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05.08.1988 - 

Big Blue gewinnt bei Milliarden-Auftrag gegen General Motors:

US-Luftfahrtbehörde fliegt auf IBM-Systeme

WASHINGTON/BETHESDA (IDG) - Der größte Industriekonzern der Welt hat dem größten DV-Konzern der Welt einen riesigen öffentlichen Auftrag überlassen müssen: Die US-Plugsicherung modernisiert nicht die General-Motors-Gesellschaft Hughes, sondern ein Team unter IBMs Federführung. Es geht um 3,5 Milliarden Dollar.

Die Federal Aviation Administration (FAA), seit geraumer Zeit mit den verstopften Luftkorridoren über Amerikas Ballungsräumen kämpfend, hat gigantische Pläne: Sie will mit dem größten Real-Time- Computersystem, das jemals entwickelt wurde, den Flugverkehr in den USA in den Griff bekommen. Bis zum Jahr 2000 sollen IBM, Raytheon und Computer Sciences Corp. (CSC) sowie ein Dutzend kleinerer Subunternehmer eine neue Generation von Luftüberwachungssystemen im ganzen Land installieren.

Das Projekt ist Teil des "National Airspace System Plan", der - mit allen Optionen - bis zum Jahr 2010 lauft. Die Kosten dieses Gesamtvorhabens werden sich bis dahin nach Schätzungen des Washingtoner Verkehrsministeriums auf 16 Milliarden Dollar summiert haben. Kongreßmitglieder und der - US-Rechnungshof fürchtet sogar einen Anstieg der Ausgaben auf 20 bis 23 Milliarden Dollar. Im Laufe der ersten zwölf Jahre werden allein auf das IBM-Team, das sich in der Ausschreibung gegen ein teureres Gebot der GM-Tochter Hughes Aircraft Co. durchsetzte, 3,55 Milliarden Dollar entfallen; Hughes hatte mit Unisys und einer Lockheed-Division als Partner zusammengearbeitet .

Aus Sicht der stellvertretenden Staatssekretärin im Verkehrsministerium, Mimi Dawson, ist das neue System nötig, um Sicherheit und Kapazität zu erhöhen. Das existierende Kontrollstellennetz, sehr weit im Land verstreut und recht veraltet, bestehe aus einer Mixtur von Fabrikaten. Bei der Ausbildung der Fluglotsen und der Wartung der Geräte werfe dies Probleme auf.

Statt dessen werden 5000 Arbeitsplätze - verteilt auf künftig nur noch 23 regionale Kontrollzentren und die Towers von 300 Flughäfen

- nun eine einheitliche Ausstattung bekommen. IBM liefert Zentralrechner der Baureihe 3090, dazu Workstations mit 20-Zoll-Farbbildschirmen von Sony; von Raytheon kommen spezielle Konsolen für die Lotsen-Arbeitsplätze. Die Software schreibt CSC: über eine Million Programmzeilen - laut CSC-Geschäftsführer Alvin Nashman eines der größten Ada-Projekte, die in absehbarer Zeit abgewickelt werden.

Die Anforderungen der FAA an die Zuverlässigkeit des Systems sind extrem hoch; das Pflichtenheft verlangt 99,9995 Prozent Verfügbarkeit. Was das bedeutet, berechnete die IDG-Zeitschrift "Federal Computer Week": Die Rechner dürften durchschnittlich 16 Sekunden im Jahr ausfallen. Die Betreiber des künftigen Amadeus-Rechenzentrums am Erdinger Flughafen bescheiden sich - dies zum Vergleich - mit einer Verfügbarkeit von "deutlich über 99,9 Prozent".

Als Termin für die erste Testinstallation von Workstations hat die FAA das Jahr 1990 ins Auge gefaßt. Ab 1992 sollen dann, beginnend in Seattle, die Luftraum-Überwachungszentren modernisiert werden. Bis 1998 soll dieser Teil abgeschlossen sein. Parallel dazu rüstet die IBM ab 1994 die Kontrolltürme der Flughäfen mit CPUs aus; ab 1999 soll das komplette Netz funktionieren.

Die Modernisierungspläne der US-Luftbehörde

Das Advanced Automation System (AAS), in dessen Rahmen IBM und zwei Industriepartner binnen zwölf Jahren mindestens 3,55 Milliarden Dollar umsetzen werden, ist Teil eines umfassenderen "National Airspace System Plan", der bis zum Jahr 2010 wahrscheinlich 16 bis 20 Milliarden Dollar verschlingen wird.

Teile des Programms neben dem AAS:

- Airport Surveillance Radar: Die 100 größten Airports bekommen neue Radaranlagen. Die Auslieferung steht kurz bevor.

- Long-Range Radar: Die Großraum-Radarüberwachung wird mit dem Militär koordiniert. Ab 1991 werden 400 Standorte umgerüstet.

- Flight Service Automation System: Statt vom Kollegen am Boden über Funk bekommen die Piloten ihre Wetterdaten vom Computer. Von künftig 61 Systemen sind bereits 37 installiert.

- Terminal Doppler Radar: Mit dieser Radartechnik will die FAA "Windschatten"-Flugunfälle wie den von Dallas 1985 verhindern bei dem IBMs damaliger PC-Chef Philip "Don" Estridge ums Leben kam. Der Auftrag soll in Kürze vergeben werden.