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21.07.1989 - 

RZ des Staates Georgia soll bei Benchmarks manipuliert haben

USA: PCMer klagen gegen Bevorzugung der IBM

ATLANTA (IDG) - Bei einem der größten Mainframe-Aufträge, die in letzter Zeit an die IBM vergeben worden sind, droht jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Die Konkurrenten NAS und Amdahl glauben nachweisen zu können, daß das Department für Verwaltungsdienste des US-Staats Georgia sie beim entscheidenden Benchmarktest gegenüber Big Blue benachteiligt habe.

Während sich eine juristische Auseinandersetzung zwischen den nicht zum Zuge gekommenen Mainframern NAS und Amdahl auf der einen und dem Staat Georgia auf der anderen Seite anbahnt, setzt das Department of Administration Services (DoAS) in Atlanta unbeeindruckt die Installation der Corpora delicti fort: Der erste der beiden IBM-Großrechner des Typs 3090-60E läuft bereits, der zweite soll Ende August den Betrieb aufnehmen. Doch ein Gerichtstermin ist noch gar nicht anberaumt. Bis es tatsächlich zu einem Prozeß kommt, werden also längst vollendete Tatsachen geschaffen sein.

Begonnen hat die Affäre, in deren Mittelpunkt der Vorwurf unerlaubter Vorteilsgewährung zugunsten der IBM steht, vor rund einem halben Jahr in Atlanta. Damals hatte das DoAS, das für diverse Dienststellen des Bundesstaates die Datenverarbeitung abwickelt, die Systeme von IBM, NAS und Amdahl in einem Benchmarktest verglichen. Jeder der drei Hersteller sollte einige der typischen DoAS-Anwendungen unter denselben Bedingungen laufen lassen. Genau das fand aber dann nicht statt, wie Sprecher von NAS und Amdahl übereinstimmend klagen. Die IBM habe andere Speicherverfahren nutzen sowie in den Pausen zwischen den einzelnen Testläufen Korrekturen vornehmen können.

Errol Gold, der für die Beschaffung der inkriminierten Mainframes zuständige DV-Manager (für ihn war es der erste größere Benchmarktest) sieht keine Unregelmäßigkeiten im Ablauf des Tests: "Aus unserer Sicht haben wir erfolgreich einen Benchmark laufen lassen, und IBM hat gewonnen. Jeder Anbieter habe die Gelegenheit gehabt, zu probieren und Fragen zu stellen. Nur habe die IBM eben "ihre Hausaufgabe sehr gut gemacht".

Gold beteuert, alle drei hätten exakt die gleichen Voraussetzungen vorgefunden. Doch nach Darstellung der NAS lügt der Mann: Gold und seine Mannen hätten "von den Disparitäten in den Benchmarks eindeutig gewußt", aber nichts dagegen unternommen. Nach Angaben von NAS-Mitarbeitern soll ein Mitglied des DoAS-Teams nach den Probeläufen die Bemerkung gemacht haben, der PCMer hätte sein Ergebnis verbessern können, wenn er nur die Pausen, die sogenannten "Think times", zu Korrekturen genutzt hätte. Die Information über die Möglichkeiten, etwas zu ändern, sei aber nicht zu den NAS-Leuten vorgedrungen, denn der Leiter des DoAS-Benchmark-Teams, Robert Allen, habe angeordnet, sie nicht davon zu unterrichten.

Aufgabe des Gerichts wird es sein, festzustellen, wer bei den Tests tatsächlich wann was zu wem gesagt hat - wobei nicht absehbar ist, wer sich noch an Einzelheiten erinnern will. Gut stehen die Chancen ohnehin nicht für die Beschwerdeführer: Der Generalstaatsanwalt von Georgia sieht keinen Beweis für irgendwelche kriminellen Aktivitäten und weigert sich, dem Antrag der NAS auf ein Ermittlungsverfahren zu entsprechen.

Ein Versuch von Amdahl und NAS, wenigstens die Installation der neuen 3090 mittels gerichtlicher Verfügung unterbinden zu lassen, schlug ebenfalls fehl. Das Nachsehen hat der amerikanische Steuerzahler: Gegenüber IBMs Angebot - 24 Millionen Dollar - will Amdahl um drei NAS sogar um fast sieben Millionen Dollar billiger offeriert haben.