Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

23.09.1988 - 

Computer-Reservierungssysteme unter politischem Beschuß:

US-Regierung soll Sabre Profite kürzen

WASHINGTON (IDG) - Die computergestützten Reisevertriebssysteme Sabre und Apollo verdienen zuviel Geld. Wegen "exzessiver" Gewinne dieser Airline-Töchter - die den europäischen Systemen Amadeus und Galileo als Vorbilder dienten - verlangt jetzt das U.S. General Accounting Office (GAO) strengere staatliche Aufsicht.

Die Tage, da sich finanziell angeschlagene Airlines mit Computer-Hilfe gesundstoßen konnten, sind offenbar gezählt. Ein Jahrzehnt nach der "Deregulation" der Luftverkehrsbranche ist jetzt für die selbständigen DV-Divisions der Fluggesellschaften das Gegenteil im Gespräch: staatliche Reglementierung. Damit droht vor allem den Marktführern, American Airlines (AA) mit dem "Sabre"-System und United Airlines mit "Apollo", der lukrativste Geschäftsbereich entwertet zu werden.

Nach der Freigabe des Wettbewerbs im amerikanischen Luftverkehrsmarkt hatten sich vor allem die Carrier, die die Nordatlantikrouten und die Inlandsstrecken (domestic market) bedienen, einen mörderischen Preiskampf geliefert. Nur die Modernisierung ihrer computerisierten Buchungssysteme rettete einige Fluggesellschaften vor dem Ruin: Die Auslastung der Maschinen konnte durch schnellere Updates der Verfügbarkeitsdaten erhöht werden. Zudem erlaubten nun die großen Buchungsnetze Sabre, Apollo und System One mehreren Reisebüros einen direkten Zugriff auf die Reservierungssysteme der Airlines.

Kehrseite der Medaille: Wer nicht in den Netzen dieser "Computerized Reservation Systems" (CRS) vertreten war, verkaufte keine Flüge mehr über die Reisebüros. Die kleineren Gesellschaften, die sich eigene Netze nicht leisten konnten, gerieten in die totale Abhängigkeit von Tochterfirmen ihrer großen Konkurrenten. Das Geld, das deren Mütter an den Flügen nicht mehr verdienen können, knöpfen die CRS jetzt als Provision den anderen Luftlinien ab.

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Aufsichtsbehörde GAO an: Die Giganten Sabre und Apollo, die mit zusammen 75 Prozent Marktanteil die CRS-Szene beherrschen, mißbrauchten ihre technischen Möglichkeiten zur Behinderung des Wettbewerbs. Die GAO favorisiert eine Radikalkur: Sie möchte die Systeme am liebsten zu einem einzigen, unabhängigen, vom Verkehrsministerium (U.S. Department of Transportation, DOT) kontrollierten CRS zusammenlegen - mit entsprechend niedrigeren Gebühren. Doch das DOT lehnte auf einem Hearing vor dem Luftfahrtausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses solche staatlichen Eingriffe ab. Man wolle lieber die Mißbräuche von Fall zu Fall ahnden.

Etappensieg in Los Angeles

Nach einer Studie des amerikanischen Verkehrsministeriums sind die Profite der CRS gigantisch: Sabre habe 1986 einen "return on investment" von 76 Prozent erwirtschaftet, also auf einen investierten Dollar 76 Cents Gewinn erzielt. Apollo brachte es danach auf immerhin 52 Prozent. Beide zusammen erarbeiteten 300 Millionen Dollar an Jahresüberschuß für ihre Mütter. Nach Berechnungen des DOT liegen die derzeitigen Buchungsgebühren beim Doppelten der tatsächlich anfallenden Betriebskosten.

An einer anderen Front haben die attackierten CRS jetzt einen Etappensieg errungen: Ein Bezirksrichter in Los Angeles sprach Sabre und Apollo vom Vorwurf der Preisabsprache frei. Eine weitere Klage ist noch anhängig: American und United, die Muttergesellschaften, sollen den Reisebuchungsmarkt monopolisiert haben.