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07.03.1986 - 

Trotz guten Umsatzes entwickelte sich ADVOrga-Aktie enttäuschend:

US-Zinssenkung als Motor der Börsenhausse

07.03.1986

MÜNCHEN (aw) - Eln Schachzug ist der Siemens AG in der Zusammenarbeit mit CTE gelungen. Die Münchener haben sich damit den Zugang zum amerikanischen Kommunikationsmarkt geöffnet, wobei sie in diese Kooperation ihr Knowhow einbringen. Beide Unternehmen beherrschen zusammen weltweit 14 Prozent des Telekommunikationsmarktes. Was IBM im Börsenjahr 1986 den Börsianern präsentieren wird, ist nur Spekulation. Zumindest schätzen Börsenanalytiker den Branchenriesen eher zurückhaltend ein.

Der US-Aktienmarkt schaukelt sich von Rekord zu Rekord. An Dow Jones-Kurse 1700 wird man sich gewöhnen müssen. Wermutstropfen für den europäischen Anleger bleibt aber die Dollarentwickhlng. So notiert der marktbreite Value-Line-lndex in Mark gerechnet - trotz der positiven Aktienentwicklung erst knapp über dem Stand von November 1985. Von den europäischen Anlegern konnten nur solche von der Hausse profitieren, die auf Werte gesetzt hatten, welche deutlich hesser als der Index abschnitten.

Die wiederholt empfohlelle Alternative - Kauf eines Aktienterminindex (Standard & Poor's 500) - brachte allerdings hohe Gewinne. So kletterte der empfohlene Kontrakt Standard & Poor's im Marz 1986 von 186 auf zuletzt 226. Dies bedeutet 40 Punkte Gewinn pro Kontrakt.

Bedauerlicherweise können diese Börsenindex-Terminkontrakte lediglich über US-Wertpapierbanken (Broker), die in Deutschland eine Vielzahl von Niederlassungen besitzen, erworben werden. Geht man jedoch davon aus, daß sich der Dollarrückgang auf der einen Seite und der Aufschwung des US-Aktienmarktes auf der anderen Seite fortsetzen wird, so scheint ein Engagement in den gehandelten US-Aktien-Terminindices immer noch sinnvoll als Alternative zum Engagement in Einzelwerten, die die volle Kapitalbindung erfordern.

Spekulative Alternative zum Kauf von Einzelwerten und ebenfalls niedrigem Dollar-Einsatz ist der Erwerb von Kaufoptionen, die ebenfalls nur einen kleinen Kapitaleinsatz in US-Dollar erfordern.

Motor der Börsenhausse ist der neue Zinssenkungsschub in den USA. Mittelfristig ist dies für alle Weltbörsen positiv. Erstaunlich ist, daß die positive Kunde von der Zinsfront, ausgelöst durch pessimistische Prognosen zur Entwicklung des US-Budgetdefizites, keineswegs überschwenglich aufgenommen wurde. Vielmehr herrscht Skepsis allerorten, was mittelfristig ein weiteres Ansteigen der Bondnotierungen (oder auch Fortsetzung des Zinsrückgangs) wahrscheinlich macht.

Kräftig durcheinandergewirbelt hat die Märkte der ÖIpreissturz. Auch auf die Entwicklung der Anleihen- und Aktienpreise wird sich der OPEC-Kollaps per Saldo positiv auswirken. Der plötzliche Rückgang der Energiekosten wird Investitionskraft in anderen Bereichen freisetzen. Hiervon sollten nicht nur die Anbieter von Datenverarbeitungsanlagen profitieren können. Fazit: Die Hausse an den Weltbörsen wird sich auch 1986 fortsetzen. Das Tempo von 1985 - etwa der deutschen Börse - erscheint allerdings kaum wiederholbar .

Nach der konjunkturellen Betrachtungsweise zurück zu den Unternehmen: Was steekt hinter der Zusammenarbeit von GTE (General Telephone & Electronics) und Siemens? GTE ist der größte US-Anbieter von Kommunikationsdienstleistungen

(Telefonsysteme) außerhalb des ehemaligen AT&T-Imperiums, den heutigen Bell Companies. Das GTE-Netz versorgt zwölf Millionen Kunden in den USA mit Telefonservice. Die zirka sieben Millionen gebührenpflichtigen Gespräche pro Tag sorgen für 61 Prozent des Umsatzes, mit dem allerdings 90 Prozent des Ertrages erwirtschaftet werden. Es handelt sich hierbei um regionale flächendeckende Netze.

Die Schwäche der GTE liegt bei den übrigen knapp 40 Umsatzprozenten, mit denen lediglich zehn Prozent des Ertrags erwirtschaftet werden. Hierunter fallen vor allem Geräteproduktion und Telefonfernverbindungen. Bemühungen im Bereich der Geräteproduktion wurden für GTE immer kostspieliger, da nach der Aufgliederung des AT&T-Kolosses auch in diesem Bereich der Wettbewerb enorm zugenommen hat. Die Gewinnspannen sind zusammengeschmolzen. Siemens kann hier als Partner umfassendes Know-how und internationale Erfahrungen einbringen.

Der besonders hart umkämpfte US-Markt ist den ausländischen Wettbewerbern nur schwer zugänglich. Nur wer sich mit dem Eigentümer der flächendeckenden Telefonnetze einigt, kann seine Geräte an diese Netze ankoppeln und dem Kunden verkaufen. Keiner der europäischen Wettbewerber hat es bisher geschafft, größere Aufträge in den USA zu ergattern. Siemens machte den Anfang mit einem Auftrag der Wisconsin Bell, einer Gesellschaft der alten AT&T-Gruppe. Ferner wurden für eine New Yorker Telefongesellschaft Wählcomputer geliefert.

Der Vertrag zwischen Siemens und, GTE fügt zwei Unternehmen zusa(...)men, die gemeinsam 14 Prozent den Telekommunikationsmarktes weltweit beherrschen. Bemerkenswert ist, daß die Stärken und Schwächen sich ideal ergänzen: GTE verfügt über 19 regional flächendeckende Telefongesellschaften in den USA und hat einen schwachen Ausrüstungssektor. Siemens hingegen besitzt besonderes Know-how im Bereich der Telekonununikationstechnik, verfügt jedoch nicht über eigene Netze in den USA. Mit diesem Joint-venture hat Siemens einen Fuß im amerikanischen Markt und ist den europäischen Konkurrenten voraus.

Neben dem Joint-venture mit Corning Glass und, Sicor könnte sich die Zusammenarbeit mit GTE zum zweitwichtigsten Brückenkopf für Siemens im amerikanischen Markt entwickeln. Inwieweit dabei Geld ve(...)dient wird, bleibt abzuwarten Schließlich unterliegt der US-Markt dem Gesetz des Wettbewerbs und nicht dem Proporz der Bundespost. Für die deutschen Verbraucher könnte sich das Siemens-Engagement in den USA, das Siemens zusammen mit GTE neben AT&T und Northern Telecom zum größten Anbieter von Telekommunikationstechnik machen dürfte, ebenfalls positiv auswirken. Schon fordern die USA die Öffnung der deutschen Telekommunikationsmärkte für Anbieter, die nicht dein Schwarz-Schilling-Club angehören.

IBM nahm jetzt erhebliche Preiskürzungen vor. Diese Mittel des Wettbewerbs wurde von Big Blue wiederholt erfolgreich angewendet. Nach der Gewinnentwicklung 1985 und den erfolgreichen Bemühungen um Kostendämpfung kann sich IBM durchaus Preiskürzungen leisten.

Als international tätiges Unternehmen, das sich weltweit mit stärker japanischer Konkurrenz auseinanderzusetzen hat, profitiert IBM überproportional vom Dollarsturz. Vor diesem Hintergrund wären sogar optimistischere Gewinnprognosen für 1986 gerechtfertigt. Der Dollarrutsch spricht allerdings auch gegen ein Engagement in IBM-Aktien, da Aktienkursgewinne bisher weitestgehend durch den Dollarkursrückung aufgezehrt wurden.

"Eine, wenn auch spekulative Alternative ist der Erwerb einer Kaufoption auf IBM direkt in den USA. Zwar werden auch in Frankfurt Kaufoptionen auf die in Deutschland notierte IBM in Mark gehandelt. Da die Option jedoch nur steigen kann, wenn sich der IBM-Kurs in Mark nach oben ändert, besteht auch hier das volle Dollarrisiko.

Commodores Mismanagement führte zu einer Fortsetzung des scharfen Verfalls der Aktiennotierungen. Ohne die deutsche Tochter hätte die US-Mutter noch schlechter abgeschnitten. Dies zeigt, wie schwierig es ist, die richtige Auswahl zu treffen. Die Aktie ist nicht mehr zu verkaufen. Die Insolvenzgefahr ist durch die Einräumung einer Kreditlinie von 135 Millionen Dollar für Commodore zunächst gebannt. (...)pple konnte sich dagegen weiter auf 261/4 Dollar verbessern. Allerdings blieb hier für den deutschen Anleger unter dem Strich wegen des Dollarrückgangs auch nichts übrig.

Fazit: Trotz weiterhin vernünftiger Chancen/Risiko-Relation für den amerikanischen Aktienmarkt sollten Engagements wegen des weiterhin bestehenden Dollarrisikos auf Hebelinstrumente wie Kaufoptionen oder Aktienindices beschränkt werden.

Kurzmeldungen einzelner Unternehmen: 14 Prozent Gewinnanstieg bei AT&T. Steigende Gewinne bei Burroughs. Für das Schlußquartal 1985 wird eine Ertragssteigerung gegenüber dem gleichen Vorjahresabschnitt um 22 Prozent bekanntgegeben. Scharfe Kostenkontrolle, eine unerwartet niedrige Körperschaftssteuer sowie bessere Exporterlöse durch den sinkenden Dollarkurs sind Ursache dieser positiven Entwicklung. Weiterhin positive Entwicklung bei North American Philips. Erwarteter Gewinn pro Aktie 1986 3,75 Dollar. Honeywell stieg auf über 80 Dollar in der Spitze. Mit Straffung und Zentralisierung der 44 Geschäftsbereiche des Mischkonzerns wird hier erst relativ spät begonnen.

Unter den europäischen Aktierimärkten schnitt im Januar die Börse in Mailand überdurchschnittlich gut ab. Wenn sich auch Siemens in der Erwartung von 30 000 verkauften PCs sonnt, so kann Olivetti bereits auf 400 000 Einheiten verweisen. Der konsolidierte Gruppengewinn verbesserte sich bei Olivetti 1985 um 40,4 Prozent auf 500 Milliarden Lire. Dies bei einer Umsatzsteigerung von 33,9 Prozent.

Positives Halbjahresergebnis der ADV/Orga. Das Unternehmen konnte den Gesamtumsatz von 30 Millionen Mark um 7,9 Millionen auf 37,9 Millionen Mark erhöhen.

Ein Benennung des erwarteten Betriebsergebnisses wagt das Unternehmen in dem Aktionärsbrief vom 24. 2. 1986 noch nicht. Lediglich ein deutlich höher ausfallender Betrag als im Vorjahr wird in Aussicht gestellt. Die Börse reagierte mit einem Kursanstieg auf 244 Mark. Bedenkt man jedoch, daß ADV/Orga praktisch während der gesamten Hausse des zweiten Jahres 1985 kaum gestiegen ist (allerdings auch im Januar nicht zurückfiel), hat sich der Aktienkurs per Saldo enttäuschend entwickelt.

Bei der französischen CSF Thomson sollten nach beinahe Gewinnverdreifachung die Gewinne mitgenommen werden. Die unmittelbar bevorstehende Wahl könnte zu wachsender Verunsicherung führen. Die Spitzenumsätze der Pariser Börse in den vergangenen Wochen lassen auf eine technische Öberhitzung schließen. Tip: Buchgewinne durch Verkäufe sichern.

An den meisten Aktienmärkten ist eine Konsolidierung überfällig. Insbesondere der deutsche Aktienmarkt erscheint noch lange nicht genügend beruhigt, um neue Kursanstiege auf breiter Front möglich zu machen. Lediglich bei Gewinnern des Ölpreisverfalls (Bayer, Hoechst, BASF), des Dollarrückgangs (Unternehmen, die bei hohem Einkaufsanteil in US-Dollar etwa bei Rohstoffen nur einen geringen Dollar-Exportanteil haben, wie Textilunternehmen) und speziellen Gewinnern des Zinsrückgangs (Hypothekenbanken), können in nächster Zeit die Kurse selektiv steigen. Besondere Vorsicht ist bei den Aktien deutscher DV-Unternehmen angezeigt, da die US-Konkurrenz vor dem Hintergrund der gefallenen Dollarnotierung hier aggressiver anbieten kann.