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Der Fall Doubleclick hat der ganzen Branche geschadet

US-Unternehmen machen sich mit Datenschutz vertraut

12.05.2000
MÜNCHEN (CW) - In den USA wächst das Bewusstsein für Datenschutz. Nach heftiger Kritik auch von Kundenseite befürchten immer mehr Internet-Unternehmen, dass laxer Umgang mit Daten ihrem Renommee und damit dem Geschäft schaden könnte.

Ausgelöst wurde die neue Nachdenklichkeit der Dotcom-Firmen durch die massive Kritik, die der Fall der Online-Werbeagentur Doubleclick hervorgerufen hat. Das Unternehmen hatte beabsichtigt, die Namen und Adressen zu den im Web gesammelten ausführliche aber anonyme Nutzerdaten zu ermitteln. Diese Informationen sollten dann für Direkt-Marketing-Aktionen verkauft werden. Die Pläne wurden erst "vorerst ausgesetzt", als nicht nur Datenschützer und Regierungsbehörden interveniert, sondern auch Kunden und Aktionäre dem Unternehmen die Treue aufgekündigt hatten.

Das Beispiel von Doubleclick hat den Unternehmen die Gefahr eines Skandals wegen Datenmissbrauchs vor Augen geführt, die bei den fast vollständig von der Gunst der Anleger abhängigen Dotcom-Firmen durchaus existenziell sein kann. Dabei spielt eine Rolle, dass nicht nur bei den Kunden das Bewusstsein für dieses Thema geschärft wurde, sondern auch bei der US-Regierung. Das Beispiel Doubleclick sowie eine Reihe weniger medienwirksamer Vorfälle bestätigten Datenschützer und Regierungsbehörden in dem Verdacht, dass man sich nicht auf die Versprechen der Wirtschaft verlassen könne, sich freiwillig Spielregeln für den Datenschutz aufzuerlegen. "Außer Hewlett-Packard fällt mir kaum ein Unternehmen ein, das sich in den vergangenen zwei Jahren ernsthaft für Datenschutzregeln eingesetzt hat", ärgerte sich im Februar dieses Jahres Orson Swindle, der für dieses Thema zuständige Beauftragte der Federal Trade Commission (FTC). Nun müssen die Unternehmen nicht nur fürchten, dass möglicherweise kostenträchtige und hinderliche Gesetze erlassen werden, sondern ihnen die Behörden zudem genauer auf die Finger schauen.

Im Visier sind hier nicht nur reine Internet-Firmen, sondern die wachsende Zahl von Unternehmen, die Data-Warehouse-Techniken oder Software für Customer-Relationship-Management (CRM) einsetzen, um Profile ihre bereits gewonnenen und potenziellen Kunden zu erstellen. Besonders eifrig sind hier Handelsunternehmen, Banken und Versicherungen tätig. Viele dieser Firmen verfügen zwar über klare Datenschutzregeln und publizieren diese auch im Netz. Das Problem ist jedoch, dass sie häufig von den eigenen Mitarbeitern ignoriert werden. In solchen Fällen besteht die Gefahr, von der FTC mit harten Geldstrafen wegen gebrochener Datenschutzzusagen belegt zu werden.

Nach Informationen der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" etablieren daher immer mehr Unternehmen Privacy-Manager, die die Einhaltung der Regeln zum Schutz der Privatsphäre garantieren sollen. Allerdings hat der Fall Doubleclick auch gezeigt, dass ein solcher Manager wenig Vetrauen genießt, wenn er sich mehr an den Geschäftszielen als am Datenschutz orientiert. So hat jetzt etwa der CRM-Anbieter E-Piphany mit Gayle Crowell eine Privacy-Direktorin ins Board aufgenommen, die den Unternehmenskunden erklären soll, welche Konsequenzen die Verwendung der Software für den Datenschutz hat. Ihr ist dabei bewusst, dass sie zwischen mehreren Stühlen sitzt. So muss sie den Kunden den Datenschutz nahelegen, ohne ihnen den Einsatz der Personalisierungs- oder Data-Mining-Werkzeuge zu vergällen. Das Sammeln, Analysieren und Aufbereiten von Kundendaten für kommerzielle Zwecke sei so lange nicht problematisch, argumentiert Crowell, wie der Kunde über die Verwendung seiner Daten informiert ist und sein Einverständnis erklärt hat.