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01.06.1990 - 

Yankee Group: Sema und Cap Gemini mit guten Chancen

US-Unternehmen werden den SW-Markt in Europa dominieren

WATFORD (CW) -Software und Services (S&S) aus Deutschland sind in Europa nicht gefragt. Prognosen der im englischen Watford ansässigen Yankee Group Europe deuten darauf hin, daß der europäische Markt schon 1995 weitgehend in amerikanischer Hand sein wird. Von den europäischen Anbietern können sich demnach nur das französische Unternehmen Cap Gemini Sogeti und die englischfranzösische Sema Group Plc. behaupten.

Drei US-Großanbieter werden, so die Analysten in einer Studie über den europäischen Softwaremarkt, einen Großteil der Marktanteile unter sich aufteilen: die Computer Science Corp. (CSC), die General-Motors-Tochter Electronic Data Systems (EDS) und der Branchenriese Arthur Andersen. Eine Reihe europäischer Software-Anbieter geht in diesen fünf Unternehmen auf oder verschwindet ganz vom Markt.

Nach Ansicht der Analysten verlieren die klassischen europäischen Softwarehäuser in Europa an Boden. Die weitaus größten Umsätze erzielen Unternehmen, die - wie Cap Gemini oder Arthur Andersen - komplexe Projekte durchführen, sowie Anbieter von RZ-Dienstleistungen, zum Beispiel EDS. Aus diesem Grunde gehört derzeit ein Unternehmen wie die deutsche Datev noch zu den umsatzstärksten europäischen S&S-Unternehmen.

Grund für die künftige US-Überlegenheit ist nach Ansicht der Marktbeobachter weder ein technischer Vorsprung noch das bessere Projekt-Management-Unternehmen wie IBM, EDS oder Arthur Andersen verfügen lediglich über ein ausgeklügeltes Marketing-Konzept. Kein europäischer Anbieter hat zum Beispiel dem Systemintegrations-Konzept "Total Support Facility" (TSF) von Arthur Andersen etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen. Nach Ansicht der Yankee-Analysten handelt es sich hierbei aber um nichts anderes als einen phantasievollen und umsatzträchtigen Marketing-Trick.

US-Herstellern bietet ein vereinigtes Europa gute Expansionschancen. Währe der amerikanische Markt, der inzwischen nahezu zweimal so groß ist wie der europäische, erste Sättigungserscheinungen zeitigt, ist in Europa mit S&S noch viel Geld zu verdienen. Aus diesem Grunde konzentrieren sich Großanbieter wie die Sema Group oder SD-Scicon nach Ausflügen in den rauhen US-Markt wieder verstärkt auf das europäische Absatzgebiet.

Auch der 1993 in Kraft tretende Binnenmarkt wird die Situation nicht schlagartig verändern. Unterschiede in Kultur, Sprache und Hardware-Umgebung vereiteln nach Einschätzung der Marktforscher eine einheitliche EG-weite Strategie, so daß US-Konzerne gute Marktchancen haben. Übernahmen großer Softwarehäuser durch Hardwarehersteller dürften die Ausnahme bleiben. Allerdings entwickelt sich nach Ansicht der Yankee-Analysten eine große Anzahl unterschiedlicher strategischer Allianzen.

Bedeutende Software- und Hardware-Anbieter arbeiten in den 90er Jahren mit kleinen Nischen-Anbietern zusammen, um in Kooperation mit unterschiedlichsten Fachleuten große Systemintegrations-Projekte durchzuführen.

Für kleine Softwarehäuser wird in Europa schon bald ein noch schärferer Wind wehen als derzeit. Da Entwicklungs- und Marketing-Kosten schon jetzt in schwindelnde Höhen steigen, haben nur noch jene Kleinunternehmen gute Karten, die ein gefragtes Nischen-Produkt anbieten können. Überlebens-chancen räumen die Marktbe-obachter jenen Softwarehäusern ein, denen es gelingt, sich in Allianz mit einem wichtigen Hardwarehersteller zu entwickeln. Wirklich unabhängige Anbieter haben kaum noch Chancen. Auch die Verfahren der Software-Entwicklung werden sich weiter verändern. Bisher haben Anwender und unabhängige Softwarehäuser nach Ansicht der Analysten die Entwicklung als eine Art "Kunstgewerbe" und nicht als Engineering- Prozeß aufgefaßt. Diese Schwäche nutzen US-Anbieter, indem sie mit modernen CASE-Produkten auf den Markt drängen die sie entweder selbst entwickeln oder durch eine strategische Partnerschaft mit einem CASE-Spezialisten anbieten können.

Für die nächsten fünf Jahre wagt die Yankee Group folgende Detail-Prognose: Nahezu 60 Prozent aller Software-Entwicklungen werden im Rahmen eines Vertrages angeboten, in dem Preis und Lieferzeitpunkt festgeschrieben sind.

Die Produktivität der Software-Entwickler steigt, weil die Anzahl moderner Werkzeuge und verwendbarer Standardsoftware ständig zunimmt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, so ein weiterer Trend, müssen Softwarehäuser komplexe Engineering-Strategien entwerfen.

Auch das Bild des typischen Softwarekunden ändert sich in den 90er Jahren: Nicht das Technical Management, sondern die Geschäftsleitung selbst wird künftig entscheiden, welche DV-Wege beschritten werden sollen. Es reicht also nicht mehr aus, technische Perfektion zu bieten; der Geschäftsleitung von Anwenderunternehmen müssen komplette Lösungen verkauft werden.

Dienstleister an der Spitze

Keine Frage, zu den großen Anbietern von Standardsoftware-Paketen in Europa zählen nach wie vor Computer Associates (CA), Microsoft, Software AG, SAP und Ashton-Tate. Warum aber tauchen diese Softwareschmieden in den Statistiken der Yankee Group nur unter "ferner liefen" auf?

Schon seit einigen Jahren reicht es für Unternehmen, die langfristig erfolgreich anbieten wollen, nicht mehr aus, lediglich auf die Softwareschiene zu setzen: Komplexe Service- und Consulting-Leistungen sind jetzt gefragt.

Anbieter müssen in der Lage sein, umfangreiche Projekt- und Beratungsaufgaben zu übernehmen, oder sie haben einem zweiten Trend Rechnung zu tragen: dem sogenannten " Outsourcing". Immer häufiger entscheiden sich Großunternehmen dafür, Teile ihrer Datenverarbeitung auszulargen und RZ-Spezialisten die entsprechenden Aufträge zu erteilen.

In der europäischen Software- und Service-Spitze tummeln sich derzeit Dienstleister wie Cap Gemini, die Sema Group, Arthur Andersen, die englischen Anbieter Reuters und Scicon, das italienische Unternehmen Finsiel oder Generalanbieter wie die IBM- und natürlich die gute alte Datev.

Durchsetzen werden sich aber letzten Endes nur die großen, weltweit agierenden Unternehmen, die ihre Umsätze mit zahlreichen Großprojekten erzielen, die in ganz Europa gleichermaßen präsent sind und ihr Angebot nicht auf bestimmte Bereiche beschränken - Unternehmen also, die nicht gleich in existentielle Schwierigkeiten geraten, wenn einmal das eine oder andere Großprojekt schiefgeht, die sogar das Absterben eines ganzen Betriebszweiges wegstecken können.