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18.03.1994

US-Konzept gewinnt fernoestliche Anhaenger Japanische Firmen wollen mit Re-Engineering aus der Krise

FRAMINGHAM (IDG) - Die wirtschaftliche Misere zwingt japanische Unternehmen zum Umdenken. Die Fuehrungsriegen entdecken das Konzept des Business Re-Engineerings (BR) fuer ihre Konzerne. Selbst IS- Verantwortliche begruessen die radikalen Veraenderungen, die BR- Projekte ausloesen. Sie sehen darin eine Chance, Versaeumtes nachzuholen und die Datenverarbeitung in ihren Firmen voranzutreiben.

Drei Viertel der DV-Verantwortlichen in 53 japanischen Unternehmen glauben, dass sich Business-Re-Engineering in ihrem Land durchsetzen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die das in Osaka angesiedelte Japan Institute of Chief Information Officers im Auftrag der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" durchgefuehrt hat.

IT-Managern steht viel Arbeit ins Haus

Den DV-Verantwortlichen in Nippon steht allerdings noch viel Arbeit ins Haus, bevor die Informationsinfrastrukturen ihrer Unternehmen Re-Engineering-Projekte optimal unterstuetzen koennen. "Japan hinkt in der Anwendung von Informationstechnologie im Buero weit hinter den USA und Europa her", schreiben beispielsweise die CSC-Index-Berater Shuji Honjo und Frank Petro in der Januarausgabe von "Diamond Harvard Businees". In amerikanischen Unternehmen arbeiten dreimal so viele Beschaeftigte an PCS wie in japanischen Konzernen, so eine Studie der University of California. "Sie liegen, was den Office-Bereich betrifft, rund 15 Jahre hinter uns", erklaert Evan Wride, der die Untersuchung leitete.

Doch nicht nur in der Bueroautomatisierung hapert es. "Japanische Unternehmen behalten auch nach einer Automatisierung die alten Arbeitsablaeufe bei. Dieses Verhalten fuehrt zur Entwicklung kostspieliger und inflexibler Anwendungssoftware", berichten Petro und Honjo. Kuniaki Takamatsu, Executive Director der CIO-Group, beklagt ebenfalls ein Defizit integrierter Informationssysteme in seinem Land. Ausserdem verfuegten Nippons Firmen aufgrund des NTT- Monopols ueber zuwenig Know-how im Bereich Networking.

"Re-Engineering ist in Japan in aller Munde", meint Kazuhiko Masuda, General Manager Planung Informationssysteme bei Furukawa Electric, Tokio, einem sechs Milliarden Dollar schweren Unternehmen, das elektronische Bauteile und Kabel herstellt. Furukawa, Kao Corp. und Matsushita Electric Industrial Co. gehoeren zu den Konzernen, die bereits begonnen haben, Geschaeftsprozesse neu zu gestalten. Sie stellen allerdings Ausnahmen dar.

"Die meisten japanischen Manager hofften, die Rezession wuerde von selbst verschwinden. Das ist das alte Denken", kritisiert Takamatsu von der CIO Group. "Jetzt glauben viele, dass die Rezession ihre Ursache in den Organisationen selbst hat. Deshalb muessen sie die Strukturen ihrer Firmen und die Geschaeftsprozesse aendern."

Masuda zufolge wollen Nippons Unternehmen vor allem Festkosten reduzieren, insbesondere die Ausgaben fuer Arbeiter und Angestellte.

Kao, Tokioter Hersteller von Kosmetik, Reinigern, Chemikalien und Disketten, gestaltet inzwischen seine Geschaeftsprozesse um. Toshio Hirasaka, Direktor der Systementwicklung bei Kao, berichtet auch von Versuchen, die Unternehmenskultur zu veraendern und die Kreativitaet der Mitarbeiter zu foerdern. Dafuer sollen Teile des autoritaeren Managements verschwinden. Zur Zeit installiert Hirasaka neue Client-Server-Systeme und Arbeitsplatzrechner, um der geplanten Integration von Produktion, Vertrieb und Logistik gerecht zu werden. Ineffiziente Back-Office-Arbeiten zu optimieren, sei eines der Ziele japanischer BR-Anstrengungen, erklaert Donald Marchand, der als Vice-Chairman der amerikanischen Society for Information Management regelmaessigen Kontakt zu japanischen CIOs haelt. Zwar beschaeftigen sich die Japaner seit geraumer Zeit mit der Produktion, "aber sie investieren nicht annaehernd soviel in die Automation anderer Geschaeftsbereiche wie Verwaltung, Buerosysteme, Aussendienst, Marketing oder Buchhaltung."

Beispiel Matsushita: 28 Grosshaendler versorgen den Einzelhandel mit Stereoanlagen und Fernsehern, die der Hersteller unter dem Label Panasonic anbietet. Da die Electronic-Data- Interchange-Systeme (EDI), die den Hersteller mit seinen Grosshaendlern verbinden, bisher unabhaengig voneinander arbeiteten, konnte kaum festgestellt werden, wie oft und durch welche Grosshaendler bestimmte Produkte verkauft wurden.

Inzwischen hat Matsushita den Mainframe, auf dem das Auftragseingangs- und -Managementsystem laeuft, an NTT Data, eine Tochter der Nippon Telephone and Telegraph (NTT), ausgelagert, Seitdem sammelt NTT Data die Vertriebsinformationen der Grosshandelspartner; erst nach der Aufbereitung werden sie an Matsushita geschickt. Auf diese Weise erhaelt der Hersteller Bestandsinformationen in Echtzeit und eine einheitliche Auftragsbearbeitung. Da das Unternehmen jetzt ausserdem weiss, wie viele Einheiten die Grosshaendler von jedem Produkt vertreiben, kann die Lagerhaltung effektiver gestaltet werden.

Allerdings, so schreibt der Wirtschaftsprofessor Yutaka Umezwa im Tokioter Wirtschaftsblatt "Nikkei Kogyo Schinbum", muesse sich das Interesse der Unternehmensbosse an Re-Engineering nicht unbedingt in einer besseren Unterstuetzung der DV-Abteilungen niederschlagen. "Viele CEOs verstehen nicht, wie wichtig IT ist", sagt er. Ausserdem wuerden sich viele Chefs an die gescheiterten Versuche erinnern, DV-Systeme zu implementieren, die dem jeweiligen Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen sollten. Das, fuegt der Professor hinzu, mache sie misstrauisch.

Noch schwieriger koennte es werden, die heutigen Fuehrungskraefte zu Re-Engineering-Aposteln zu machen, wenn sie erkannt haben, wie tief die Eingriffe in die Organisation sind. "Japanische Unternehmen werden im Bottom-up-Stil gemanagt. Bisher versuchten die Angestellten herauszufinden, wie sie bestehende Prozesse und ihre Arbeit verbessern koennen", erlaeutert Nagayuki Yamashita, Chefberater des NTT Data Institute of Management Consulting in Tokio. "Aber beim Re-Engineering handelt es sich um einen Top- down-Ansatz. Das ist schwer zu akzeptieren."

Deshalb glauben einige Beobachter der japanischen Szene, dass sich BR dort nicht durchsetzen laesst. Andere wiederum erklaeren, Re- Engineering werde dann greifen, wenn konventionelle Methoden der Effektivitaetsverbesserung gescheitert sind. "Die meisten Experten sind sicher, dass BR den einzigen Weg darstellt, japanische Unternehmen zu reorganisieren. In fuenf Jahren werden sie staerker sein als frueher. Die Japaner stellen dann nicht nur die qualitativ besten Produkte her, sondern nachdem die Re-Engineering- Anstrengungen gegriffen haben, duerften ihre Unternehmen auch die effizientesten Strukturen aufweisen", prophezeit Wride.