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Quartalsergebnisse der US-DV-Industrie besser als im Vorjahr


11.05.1990 - 

USA: Frühlingserwachen für Hard- und Softwarehersteller

FRAMINGHAM (IDG) - Die wider Erwarten guten Ergebnisse einiger großer US-Hersteller im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs ließen Wall Street aufatmen. Realistische Analysten warnen allerdings vor zuviel Euphorie: Es sei nicht schwer, heute gut auszusehen, denn im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hätten die meisten Unternehmen sehr unterdurchschnittlich abgeschlossen.

Die Tandem Computers Inc. zum Beispiel veröffentlichte Zahlen, die ein sehr positives Wachstum vermuten lassen. "Aber dabei darf man nicht das letztjährige Desaster vergessen", erklärt David Wu, Analyst bei S.G. Warburg in New York. Tatsächlich lag der Umsatz der Company fünf Prozent unter den Erwartungen, berichtet Wu weiter. Tandem selbst macht dafür Verspätungen in der Abwicklung großer Aufträge verantwortlich. Allerdings, so das Unternehmen, lägen die Verkäufe des fehlertoleranten Mainframes "Cyclone" über Plan.

Angesichts früherer Warnungen entlockte auch das Ergebnis der Digital Equipment Corp. den Wall-Street-Analysten ein zufriedenes Lächeln. "Es ist viel besser ausgefallen, als ich erwartet habe", erklärt denn auch Jay Stevens, Analyst bei Dean Witter Reynolds, der einen Umsatzeinbruch von einem Prozent befürchtet hatte. Stattdessen setzte DEC mit 3,3 Milliarden Dollar vier Prozent mehr um als im Vorjahr. Besonders auf dem heimischen Markt zeigte der Hersteller unerwartete Stärke: "Der US-Umsatz stieg erstmals seit vier Quartalen", freut sich Stevens, der in diesem Markt von einem vierprozentigen Wachstum ausgeht, wohl nicht zuletzt deshalb, weil nach Unternehmensangaben die ersten VAX 9000 ausgeliefert worden sind.

Abfindungsprogramm ist noch nicht zu Ende

Allerdings setzt sich der Abwärtstrend beim Profit fort. Bedingt durch eine außerordentliche Belastung in Höhe von 150 Millionen Dollar, sank das Netto-Einkommen des VAX-Herstellers gegenüber dem des Vergleichszeitraumes im Vorjahr um 90 Prozent auf 24,9 Millionen Dollar. Das Unternehmen selbst schließt darüber hinaus eine weitere Belastung durch Umstrukturierungen nicht aus.

"Weitere Möglichkeiten zur Kosteneinsparung werden im Moment untersucht", sagte der stellvertretende Finanzchef von DEC, James Osterhoff. Aufgrund dieser Aussage vermuten Beobachter, daß das Unternehmen sein "Abfindungsprogramm" für freiwillig ausscheidende Mitarbeiter auf weitere Produktions-

stätten ausweiten wird und deshalb auch im zweiten Quartal eine außerordentliche Belastung gegen die Gewinne aufrechnen muß. "Aber dann wird das überstanden sein", hofft Stevens.

Auch die Eigner der Lotus Corp. können nicht mit ungetrübter Freude auf das Quartalsergebnis blicken. Zwar verzeichnet der Spreadsheet-Hersteller gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres einen Gewinnanstieg von 330 Prozent, aber wegen der verspäteten 1-2-3 Version 3.0 war der Profit in den ersten drei Monaten 1989 sehr mager ausgefallen. Allerdings habe Lotus, so der Finanzchef des Unternehmens Bob Schechter, "die gesteckten Umsatzziele in allen Produktbereichen auf den wichtigsten Märkten erreicht".

Kein Analyst macht hingegen der Microsoft Corp. ihren kontinuierlichen Erfolg madig. Der Softwareriese erzielte 58 Prozent seines Quartalumsatzes auf außeramerikanischen Märkten. Besonders gut entwickelten sich laut Präsident John Shirley die "Word"-Produkte des Unternehmens.

Das internationale Geschäft habe auch Apple vor einem nur durchschnittlichen zweiten Quartal bewahrt, erklären Beobachter. 47 Prozent seines Umsatzes machte der Mac-Hersteller außerhalb der USA. Im zweiten Quartal 89 waren es sieben Prozent weniger gewesen. Wie das Unternehmenen weiter mitteilte, verkauften sich Mid- und High-end-Geräte besonders gut - vor allen anderen plazierten sich der Mac SE30, Mac IICI und IICX.

Damit schließt die Apple Computer Inc. das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres mit einem um sieben Prozent höheren Umsatz (2,84 Milliarden Dollar) als in den ersten sechs Monaten 1989 ab. Der Gewinn konnte um 30 Prozent auf 256,7 Millionen gesteigert werden. Für die nächsten beiden Quartale erwartet Apple allerdings nur ein Gesamtwachstum von sieben bis zehn Prozent. Wie das Unternehmen meldete, gelang der deutschen Tochtergesellschaft, der Apple Computer GmbH, gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sogar ein Umsatzwachstum von 40 Prozent (auf Mark-Basis).

Ebenfalls imposante Steigerungsraten - vor allem vor dem Hintergrund des 1,3-Millionen-Dollar-Verlustes im Vergleichsquartal - legte die AST Research Inc. für die ersten drei Monate dieses Jahres vor. Nach Angaben des Unternehmens verzeichneten besonders die auf Intels 80386 basierten Systeme einen Auftragsschub: Die Ordertätigkeit lag um 20 Prozent höher als im vorangegangenen Quartal.

Auch der Chip-Markt scheint sich erholt zu haben. Zumindest die Intel Corp. registrierte im Berichtszeitraum ein gesundes Wachstum. Andrew Grove, Chief Executive Officer des Mikroprozessor-Herstellers, machte dafür vor allem die wachsende Beliebtheit der 32-Bit-Architekturen verantwortlich: "Gegenüber dem ersten Quartal 1989 ist der 386er in diesem Quartal mehr als doppelt so oft verkauft worden."

Der Zuwachs des zweiten großen amerikanischen Prozessor-Herstellers, der Motorola Inc., war dagegen nicht allzu vielversprechend, auch wenn Motorola-Chef George Fisher "einige positive Anzeichen für die Wiederbelebung des Halbleitermarktes" sieht. Der Chip-Absatz des Unternehmens stieg immerhin um 13 Prozent und die Auftragsbücher sind um 17 Prozent voller als im Vergleichzeitraum.

NCR als einziger wirklicher Verlierer

Obwohl James Unruh von Unisys eigentlich die Auswirkungen der letztjährigen Restrukturierungsmaßnahmen erst für das zweite Halbjahr des laufenden Geschäftsjahrs erwartet hatte, sieht er schon jetzt erste positive Veränderungen: Der Netto-Verlust von 3,2 Millionen Dollar nimmt sich zumindest sehr viel besser aus als die 78,7 Millionen Dollar, die die Corporation vor einem Jahr auf der falschen Seite verbuchen mußte. Auch die Schulden des Unternehmens seien verringert worden.

Der einzige wirkliche Verlierer scheint dieses Mal die NCR Corp. gewesen zu sein, die mit ihrem Quartalsergebnis hinter den Erwartungen zurückblieb. Kleinere Margen und die Rückkauf-Aktion von Aktien in Höhe von 1,6 Millionen Dollar sieht Charles Exley jr., Chief Executive Officer des DV-Herstellers, als Hauptursachen für das schlechte Abschneiden an. Das Unternehmen, vermuten daher die Beobachter, sei Opfer seiner eigenen Rabatt-Politik geworden, denn für die geringeren Margen waren vor allem stark rabattierte Lieferungen an Großabnehmer in USA und Europa verantwortlich.

Trotz des weiter anhaltenden Drucks gibt sich Exley optimistisch: "Wir sehen für das Gesamtjahr die Möglichkeit, bei Umsatz und Gewinn einstellige Wachstumsraten zu erzielen."