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11.04.1986 - 

Marktbeobachter rechnen mit weiterer Marktbereinigung:

US-Software-Anbieter strecken sich nach der Decke

BOSTON (CW) - Der Markt für Großrechnersoftware galt lange Zeit als wachstumsträchtiges und lukratives Geschäft. Doch neuerdings zeichnet sich in der SW-Szene ein Wandel ab: Stagnierende Wachstumszahlen machen vielen einstmals florierenden Unternehmen der DV-Branche schwer zu schaffen.

Im Mainframe-Softwaregeschäft herrscht ein Konkurrenzgerangel zwischen den Anbietern wie selten zuvor. Der Preiskrieg ist voll im Gange. Gleichzeitig setzen sich die Anwender vor einem potentiellen Kauf verstärkt mit den Produkten auseinander. Eine Marktbereinigung zeichnet sich unweigerlich ab.

"Noch vor zwei Jahren warf das Softwaregeschäft so viel Profit ab, daß alle Mitbewerber ein genügend großes Geschäft vom Gewinnkuchen einheimsen konnten. Um heute überhaupt noch schwarze Zahlen zu schreiben, müssen sich die US-Anbieter immer mehr nach der Decke strecken. "Der Markt ist einfach nicht groß genug für alle", klagt beispielsweise David D. Lowry, Präsident der kalifornischen Data Design Associates Inc., die sich auf die Entwicklung und Vermarktung von Finanzsoftware spezialisiert hat.

Die meisten Software-Hersteller hätten keine Erfahrung darin, mit niedrigen Wachstumsraten zu leben, kommentiert das Wall Street Journal. Denn viele SW-Schmieden wurden Ende der 70er Jahre oder zu Beginn dieser Dekade gegründet, also einer absoluten Boom-Zeit für die DV-Industrie. Als sich 1985 das Blatt zu wenden begann, wurden viele Softwerker von dieser Entwicklung überrumpelt. Die User gaben sich zurückhaltender und die Konkurrenz im Anbieterlager verschärfte sich zunehmend.

Darüber hinaus ließen sich bei den Geschäftsergebnissen plötzlich keine rasanten Zuwachsraten mehr verzeichnen. So ermittelte das Marktforschungsinstitut International Data Corporation (IDC) für die Verkäufe im amerikanischen Software-Geschäft des vergangenen Jahres nur noch eine Steigerung um 18 Prozent, entsprechend 4,08 Milliarden Dollar.

Sogar die Cullinet Software Inc. mußte zum ersten Mal seit 29 aufeinanderfolgenden Quartalen mit einem Gewinnsatz von durchschnittlich 50 Prozent, rückläufige Tendenz melden. Der Präsident des Unternehmens wurde kürzlich ausgetauscht (siehe CW Nr. 12 vom 21. März 1986, Seite 5, "ADV/Orga von Cullinet-Entwicklung abgeschnitten").

Applied Data Research Inc. (ADR), ein Anbieter, der seine Aktivitäten schon 1965 startete und sich selbst gerne als weltältestes unabhängiges Softwarehaus bezeichnet, berichtete für das am 30. Juni 1985 endende zweite Geschäftsquartal Verluste. Im November stimmte das Unternehmen einer Übernahme durch die in Chicago angesiedelten Telefon-Company Ameritech (siehe CW Nr. 48 vom 29. November 1985, Seite 1, "US-Telefon-Company kauft Softwarehaus ADR").

Nach Schätzungen der amerikanischen Industriebeobachter hat sich damit das Aufkauf-Karussell jedoch noch längst nicht zu Ende gedreht. Zahlreiche unabhängige Anbieter stünden nach wie vor in den Übernahmelisten der Branchenmagnaten, heißt es in Insiderkreisen. Sogar Namen wie Cullinet und Management Science America fänden sich in dieser Aufstellung.

Management Science America verkaufte 1984 den nicht mehr profitablen Geschäftsbereich PC-Software und verlegte sich wieder verstärkt auf seine Finanzsoftwarepakete. Trotzdem konnten die Verkäufe im Mainframe-Software-Business letztes Jahr lediglich um 6,9 Prozent angehoben werden und der Netto-Verdienst betrug nur die Hälfte des Vorjahresprofits aus den laufenden Geschäften.

Der Einbruch im Software-Business spiegelt auch zumindest teilweise die Situation der gesamten DV-Industrie wieder. Selbst IBM mußte trotz optimistischer Prognosen zu Jahresbeginn zugeben, daß zumindest nicht alle Erwartungen voll erfüllt worden waren. Als Gründe für die gespannte Geschäftslage zitiert das Wall Street Journal beispielsweise die Schwäche der amerikanischen Hersteller, die im Softwarelager die Majorität repräsentieren. Ferner werden eine schwache Investitionsanlage sowie Bestrebungen bei den Kunden angeführt, die Kapazität älterer Rechner erst voll auszuschöpfen, ehe ein Neukauf getätigt wird.

Einer der Hauptfaktoren für die kritische Marktsituation läßt sich in den drei Buchstaben "IBM" zusammenfassen. Der Marktführer konnte 1985 seine starke Position auf Kosten schwächerer Mitbewerber noch weiter ausbauen und kündigte ein neues Datenbankmanagementsystem an: DB2 wurde den Kunden als wichtige Organisationshilfe für betriebliche Informationen schmackhaft gemacht. Nach Ansicht der Mitbewerber führen solche Announcements zu einem Einfrieren des Marktes.

Angesichts der nicht gerade florierenden Marktlage sind viele Anbieter zu dem Schluß gekommen, ihre Vertragsabschlüsse der Konkurrenz gleichsam vor der Nase wegschnappen zu müssen. "Es ist für uns zwingend notwendig, daß es mit der allgemeinen Marktsituation wieder aufwärts geht. Außerdem müssen wir unseren Anteil am Erfolgskuchen weiter vergrößern", fordert beispielsweise Cullinet-Vizepräsident James Blake seine Mitarbeiter auf. Ziel sei es, ein jährliches Wachstum von 20 bis 40 Prozent zu erreichen.

Der Kampf um Marktanteile bedeutet für die meisten SW-Anbieter einen Einstieg in den Preiskrieg - eine Entscheidung, die die meisten betroffenen Unternehmen lange Zeit nicht zu treffen bereit waren. Doch inzwischen, so weiß Frank Dodge, Präsident des auf Finanzsoftware spezialisierten Anbieters McCormack & Dodge zu berichten, flüchten sich viele Anbieter schon früh im Verkaufszyklus in das strategische Mittel der Preissenkung.

Einige "Lockpreise" werden sogar veröffentlicht. So gesteht beispielsweise IBM seinen DB2-Kunden im ersten Nutzungsjahr acht Monate lang ermäßigte Lizenzgebühren zu und ADR lockt bei manchen Software-Leasing-Verträgen mit Rabatten von bis zu 35 Prozent.