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08.07.1983 - 

Kabel- und Satelliten-TV sowie Teletex konkurrieren mit Bildschirmtext:

USA werden als Videotex-Markt interessant

NEW YORK (CW) - Mit einem Aufwand von 2,5 Millionen Dollar hat das amerikanische Marktforschungsunternehmen Booz Allen + Hamilton den US-Markt für Videotex (Bildschirmtext) und Teletex (Videotext) untersucht. Fazit: Der Bedarf an schneller, elektronisch übertragener Geschäftsinformation wächst, Hardwarekosten werden sinken und private Videotex-Kunden sind bereit monatlich 15 Dollar für einen Btx-Service zu berappen. Skeptikter sehen allerdings, berichtet VWD, auch die starke Konkurrenz anderer elektronischer Medien insbesondere von Kabel- und Satellitenfernsehen und des bereits eingeführten Datenbankangebots.

Das im Vergleich zum PC simple und "dumme" Fernsehgerät wird nun auch in den USA als Kommunikations- und Dialogmedium verstärkt "entdeckt". Über Videotex (entspricht dem deutschen Bildschirmtext) und Teletex (entspricht dem deutschen Videotext) beginnen auch die Geschäftsleute nachzudenken. Im nächsten Jahrzehnt werde mit der Verbreitung von Informationen und Dienstleistungen über Videotex und Teletex für Banken, Werbeagenturen und Einzelhändler ein Jahresumsatz von über 30 Milliarden Dollar zu machen sein, schätzte kürzlich Booz Allen + Hamilton. Das Unternehmen hatte 700 Haushalte befragt und diesen zum Teil auch die entsprechenden Geräte zum Testen

überlassen.

Das wachsende Bedürfnis nach "schnellen Informationen" zeichnet sich in den USA demnach immer deutlicher ab. Datenbankenbetreiber wie The Source, Dow Jones oder Compuserve bekommen nach Informationen der Branche monatlich etwa 10 000 neue Abonnenten, gegen Ende des Jahres dürften diese Dienste etwa eine Million Teilnehmer haben, gegenüber 100 000 zu Jahresbeginn.

Die Kosten für ein Btx-Modem werden in nächster Zeit drastisch sinken, ist die fast einhellige Meinung der Branche. Dann werden, so die Schätzungen weiter, etwa 2,5 bis 3 Millionen PC-Besitzer ihr Gerät Btx-fähig machen. Hinzu kommen Unternehmen und Institutionen wie etwa Banken, die von dem Informationsträger "Papier" wegkommen wollen. Es erscheint Beobachtern denkbar, daß manche Banken in naher Zukunft Terminals zu niedrigen Gebühren verleihen oder den Kunden mit

Krediten zu niedrigen Zinsen die Geräte subventionieren. Sie wollen auf diese Art das Home-Banking forcieren.

Als der wichtigste Termin in diesem Jahr gilt der Herbst, wenn die Knight-Ridder Newspaper Inc. mit Viewtron in einem weiteren Feldversuch in Florida einen kommerziellen Btx-Service anbietet. Dann sollen sich Antworten auf die Frage ergeben, ob genug Haushalte bereit sind, ihre Fernsehgerät oder ihren PC aufzurüsten und etwa 20 Dollar pro Monat Gebühr zu bezahlen, um von zu Hause aus ihre Bankgeschäfte abwickeln und einkaufen zu können. Die Untersuchung von Booz + Allen ergab, daß zwei Drittel der Haushalte bereit wären, etwa 15 Dollar im Monat für Videotex auszugeben.

Auch die Hersteller von Btx-relevanter Hardware scheinen sich auf einen neuen Markt einzustellen. So hat Sony Corp. of America für den US-Markt einen Videotex-Decoder angekündigt. Wie aus japanischen Veröffentlichungen weiter hervorgeht, ist die Markteinführung für Anfang des nächsten Jahres geplant. Die Sony-Decoder gibt es schon in Großbritannien. Auch IBM Corp. erklärte in Rye Brook, sie werde in den USA erweiterte Btx-Hardware anbieten. Die Systeme auf der Basis von Rechnern der Serie- 1 laufen entsprechend den britischen Prestel-Protokollen und sind für das Syntax-Protokoll geeignet, das in den USA teilweise für Feldversuche benützt wird. IBM zielt nach eigenen Angaben vor allem auf den Weltmarkt.

Auf der anderen Seite des Kabels will die American Bell Consumer Products Division der AT + T einsteigen. Sie arbeitet mit der Knigh-Ridder-Tochter Viewdata zusammen und will im Herbst in Florida ein "Videotex-Home-Terminal" anbieten, mit dem sich die TV-Geräte aufrüsten lassen und das eine Integration von Modem, Decoder und Telefunktionen darstellt; es ist unter anderem auch mit einem Programm für Wahlwiederholung und Kurzwahl für bis zu fünf Telefonnummern ausgestattet. In der Einführungsphase soll das Gerät 600, später 900 Dollar kosten. Western Electric, eine weitere AT + T-Tochter wird die Terminals herstellen. Die Btx-Editiergeräte für die Informationsanbieter hat Bell schon seit einiger Zeit entwickelt, sie sollen nun verbessert werden.

Bis Mitte 1984 wollen Rockwell International und Norpak Corp. einen Decoder und die entsprechenden Zusatzgeräte zum Empfang von Teletex, das die US-Fernsehstationen ausstrahlen, anbieten. Zur Zeit laufen noch die Entwicklungsarbeiten. Diese Unternehmen, die vornehmlich auf OEM-Basis verkaufen, setzen auf den Preis ihres Produktes: Sie seien mit 400 Dollar für einen Decoder erheblich billiger als Geräte , die jetzt auf dem US-Markt sind, erklärte Norpak-President Mark Norton.

Erfolgsaussichten umstritten

Trotz der Studien von Booz + Allen sind die Erfolgsaussichten des Mediums umstritten. Noch lägen schließlich keine genauen Marktdaten vor, sagen die Skeptiker. Die Ausgangslage ist etwa im Vergleich zur Bundesrepublik, wo sich Hersteller und vor allem die Bundespost optimistisch geben, in den USA anders. Kabel- und Satellitenfernsehen sind weiter entwickelt, ein Datenbanken-Angebot ist bereits vorhanden. Das Medium muß sich sonst gegen starke Konkurrenten durchsetzen. Allerdings hat das amerikanische Videotex seinen Konkurrenten die Dialogfähigkeit (zunächst noch) voraus.