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29.11.1985 - 

Ameritech zahlt 215 Millionen Dollar in bar - Mitbewerb reagiert gelassen:

US-Telefon-Company kauft Softwarehaus ADR

PRINCETON (ru) - Die Applied Data Research Inc. (ADR), eines der größten US-Softwarehäuser, hat ihre Eigenständigkeit eingebüßt. Die in Chicago ansässige Telefongesellschaft Ameritech wird den Hersteller IBM-kompatibler Systemsoftware zum Preis von 215 Millionen US-Dollar übernehmen.

Die auf dem Kommunikationssektor tätige Ameritech ist eines jener regionalen Unternehmen, die sich nach der Zersplitterung von American Telephone and Telegraph

(AT&T) etablierten. "Aus Imagegründen", berichtet ein frisch aus den USA zurückgekehrter Mitarbeiter eines großen norddeutschen Software-Unternehmens, "erzählt ADR in den USA, man sei von AT&T übernommen worden."

ADR wird als eine Tochter von Ameritech weiterbestehen. Weder im Produktspektrum noch im Management werde es Änderungen geben, heißt es in ersten Reaktionen. Die Chicagoer Gesellschaft wird sämtliche im Umlauf befindlichen 6,7 Millionen Stammaktien von ADR zum Preis von je 32 Dollar aufkaufen. Die Gesamtsumme von rund 215 Millionen Dollar wird bar bezahlt. Mit der Zustimmung der Aktionäre rechnen beide Unternehmen Mitte Dezember.

Applied Data und bestimmte leitende Angestellte haben Ameritech vor wenigen Tagen die Option zum Kauf von bis zu 34 Prozent aller ADR-Aktien, einschließlich aIler Umtauschrechte, eingeräumt. Dies ist als Vorsichtsmaßnahme gegen andere Bieter gedacht.

Die 1959 gegründete ADR ist mit eigenen Gesellschaften seit 1979 in Europa vertreten, so mit einer deutschen Tochter in Neuss. Von 1970 an konzentrierten sich die Amerikaner auf Entwicklung und Vertrieb IBM/ 370-kompatibler Software-Produkte wie das Datenbank- und Abfragesystem "Datacom". Weiter gehört zur Produkt-Palette das Anwendungs-Entwicklungssystem "Ideal".

1984 setzte die an der New Yorker Stock Exchange gehandelte ADR-Gruppe 128,2 Millionen Dollar um. Der Gewinn belief sich auf 16,2 Millionen Dollar. Die von Analysten für 1985 vorausgesagte Umsatzentwicklung auf 170 Millionen Dollar blieb ein Wunschtraum. In den ersten neun Monaten dieses Geschäftsjahres verkauften die Softwerker weltweit für rund 103,2 Millionen Dollar und erzielten einen Verlust von 2,3 Millionen. Im gleichen Zeitraum machte Ameritech einen Umsatz von 6,74 Milliarden Dollar, bei einem Gewinn von 829,6 Millionen.

ADR fühlt sich nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden John R. Bennett mit einer zahlungskräftigen Mutter im Rücken stark, um für die nächste Zeit gegen IBM anzutreten. Der Kauf, vermuten Analysten, wird für Ameritech zunächst keine direkten Auswirkungen haben, in den nächsten Jahren sich aber zu einem großen Vorteil entwickeln.

Für Ameritech ist dieser Zusammenschluß die erste größere Diversifikation. Vorher waren schon andere regionale Telefongesellschaften Joint-ventures mit Hardware- oder Service-Gesellschaften eingegangen. Ameritech alliiert sich als erstes dieser Unternehmen mit einem Softwarehaus. Für Insider machen die Manager aus Chicago damit einen entscheidenden Schritt in die Entwicklung integrierter Sprach-Daten-Kommunikationssysteme für Business-Computer.

Von Branchenbeobachtern und Mitbewerbern ADRs wird das Ziel unterschiedlich beurteilt. Einige sprechen von einem Signal, das andere Käufer und Kooperationen in diesem Bereich nach sich ziehen könnte. So schielten Telefongesellschaften und Hardware-Hersteller schon lange bei ihren Expansionsplänen in Richtung Data-Services.

Die Mehrheit der "Mitspieler" im Software-Geschäft für Großsysteme sehen in der Fusion einen minimalen Einfluß auf den Markt und bezweifeln weitere Zusammenschlüsse. "Wenn Sie mich fragen, was ADR durch Ameritech für einen Nutzen hat - ich kann es nicht beantworten", erklärt Steward Miller, Boss der deutschstämmigen Software AG in Refton.

John Cullinane, Präsident der Cullinet-Software Inc., glaubt gar, daß sich die Marktpräsenz von ADR verringern werde. Cullinane: "Geld, und das beweist die Historie, zeigt kaum Auswirkung, wenn man es in Softwarehäuser reinsteckt. Das ist der Grund, warum IBM der eigentliche Software-Verkäufer ist." Miller schloß für die Software AG eine Version mit den Worten aus: "Hier poliert man das Wesentliche einer unabhängigen Company - die Kreativität."