BMFT-Förderung im Fertigungsbereich lief an deutscher Computerindustrie vorbei:

US-Firmen haben bei CAD/CAM die Nase vorn

MÜNCHEN - Mit einer großangelegten Förderungsaktion (650 Millionen Mark) will das deutsche Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) 1285 heimische Maschinenbauunternehmen bis 1987 auf den neuesten Stand der Technik bringen. Für Zuschüsse in Höhe von 450 Millionen Mark) können die bedachten Unternehmen ihre Mitarbeiter schulen lassen und CAD/CAM-Produkte kaufen. Interessanterweise ging ein Großteil der Aufträge - 500 Vorhaben sind bereits abgeschlossen - an amerikanische Computerhersteller.

Wie die Statistik zeigt, wurden nur 15,2 Prozent der Hardware bei deutschen Firmen bestellt. Dagegen sahnten die CAD/CAM-Hardwarehersteller aus den USA mit 77,4 Prozent kräftig ab. Die übrigen Aufträge gingen ins europäische Ausland. Dies belegen Analysen der Projektträgerschaft Fertigungstechnik in Karlsruhe, dem Partner des BMFT bei dieser Aktion.

Bei der Software, dies zeigen der COMPUTERWOCHE zugespielte Unterlagen, hat allerdings die deutsche Computerindustrie mit 51,5 Prozent der Aufträge den Hauptanteil. Danach folgen amerikanische Unternehmen mit 33,3 Prozent und andere europäische Hersteller. Damit ist jedoch kein Ausgleich oder Parität geschaffen worden. Denn nach Insiderkreisen sollen etwa 65 Prozent der seit 1984 bewilligten Fördergelder für die Hardware und 20 Prozent für die Software ausgegeben worden sein. Die übrigen 15 Prozent flossen - so Eingeweihte - in die Schulung der Mitarbeiter.

Nach diesen Angaben heißt das in Zahlen: Zirka 290 Millionen Mark gab es für Hardware und 90 Millionen Mark für Software. Davon liefen insgesamt allein 253 Millionen Mark in die Töpfe von amerikanischen CAD/CAM-Anbietern; lediglich 89 Millionen Mark gingen an die deutsche Computerindustrie.

Angesichts dieser Tatsache ist es für den deutschen Steuerzahler nur schwer verständlich, warum mit seinem Geld ausländische Unternehmen indirekt vom BMFT unterstützt worden sind. Dazu Helmut Bertuleit, Leiter des Referats Fertigungs- und Verfahrenstechnik beim BMFT: "Aus rechtlichen Gründen können wir den Unternehmern, denen wir eine CAD/CAM-Einrichtung ermöglichen wollen, nicht vorschreiben, daß sie bei deutschen Herstellern Hard- und Software einkaufen müssen." Dies bestätigte auch das Büro der Europäischen Gemeinschaft in Bonn: Demnach widerspricht eine derartige Regelung den Grundsätzen der freien Marktwirtschaft; Ausnahmen gelten nur für den militärischen Bereich.

So kaufte denn auch die Mehrheit der deutschen Maschinenbau-Unternehmer nach eigenem Gusto bevorzugt amerikanische Produkte. Den Schwarzen Peter für dieses Verhalten schiebt ein Mitarbeiter der Projektträgerschaft Fertigungstechnik den deutschen Computerherstellern zu: Sie hätten ihre Chance nicht erkannt und seien viel zu wenig auf die Bedürfnisse der kleinen und mittleren Unternehmen eingegangen. Noch drastischer formuliert dies Bertuleit: "Sie haben ein schlechtes Management und sind am Markt viel zu wenig aktiv."

Integrierte Konzepte werden CAD-Markt ändern

Hans-Joachim Mosler, Leiter des CIM-Centers der Nixdorf AG in Stuttgart, beurteilt die Situation anders: "Ein Grund für das schlechte Abschneiden deutscher Unternehmen liegt darin, daß die Amerikaner in bestimmten Marktsegmenten bereits Fuß gefaßt haben. Im CAD-Bereich hat DEC beispielsweise einen Vorlauf von einigen Jahren." Dieses Bild wird sich nach Meinung des DV-Profis künftig ändern, sobald es mehr um integrierte Konzepte geht. Mosler: "Daß wir die mittelständischen Unternehmen vernachlässigt haben, stimmt nicht. Gerade Nixdorf gehört zu den wenigen, die in diesem Bereich sehr erfolgreich gewesen sind. Dies trifft aber nicht für CAD zu."

Zum Vorwurf "schlechtes Management" gesteht Mosler teilweise ein, das Unternehmen habe vielerorts den hohen Wachstumsmarkt im Fertigungsbereich nicht erkannt. Allerdings, gibt er zu bedenken, hätten manche Unternehmen nur Fertigungsbereich "Gutes" zu bieten, nicht jedoch kommerziellen Sektor. Ihnen werde deshalb auch nicht gleich ein unfähiges Management bescheinigt.

Einen weiteren Grund für das schlechte Abschneiden der Nixdorfer sieht Mosler darin, daß sie damals noch nicht die entsprechenden Produkte hätten anbieten können. Die Zukunft sieht der CIM-Spezialist dagegen weitaus rosiger: "Wir werden uns schon noch von den BMFT-Geldern eine große Scheibe abschneiden - die Gespräche sind bereits im Gange. Ein großes Potential liegt im CAM-Bereich. Dort sind amerikanische Produkte noch nicht so weit verbreitet. Deshalb wollen wir da massiv in den Markt gehen - auch mit integrierten Lösungen."