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Gespräche in Vancouver mit politischer Begleitmusik


30.08.1996 - 

USA und Japan einigen sich auf offeneren Halbleitermarkt

Dies sind die wesentlichen Ergebnisse bilateraler Handelsgespräche im kanadischen Vancouver. Generell konnten sich dabei die Japaner mit der Auffassung durchsetzen, daß ihre Halbleitermärkte seit 1995 offen genug seien, so daß die Bestimmungen des Ende Juli ausgelaufenen Halbleiterabkommens nicht mehr den Realitäten entsprächen.

Demgemäß hatte sich die japanische Regierung heftig dagegen gewehrt, weiterhin lenkend in die Importaktivitäten der Branche einzugreifen. Angesichts eines ausländischen Marktanteils von rund 30 Prozent (Stand Ende 1995) hatten nach Ansicht von Experten die Vertreter der Clinton-Administration ohnehin kaum eine Chance, die ursprünglich weitaus rigideren Auffassungen der in der Semiconductor Industry Association (SIA) organisierten heimischen Hersteller wirkungsvoll zu vertreten. Zudem habe sich die Lage auf den Halbleitermärkten beider Nationen so verändert, daß eine Beeinträchtigung des Warenaustauschs sich eher sogar für die japanische Industrie ungünstig auswirken könnte.

Halbleitermarkt hat längst globale Strukturen

Eine Studie von McGraw/Hill zum internationalen Halbleitermarkt warnt ebenfalls davor, die Branche als monolithischen Block zu betrachten. Das Angebotsspektrum reiche von billigen Serienartikeln bis zu kostspieligen anwendungsbezogenen Erzeugnissen. Ferner verschiebe sich in Japan erst seit kurzem das Verbraucherinteresse von der im wesentlichen analogen Unterhaltungselektronik auf die hauptsächlich digitale Computer- und Nachrichtentechnik, bemerken die Consultants weiter. Da das Halbleitergeschäft zu einem hohen Prozentsatz vom PC-Verkauf lebe, existierten nun auch in Japan deutlich günstigere Absatzperspektiven. Als weiteren wichtigen Faktor nennt die Untersuchung die Globalisierung der Halbleiterbranche. Insbesondere japanische und US-Firmen neigten zuletzt dazu, sich vor allem in Südostasien kostengünstige Produktionsstätten zuzulegen.

Gleichzeitig habe, so McGraw/ Hill, die internationale Zusammenarbeit beträchtlich zugenommen. Dabei wird vor allem auf den Umstand hingewiesen, daß japanische und US-Firmen in den Bereichen Forschung und Entwicklung (F&E) immer öfter gemeinsame Interessen verfolgen - bestärkt durch den Trend zu immer höheren Kosten bei der Entwicklung leistungsfähiger Speicherchips. So dürften nach Schätzungen von Experten beispielsweise die F&E- Arbeiten beim 1-GB-Chip, dessen Markteinführung für das Jahr 2000 vorgesehen ist, die Branche mindestens eine Milliarde Dollar kosten.

Andere Branchenkenner bezweifeln nach dem Abschluß der sogenannten Uruguay-Runde und der Gründung der Welthandelsorganisation WTO die rechtlichen Grundlagen für etwaige einseitige Strafmaßnahmen der USA. Unter den gegebenen (neuen) Voraussetzungen bliebe den USA lediglich ihr kartell- und antidumpingrechtliches Instrumentarium, um sich auf internationaler Ebene gegen unlauteren Wettbewerb unilateral zur Wehr zu setzen. Diesen Weg notfalls einzuschlagen hat bereits der DRAM-Hersteller Micron Technologies mit Blick auf die ostasiatische Konkurrenz angedroht.

Offensichtlich gab es aber für die Clinton-Administration noch einen anderen Grund, sich mit den Japanern schnell zu einigen - sehr zum Leidwesen der Europäer übrigens, die das Abkommen von Vancouver vehement kritisieren und sich entsprechende Reaktionen sowohl seitens der EU als auch des Europäischen Verbandes der Bauelemente-Hersteller (EECA) vorbehalten (siehe CW Nr. 34 vom 23. August 1996, Seite 31: "EU prüft Übereinkunft im Halbleitermarkt"). Die US-amerikanischen Unterhändler hatten, wie das "Wall Street Journal" bereits vor dem Abschluß der Gespräche spekulierte, die im November stattfindenden Präsidentschaftswahlen vor Augen. Bill Clinton habe es sich mit den spendenfreudigen und von einer liberalen Marktphilosophie geprägten Ingenieuren im Silicon Valley nicht verderben wollen, heißt es.