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08.12.2000 - 

Biographie des deutschen Ingenieurs

USA erkennen Konrad Zuse als Computererfinder an

Konrad Zuse gilt mittlerweile fast unumstritten als Erfinder des Computers, ein Ruhm, den ihm die Amerikaner lange Zeit streitig machten. 1941 entwickelte er die erste programmgestützte Rechenmaschine für binäre Gleitkommazahlen, später das Programmiersystem "Plankalkül". Mehrere Autoren, darunter auch ein Sohn Zuses, befassen sich mit dem Lebenswerk des Pioniers. Von Inge Steutzger*

Schon der Student Konrad Zuse wollte kein "Rechenknecht" sein. Ihn störten während des Ingenieurstudiums die mühsamen, stupiden Berechnungen, an denen kein Weg vorbei führte. Große Büros beschäftigten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so genannte Rechenknechte, die ausschließlich mit Rechnungen für Wissenschaft und Industrie befasst waren. Zuse erfand einen Rechenkünstler, der diese Aufgaben übernahm: Der"Z3" war der erste programmgesteuerte, frei programmierbare Rechner für binäre Gleitpunktrechnung. Die Maschine arbeitete auf der Basis von Relais. Sie konnte addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und beherrschte das Quadratwurzelziehen.

Auf diese Idee kam Zuse durch seine Tätigkeit als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken, wo er ab 1935 arbeitete. Es gab zwar bereits hochentwickelte Rechenmaschinen, die aber Probleme nicht selbständig lösen konnten. Noch fehlte das entsprechende Programm. Zuse entwickelte zunächst gelochte Eingabeformulare, die er später durch wiederverwendbare Register ersetzte. Eine Abtastvorrichtung schickte die Zahlen in ein Rechenwerk, das die Operationen vollzog. Bald waren die Zahlen automatisch abzulesen und in einem Speicher auf vielen Ebenen festzuhalten. Damit schuf Zuse ein Konzept, das dem des modernen Computers stark ähnelte.

Zuse gründete noch während des Zweiten Weltkriegs seine erste Firma. In der unmittelbaren Nachkriegszeit entwickelte er das so genannte Plankalkül, eine Methode, wie man Aufgabenstellungen für den Computer formulieren kann. In den USA knüpfte man später mit Fortran und Algol an diese Ideen an. In den fünfziger Jahren prosperierte Zuses Firma rasch: Die Z22 kostete etwa 200000 Mark und war damit wesentlich günstiger als das Konkurrenzprodukt von IBM. Die Firma verlor allerdings immer mehr am Boden, da sie mit den Leasingangeboten der IBM nicht mithalten konnte: Die Vorfinanzierung wäre zu teuer gewesen. Schließlich übernahm Siemens die Firma Zuse.

Die Autoren versuchen, die computergeschichtlichen Leistungen Zuses einzuordnen, der an der Entwicklung von elektronischen Rechnern nicht mehr beteiligt war. Zuse hat demnach zwar die Programmsteuerung und das duale System nicht allein erfunden, wohl aber die Gleitkommadarstellung. Die herausragende Leistung des Erfinders, so die Autoren, bestand darin, in Unkenntnis von Fortschritten anderer Pioniere die Architektur der Z3 zu realisieren, die modernen Rechnern konzeptionell stark ähnelte.

Kreativ war Zuse übrigens auch in der Malerei. Schon als Schüler verfertigte er Karikaturen, und in seinen späten Jahren malte er Werke in Öl auf Leinen.

Jürgen Alex, Hermann Flessner, Wilhelm Mons, Kurt Pauli, Horst Zuse: Konrad Zuse. Der Vater des Computers. Fulda: Parzeller 2000. 264 Seiten, 34 Mark.

*Inge Steutzger arbeitet als freie Autorin in München.