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22.05.1998 - 

Güteverhandlungen sind gescheitert

US-Justizministerium und Microsoft treffen sich vor Gericht wieder

Die beim Distriktgericht in Washington D.C. einzuleitenden Prozesse werden zunächst darauf gerichtet sein, einstweilige Verfügungen gegen Microsoft zu erwirken. Ziel dieser Rechtsmittel ist es offenbar, die Startseite von Windows 98 so zu gestalten, daß nicht nur die von Microsoft vorgegebenen Software-Applikationen für den Anwender zur Auswahl stehen. Hierzu zählt insbesondere die Option, nicht nur mit dem Internet-Browser "Internet Explorer" von Microsoft zu arbeiten, sondern auch das Konkurrenzprodukt von Netscape, die "Navigator"-Software, nutzen zu können. Außerdem sollen PC-Hersteller mehr Freiheiten haben, in die Starteroberfläche von Windows 98 sogenannte Icons einzufügen, die zu Web-Seiten ihrer eigenen Partner führen.

Während die Ziele der Justizbehörden zunächst eng begrenzt zu sein scheinen, holen die 20 US-Bundestaaten in ihrem Prozeß nach den bislang vorliegenden Meldungen weiter aus: Sie wollen die Praxis von Microsoft in Frage stellen, den Verkauf von Office-Anwendungen wie Winword, Excel etc. an den Vertrieb des Betriebssystems anzuschmieden.

Beobachter gehen indes davon aus, daß die verhärteten Positionen zwischen dem US-Justizministerium und dem Softwaregiganten nun zu einem Antitrust-Verfahren historischen Ausmaßes führen werden. Dieses sei nur zu vergleichen mit der Klage, die die US-Justiz Anfang der 80er Jahre gegen AT&T anstrengte. Das Ergebnis war spektakulär: Der Telekommunikationsriese wurde in sieben kleinere Baby-Bells zerschlagen.

Zum heutigen Zeitpunkt ist völlig unklar, ob die Klagen gegen Microsoft ähnlich rigide Forderungen zum Inhalt haben werden. Es scheint aber eher unwahrscheinlich, daß sich die Staatsvertreter auf solch ein einschneidendes Vorgehen einlassen, das zudem in ein jahrelanges Verfahren ausufern würde.

Microsoft hat nach Mitteilungen der deutschen Pressestelle am Montag begonnen, Windows 98 an seine Original Equipment Manufacturers (OEMs) auszuliefern. Erst ab Anfang Juni werden darüber hinaus die Distributoren und Wiederverkäufer bedient, weil das hierfür notwendige Retail-Produkt noch "nicht ganz fertig" ist.

Allerdings scheinen einige PC-Hersteller Windows 98 nur für den Consumer-Markt einzuplanen. Compaq etwa, so Firmensprecherin Beate Keller, will Microsofts neues Betriebssystem ab Ende Juni nur auf den "Presario"-Modellen anbieten, nicht aber auf den "Deskpro"-Linien, die für professionelle Kunden gedacht sind. Auch SNI möchte mit Windows-98-PCs nur Privatkäufer ansprechen, und das auch erst ab September. Wie der für das weltweite PC-Marketing zuständige Ernst Holzmann sagte, bestehe bei Geschäftskunden kein besonders großes Interesse an dem Windows-95-Nachfolger. Nur auf Nachfrage werde man diesen auch der Geschäftswelt anbieten.

Auch Anwender sehen das Thema gelassen: Die AOK Berlin, Betatester für Windows 98, wird das neue Betriebssystem nicht einführen. Es ziele eindeutig auf den Heimanwender, meinte der stellvertretende AOK-DV-Chef Sascha Porbadnik. Es sei bezüglich der Netzsicherheit nicht so stark wie NT. Zwar biete es ein verbessertes Treibersystem, das mehr "Stabilität und Performance" bringe, das sei aber das gleiche, das auch in NT 5.0 zum Einsatz komme.