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07.11.1986 - 

Leasinggeber sauer über amerikanische Geheimniskrämerei:

US-Handelsministerium scheut vor Eclat zurück

CANNES-MANDELIEU (CW) - Zu einem als eklatanten Fall von Unhöflichkeit empfundenen Ereignis kam es bei der Jahrestagung der Leasoren-Organisation Eclat: Drei Tage vor dem Termin sagte das US-Handelsministerium (DoC), das einen Referenten hatte schicken wollen, ohne Begründung die Teilnahme ab.

Den plötzlichen Rückzieher der Amerikaner nahm James Carr, Vorsitzender der Eclat (European Computer Leasing and Trade Association) und im Hauptberuf Chairman der Dataserv Inc. im englischen Windsor, zum Anlaß für eine Tirade gegen die restriktive Politik der USA gegenüber europäischen Handelspartnern. Wenn die amerikanischen Behörden mit Europa zusammenarbeiten wollten, so der streitbare Brite in Cannes, dürften sie nicht Knall auf Fall die ,fahrenden europäischen Händler von gebrauchten IBM-Computeranlagen" einfach sitzenlassen.

"Wir haben uns krummgelegt, damit uns das Department of Commerce dabei hilft, den Mitgliedern diese komplexen und verwirrenden Regelungen (der USA) darzulegen, die sich zudem jederzeit ändern können", tönte Carr vorwurfsvoll Richtung Amerika. Zwar sei er bereit, weiterhin mit Washington zu kooperieren, doch dabei habe der Eclat Vorstand nun stets im Hinterkopf, daß das DoC es vorziehe, aus den Details seiner Bestimmungen für Nicht-Amerikaner ein Geheimnis zu machen.

So bekamen die versammelten Leasoren und Broker nur den Vortrag eines staatskritischen Amerikaners zu hören. Gordon Lee, Wirtschaftsjurist aus einer Washingtoner Kanzlei, bemängelte , die "unzureichende personelle Ausstattung" des DoC und den "alles durchdringenden Charakter der Gesetzgebung" auf diesem Gebiet. Beide Faktoren zusammengenommen machten die Rechtslage für ausländische Geschäftsleute fast undurchschaubar; für sie sei es "extrem schwierig", allen juristischen Anforderungen exakt Genüge zu tun.

Die IBM, als Hauptlieferant für die Eclat-Mitglieder ein ebenso wichtiger Machtfaktor wie die US-Regierung, bekam ihr Fett weg bei einem Referat von Ulric Weil. Der im Wortsinn gewichtige "IBM-Watcher", der in den Diensten der US-Marktforscherei The Gartner Group steht, konstatierte: "Die Probleme von Big Blue sind nicht kurzfristiger Natur. Überaggrässive Wachstumsprognosen Anfang der Achtziger Jahre haben zu einer zu hohen Ausweitung von IBMs Produktionskapazitäten geführt. Kombiniert mit der Unfähigkeit, die richtige Software zur Hardware zu liefern, und einer für den Anwender nicht nachvollziehbaren Produktlinie läuft dies darauf hinaus, das IBMs Wachstumspotential sinkt."

Eclat-Chef James Carr setzte aus seiner Sicht noch eins drauf und machte den Mitgliedern Mut für den harten Konkurrenzkampf gegen die Leasingabteilung des Konzerns. "Wir müssen dem Versuch der IBM, mit Leasing- und Second-hand-Angeboten das Großkundengeschäft wieder stärker unter Kontrolle zu bekommen, an allen Fronten entgegentreten", appellierte Carr an seine Mitstreiter. "Anwendern, die der IBM den Zugriff auf ihren Etat erlauben, muß klargemacht werden, daß sie ihr damit nur ermöglichen, ihnen immer mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. " Die von der Schelte Betroffene hielt sich indes mit Äußerungen zurück; zwar war Big Blue auf dem Meeting vertreten, doch angesichts des beim Kartellamt anhängigen Verfahrens der Leasingfirmen gegen das Unternehmen mochte keiner der "Blaumänner" sich den Mund verbrennen.

Am Rande der Veranstaltung in Cannes wählten die "Eclatanten" ihre Präsidenten. Als regionales Oberhaupt für die Bundesrepublik bestimmten die Mitglieder Horst Gruhlke von der UCL Universal Computer Leasing GmbH in Wiesbaden.