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Smart Highways als Herausforderung


11.10.1991 - 

US-Studie bricht eine Lanze für intelligente Autobahnen

Eine amerikanische Studie kommt zum Schluß, daß Umwelt und Wirtschaft nur mit "smart highways" gerettet werden können.

Intelligente Terminals, intelligente Flugzeuge, intelligente Toaster - das alles reißt niemanden mehr vom Hocker. Intelligente Autobahnen - "smart highways" - hingegen sind die Herausforderung der Zukunft.

Das amerikanische General Accounting Office (GAO), als Wächter über die staatliche Ausgabenpolitik mittlerweile berüchtigt, hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie eine Lanze für die Entwicklung und Finanzierung von "smart highways" gebrochen - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, daß durch Zeitverlust auf Autobahnen der US-Volkswirtschaft ein Schaden von jährlich etwa 100 Milliarden Dollar zugefügt wird.

Amerikaner fahren entspannter

Daß die meisten amerikanischen Autofahrer andere Vorstellungen vom Gebrauch ihrer Vehikel haben als ihre undisziplinierten europäischen Kollegen, zeigt sich schlagartig auf den "weichen" Verkehrsadern von Los Angeles. Allerdings kann auch ihre ruhige, traumwandlerische Fahrweise zunehmende Staus und entsprechende Verschmutzungen nicht verhindern.

Auslöser für die GAO-Studie war der Erfolg computergesteuerter Ampeln und Informationstafeln während der Olympischen Spiele von Los Angeles 1984 - alles in allem ein äußerst bescheidenes Projekt. Immerhin konnten dadurch die Fahrzeiten um bis zu 13 Prozent und die Zahl der Stops um rund 35 Prozent verringert werden.

Dem GAO schweben in einem ersten Schritt die Installation von Fahrbahnsensoren, Computer zur Verkehrssteuerung und in die Wagen eingebaute Terminals vor, welche die Fahrer mit Informationen über Unfälle, Staus und freie Hotelzimmer an ihren Bestimmungsorten versorgen. Allerdings soll, so die Studie, in den nächsten fünf Jahren erst einmal gründlich geforscht und getestet werden.

Wenn die Schwachstellen eines solchen Systems erkannt und der Bedarf an intelligenten Straßen belegt ist, könne sodann mit der Verwirklichung begonnen auf rund 34 Milliarden Dollar für die nächsten 20 Jahre.

Die exorbitante Höhe des Budgets und die Probleme mit der Kompatibilität der verschiedenen Bestandteile des Systems macht der Bericht als die größten Hindernisse für das Projekt aus. Außerdem zeigen sich die Verfasser besorgt über die Ablenkungsgefahr, die dem Fahrer durch im Auto installierte Terminals drohe. Senator Frank R. Lautenburg, Vorsitzender des Transport-Ausschusses, bemächtigte sich sofort der GAO-Studie und legte dem Verkehrsministerium einen Forderungskatalog vor. Demgemäß sollten bis 1996 jährlich 250 Millionen Dollar in das Projekt fließen . Dieses umfaßt nach Lautenberg:

- Die Entwicklung von Einbau-Terminals, die den Fahrer mit elektronischen Straßenkarten und Verkehrsinformationen versorgen.

- Ein Echtzeit-Nachrichtensystem, das vor Staus warnt und Umfahrungsmöglichkeiten vorschlägt.

- Computergesteuerte Verkehrssignale.

- Eine elektronische Straßengebühren-Abrechnung, die Stops an den lästigen "Straßenzollhäuschen" überflüssig macht.

Einige Versuchsprojekte laufen bereits, etwa das in die Wagen eingebaute kalifornische Informationssystem "Pfadfinder" In Orlando, Florida, soll Anfang 1992 der Versuch "Travtek" mit 100 Autos gestartet werden. Hierbei wird der Fahrer mit Kartenausschnitten und Informationen über Eß-, Übernachtungs- und Umfahrungsmöglichkeiten überschüttet. Für Kompatibilitätsprobleme ist also bereits gesorgt, da offenbar jeder Staat oder jede Region ihr eigenes System testen will. Immerhin, der erste Schritt für die Realisierung von intelligenten Straßen ist getan. Bis allerdings der gewiefte Automobilist auf einer Autobahnauffahrt ein dreimaliges Piepsen vernimmt und somit weiß, daß der im Asphalt eingebaute Sensor die Identität seines Gefährts erkannt hat und die weitere Steuerung übernimmt - bis zu diesen goldenen Tagen muß er sich noch etwas gedulden. Sollte das Märchen Wirklichkeit werden, könnte er getrost den Fuß vom Gaspedal nehmen und zur Zeitungslektüre übergehen.

Der Rest sähe etwa so aus:

Der "smart highway" läßt das Vehikel sanft in eine Verkehrslücke gleiten. Die an der Schnauze und am Heck angebrachten, mit Radar ausgerüsteten Autopiloten sichern den vorgeschriebenen Abstand zu den anderen Verkehrsteilnehmern. Eine Reihe von Gebührenhäuschen taucht auf, doch der Wagen bremst kaum. Der Gebührendetektor entziffert in Windeseile ein Signal auf der Autonummer und belastet das Konto des Zeitungslesers mit dem entsprechenden Betrag. Zehn Minuten später ein erneutes Piepsen. Der Bildschirm am Armaturenbrett zeigt einen Lastwagenunfall zwanzig Kilometer weiter vorn und schlägt Umfahrungen vor. Der Fahrer bleibt auf seiner Route, weil er erfährt, daß im zehn Kilometer entfernten Ort diverse Hotelzimmer und Eßmöglichkeiten in seiner Preisklasse angeboten werden.

So weit, so gut. Amerikaner waren immer schon von Automatisierung besessen. Eine dringliche Frage stellt sich allerdings: Wer ist in einem solchen Verkehrssystem für Unfälle verantwortlich?

Es ist auch höchst fraglich, ob gewisse europäische Automobilisten, die ihr Vehikel täglich als Hort der Freiheit feiern, von derartigen Projekten begeistert wären, denn intelligente Autobahnen nähmen ihnen buchstäblich das Steuer aus der Hand.

Nahezu ferngesteuert und angeschlossen an die elektronische Infrastruktur auf und neben den Fahrbahnen, könnten sie ihren mutwilligen Freiheitsdurst nicht mehr in überhöhte Geschwindigkeit umsetzen.