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31.08.1990 - 

Demnächst vielleicht sogar mehr als 40 Prozent

US-Konzern übernimmt fast ein Drittel der GMO-Gruppe

31.08.1990

URG (qua) - Steigende Entwicklungskosten und die Globalisierung der Märkte treiben immer mehr Software- und Serviceunternehmen in die Arme finanzkräftiger, international operierender Partner. Wenn die Hauptversammlung am 31. August 1990 ihr Placet gibt, gehört die Hamburger Gesellschaft für Management und Organisation AG (GMO) demnächst zu knapp einem Drittel der Nynex Corp., New York.

"Wir sind gezwungen, unseren Kunden bei ihrem Internationalisierungsprozeß zu folgen", erläutert Niklaus Dobler, seit dem vergangenen Jahr Vorstandsvorsitzender der GMO-Gruppe. Außerdem erfordere die preisgünstige Konkurrenz aus Osteuropa die Konzentration auf höherwertige und damit personal- und kapitalintensive Dienstleistungen.

Um am immer internationaler werdenden Markt flexibler reagieren zu können, hat sich die GMO seit März dieses Jahres nach einem potentiellen Partner umgesehen. Im Juni wurde sie mit der vorwiegend im Telefongeschäft aktiven Nynex Corp. handelseinig. Hasso Wien, GMO-Gründer und Vorsitzender des Aufsichtsrats, begründet die Entscheidung zugunsten des US-Konzerns damit, daß sowohl die "Chemie" als auch der Preis gestimmt hätten.

Um sich einen GMO-Anteil von 32 Prozent zu sichern, ist Nynex bereit, die Eigenmittel der Hamburger Unternehmensgruppe um 30 Millionen Mark aufzustocken.

Das deutsche Software- und Beratungshaus, das demnächst seinen 20. Geburtstag feiert, ist bislang vorwiegend in der Bundesrepublik und im deutschsprachigen Ausland aktiv. Neben eigenständigen Gesellschaften in Hamburg, Köln, Frankfurt und München zählen die GMO Gesellschaft m.b.H in Wien sowie die Zürcher GMO AG mit ihren Töchtern GMO Midrange Systems AG, GMO Management Consulting AG und GMO Information Management AG zu der Gruppe.

Im vergangenen Jahr setzte das Gesamtunternehmen mit etwa 450 Mitarbeitern rund 90 Millionen Mark um. Für das laufende Geschäftsjahr hat sich Dobler vorgenommen, die Belegschaft auf 500 Angehörige zu erweitern und einen Umsatz von 105 bis 110 Millionen Mark zu erreichen.

Gegenüber dem nach eigener Einschätzung "mittelständischen" Unternehmen wirkt der künftige Partner geradezu gigantisch: Die Gehaltsliste der Nynex Corp. weist nahezu 100 000 Namen auf, rund 13 Milliarden Dollar nahm der Konzern 1989 ein.

Allerdings wird die GMO nicht mit der Konzernmutter, sondern mit der in London beheimateten BIS Group zusammenarbeiten, die sich vor allem dem Banking-Geschäft verschrieben hat. Mit 2000 Mitarbeitern und einem Umsatz von umgerechnet 300 Millionen Mark ist die 100prozentige Nynex-Tochter immer noch drei bis viermal so groß wie die GMO.

Wie BIS-Chairman David Tebbs ausführt, versprechen sich die Briten von der Partnerschaft mit der GMO neben dem Zugang zum kontinentalen Markt auch eine bessere Balance zwischen ihren verschiedenen Geschäftsbereichen. Mehr als die Hälfte seines Einkommens bezieht das Unternehmen derzeit aus dem Vertrieb von Banking-Systemen und der damit verbundenen Beratung.

Umgekehrt proportional dazu verhält sich die Kundenstruktur der GMO. Die Hamburger machen ihr Geschäft zu 50 Prozent im Bereich der Fertigungsindustrie, zu 30 Prozent mit den Handelsunternehmen und nur zu zehn Prozent im Bankensektor. Das Angebot umfaßt individuelle Software-Entwicklung, Mittelstandsberatung, Management-Consultancy und neuerdings auch Information Management.

Die GMO-Manager machen jedoch kein Hehl daraus, daß sie tiefer in das Geschäft mit der expandierenden Banken- und Versicherungsbranche einsteigen wollen - zumal der Vorstandsvorsitzende in der Vergangenheit für den Bankenbereich der Schweizer IBM verantwortlich zeichnete. Um auf diesem Markt ein mit der britischen Halbschwester abgestimmtes Auftreten zu erleichtern, erwägt Dobler die Gründung einer gemeinsamen Banking-Tochter.

Die bereits bestehenden Geschäftsbereiche werden, so der Vorstandsvorsitzende, ausnahmslos weitergeführt. Genaueres dürften die Kunden Ende dieses Jahres erfahren; bis dahin will der GMO-Vorstand eine Reorganisation des Unternehmens durchgeführt haben.

Die Mehrheit der Firmenanteile wird sich auch nach der Transaktion in den Händen von Wien, Dobler sowie Finanzvorstand Hans-Jürgen Burmeister befinden. Die drei GMO-Vorständler wollen gemeinsam rund 51 Prozent der demnächst 130 000 Aktien halten.

Daneben gibt es zwei weitere Aktionäre, die über jeweils acht bis neun Prozent der Anteilsscheine verfügen. Während die kalifornische Finanzierungsgesellschaft Security Pacific, Los Angeles, ihr Paket voraussichtlich behält, stehen die Anteile der Omni Swiss Investment B.V., Zaandam/Niederlande, zur Disposition. Nynex plant bereits, die Omni-Anteile zu übernehmen, was die Beteiligung an der GMO auf über 40 Prozent hochschrauben würden.