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27.02.1987 - 

Japanische Produzenten sollen wiederholt Halbleiter-Abkommen verletzt haben:

USA drohen Japan mit neuem Chip-Krieg

WASHINGTON/TOKIO (bk) - Nach sechsmonatigem "Waffenstillstand" wetzen amerikanische und Japanische Chip-Hersteller erneut die Messer. Das Handelsabkommen für das Halbleitergeschäft, das beide Nationen nach langem Streit Mitte letzten Jahres geschlossen haben, steht kurz vor dem Zusammenbruch.

Immer deutlicher zeichnet sich ab, daß sich die Amerikaner mit dem Halbleiter-Handelsabkommen vom 31. Juli 1986 gründlich verzettelt haben. Zwar hoben die japanischen Chip-Produzenten ihre Preise auf dem US-Markt an, bringen jetzt ihre Billigchips jedoch auf Drittländermärkten unter. Dort wiederum kaufen zunehmend amerikanische System- und Peripherie-Hersteller ein, um die hohen Chip-Preise im eigenen Land zu umgehen.

Japaner wütend über neue US-Attacken

Dem wollen die amerikanischen Halbleiterhersteller nun ein Ende setzen. So forderten sie bereits Präsident Ronald Reagan auf, erneut Strafmaßnahmen gegen Dumpingpraktiken japanischer Mikrochip-Hersteller auf Drittländermärkten zu beschließen. Die US-Produzenten wollen festgestellt haben, daß ihre japanischen Konkurrenten auf diesen Märkten ihre Chips um mehr als 30 Prozent unter dem festgelegten Preis verkaufen. "Bereits viele Male haben die Japaner das Halbleiter-Handelsabkommen verletzt. Es ist nun an der Zeit, entsprechende Sanktionen in die Wege zu leiten", kommentiert ein Sprecher des amerikanischen Halbleiter-Verbandes Semiconductor, Industry Association (SIA) im kalifornischen Cupertino die Situation.

Die japanischen Chip-Produzenten indes wollen die immer neuen Attakken der Vereinigten Staaten nicht länger dulden. Schließlich strebten die Amerikaner, so behaupten die Japaner, nicht nur danach alle Drittländermärkte der Welt jener Mindestpreisregelung zu unterwerfen die im vergangenen Jahr nur für Lieferungen aus Japan in die USA festgelegt wurde. Vielmehr versuchte man in Washington nun auch, über die Regelung des Abkommens hinaus in die Geschäftspolitik der japanischen Produzenten einzugreifen. Absicht der Amerikaner sei, auf dem Japanischen Chip-Markt Mindestpreise einzuführen, die von den Herstellerkosten unabhängig sein müßten. Die US-Beamten, so die Japaner, lägen jedoch in der Schätzung der japanischen Herstellerkosten völlig falsch. Da man bei der Halbleiter-Herstellung eine wesentlich niedrigere Ausfallquote als die amerikanischen Konkurrenten hätte, seien auch die Herstellerkosten unvergleichlich geringer.

Für die japanischen Halbleiterhersteller besteht mittlerweile kein Zweifel mehr daran, daß diese neuerlichen Konflikte schon sehr bald zu einem Zusammenbruch des Halbleiter-Abkommens führen werden. Aus dem japanischen Wirtschaftsministerium (MITI) verlautete jedoch, daß man alles daransetzen werde, um die Abmachung mit den USA so lange wie möglich aufrechtzuerhalten". Die japanische Industrie dagegen hält davon nichts. Sie will den Amerikanern vielmehr zeitlich begrenzte direkte Hilfsprogramme anbieten nach deren Ablauf "dann aber wieder der Markt regieren müsse". Ein Vorschlag, der bei den Amerikanern wohl kaum auf Zustimmung stoßen wird.