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09.03.1990 - 

Wer die Überprüfung seiner Datenträger verweigert, muß vor Gericht

US-Softwarefirmen kämpfen mit Denunzianten gegen Raubkopien

MÜNCHEN (IDG) - Mit harschen Maßnahmen geht die amerikanische Softwareindustrie gegen Raubkopien in Unternehmen vor. Über eine eigens dafür eingerichtetes Telefon können jetzt Mitarbeiter ihre Firma anzeigen.

Eine noch härtere Gangart als bisher schon schlägt die amerikanische Software Publishers Association (SPA) seit einiger Zeit in ihrem Kampf gegen Raubkopien ein. Die Vereinigung, der etwa 500 Anbieter von PC-Software angehören, gab jetzt zu, daß sie - an den DV-Verantwortlichen vorbei - Briefe an die Geschäftsleitung von Unternehmen schickt, die sie verdächtigt, illegale Programmkopien einzusetzen.

Die Hinweise auf mögliche Missetäter erhält die SPA über ein Telefon, das sie bereits im September letzten Jahres eingerichtet hat. Dort können Mitarbeiter beziehungsweise ehemalige Belegschaftsangehörige kostenlos anrufen und ihre Firma anzeigen. Derzeit klingelt der Apparat bereits 20mal am Tag.

Nachdem sie den Brief erhalten haben, bleiben den Adressaten 48 Stunden um einer Kontrolle ihrer Datenträger durch die SPA zuzustimmen. Andernfalls erfolgt eine Anzeige. Werden illegale Kopien gefunden, hat die Firma sie zu zerstören und eine Strafe in Höhe des vollen Kaufpreises der Software an den Copyright-Verteidigungs-Fonds der SPA zu zahlen.

Seit Beginn der Aktion wurden laut Mary Jane Saunders, Rechtsberaterin der SPA, etwa 30 Briefe versandt. Zwölf der Fälle endeten mit "Einnahmen" zwischen 20 000 und 50 000 Dollar, zehn sind noch nicht abgeschlossen, in acht Fällen wurden juristische Schritte eingeleitet. "Wir geben den Firmen die Chance, eine Sache stillschweigend zu bereinigen, die sonst einen sehr peinlichen Prozeß bedeuten würde", begründete Saunders die Maßnahme.

In den vorangegangenen zwei Jahren war die SPA gegen 33 Unternehmen vor Gericht gezogen. In bestimmten Fällen, so Saunders, werde man auch künftig sofort Anzeige erstatten: "Wenn wir das Problem öffentlich machen oder das Bewußtsein in einer bestimmten Branche oder Region wecken wollen, klagen wir einfach", ohne vorherigen Brief.

Die Reaktionen auf das Vorgehen der SPA sind unterschiedlich. Unterstützt wird es vor allem von den Firmen, die bereits strenge Vorkehrungen gegen das unbefugte Kopieren von Software getroffen haben.

Ron Goldfarb beispielsweise vom Triebwerks-Hersteller Pratt & Whitney sagte: "Wir wollen nicht, daß unsere Turbinen nachgebaut werden, ohne daß wir dafür etwas bekommen, und darum meinen wir, daß es auch nicht in Ordnung ist, Software zu kopieren." Zur Abschreckung bevorzugt er ebenfalls drastische Maßnahmen: Jede Diskette mit Raubkopien, die er in seinem Unternehmen entdeckt, schneidet er höchstpersönlich mit einer Schere entzwei. Bei Wiederholungstätern muß die Krawatte dran glauben.

Andere Unternehmen reagierten empört und schworen, keinen der selbsternannten Kontrolleure ins Haus zu lassen. "Jeder verärgerte Angestellte kann diese Nummer wählen", mokierte sich ein DV-Manager, dessen Chef einen Brief von der SPA erhalten hatte. Es könnte durchaus sein, meinte er, daß der Anrufer selbst die illegalen Kopien angefertigt hat, um seiner Firma oder seinem Boß etwas anzuhängen.