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05.05.2006

USB-Stick taugt kaum als mobiles Büro

Der Gedanke fasziniert: Auf einem USB-Stick in der Hosentasche oder am Schlüsselbund jederzeit das eigene Office dabeizuhaben. Die CW nahm ein Hardware- und zwei Softwareprodukte unter die Lupe.

Als Disketten-Killer haben sich USB-Speichersticks bereits durchgesetzt: Wer heute Daten mobil und transportabel abspeichern will, verwendet hierzu meist einen der USB-Flash- Drives, die mittlerweile mit Speicherkapazitäten von bis zu 6 GB aufwarten. Analysten schätzen, dass 2005 weltweit rund 80 Millionen der populären Datenträger verkauft wurden. Und bis 2007 soll der Weltmarkt auf jährlich 130 Millionen Stück wachsen.

Fazit

• Letztlich konnte keiner der drei Testkandidaten das Versprechen eines mobilen Office am Schlüsselbund einlösen.

• Sieht man einmal über die Tatsache hinweg, dass auch beim U3 Smart USB Drive von Extrememory die typischen Office-Applikationen wie Word auf dem Gast-PC installiert sein müssen, so entspricht dieser Ansatz noch am ehesten der Idee des mobilen Office in der Hosentasche. Zudem erwiesen sich Anwendungen wie Skype oder das SignupShield im Alltag als nützliche Begleiter.

• Allerdings muss angesichts des Systempreises (USB-Stick plus passende U3-Software), der unter dem Strich dann doch schnell bei 200 Euro liegt, die Frage erlaubt sein, ob nicht ein Pocket-PC der bessere mobile Begleiter ist.

• Über Ceedo in seiner jetzigen Form breitet man besser den Mantel des Schweigens. Die Plattform erwies sich vor dem Hintergrund unserer Aufgabenstellung als kompletter Reinfall.

• Ebenso erfüllte Carry it Easy die Anforderungen des Testszenarios nicht. Von einem mobilen Office kann nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Sucht der Benutzer lediglich eine Anwendung, um seine wichtigsten Daten und Ordner unterwegs bequem auf einem vorhandenen USB-Stick mit sich zu führen, so ist das Programm aber durchaus eine Überlegung wert. Zumal es deutlich günstiger ist als ein neuer USB-Stick mit U3-Technik.

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www.computerwoche.de/

569645: USB-Stick mausert sich zu Smart-Device;

569094: Automatischer Schutz für USB-Sticks;

570064: USB-Stick mit vorinstallierter Software.

Die Testkandidaten

So sind die Vorteile der Speichersticks als mobile Daten- träger zwar unbestritten, doch als Speicherort für Applikationen taugten sie bislang kaum. Das lag weniger am fehlenden Speicherplatz als vielmehr an den Dynamic Link Libraries (DLLs) und Registry-Einträgen, welche die meisten Anwendungen in den Tiefen eines Windows-Systems verankern. Selbst wenn ein Programm auf einem Stick installiert wurde, funktionierte es dann in der Regel auf einem anderen Rechner nicht, da dort die erforderlichen DLLs und Registry-Einträge fehlen.

Die mobile Office-Idee

Dieses Problem adressieren beispielsweise U3 mit der "U3 Smart Drive Computing Platform" oder Ceedo Technologies mit "Ceedo Personal". Die Idee dahinter klingt faszinierend: Eine Applikation, etwa das E-Mail-Programm, oder ein VoIP-Softphone, wird auf dem USB-Stick installiert und lässt sich künf- tig ohne Probleme auf jedem Rechner etwa in einem Konferenzzentrum oder Internet-Cafe nutzen, ohne verräterische Spuren oder private Informationen auf dem Gast-PC zu hinterlassen. Ähnliches verspricht auch die Firma Cososys SRL mit ihrem Produkt "Carry it Easy", das aber im Vergleich zu den beiden ersten Ansätzen weniger eine virtuelle Arbeitsumgebung darstellt als vielmehr eine Synchronisationssoftware.

Unterschiedliche Ansätze

Zudem unterschieden sich die drei Verfahren noch in einem anderen Punkt: Der U3-Einsatz erfordert einen speziellen USB-Stick, der bereits auf Hardwareseite für die Plattform vorbe- reitet sein muss. Die beiden anderen Kandidaten sind dage- gen reine Softwareprodukte, die sich unter Windows auf jedem "Autorun"-fähigen USB-Wechselmedium verwenden lassen sollen.

Damit sich die vollmundigen Werbeaussagen der Hersteller überprüfen ließen, mussten die Probanden im computerwoche-Test folgende Aufgaben lösen: Von einem Testrechner sollten sie die Favoriten und persönlichen Einstellungen des Internet Explorer übernehmen sowie das mobile Arbeiten mit drei Outlook-E-Mail-Accounts ermöglichen (POP-3- und Imap-Konten) und dabei die entsprechenden Postfächer auch unterwegs verfügbar machen. Ferner sollten die eigenen Dokumente mit auf die Reise gehen und sich unterwegs mit Word als einer typischen Office-Applikation lokal auf dem Stift ohne weiteren Installationsaufwand bearbeiten lassen. Als Vertreter der U3-Plattform trat der USB-Stick "Extrememory U3 Smart USB Drive 2 GB" der Cos Memory AG aus Florstadt an, der als USB-2-Device konzipiert ist. Die Softwareprodukte mussten ihr Potenzial auf einem No-Name-USB-Stick sowie auf einer 1 GB großen SD-Speicherkarte von Extrememory unter Beweis stellen.

Testkandidat 1: U3 Smart USB Drive

Die Inbetriebnahme des U3-Sticks war Plug und Play im wahrsten Sinne des Wortes: Einstecken in die USB-Schnittstelle, und der PC erkannte die U3-Plattform. Dabei präsentiert sich der Stick im Windows Explorer als zwei Laufwerke: einem kleinen virtuellen CD-ROM-Laufwerk, auf dem die U3-Start-Software sitzt, sowie dem eigent- lichen Stick, der normal als Wechselmedium erkannt wird. Beim ersten Start führt ein Avatar durch die einfache Einrichtung des Sticks. Zentrale Steuer- und Bedienkonsole ist das "U3 Launchpad", das durch An-

klicken des U3-Symbols im Systemtray von Windows geöffnet wird. Im Launchpad selbst startet der Benutzer ähnlich wie im Startmenü von Windows seine Programme und verwaltet den Stick. An Programmen hat Extrememory seinem Stick von Haus aus den E-Mail-Client "Thunderbird" sowie eine 45 Tage lauf- fähige Testversion der Synchronisierungssoftware "Migo" spendiert.

Stolperfalle Outlook

Das System wurde der oben beschriebenen Aufgabenstellung nicht gerecht. So scheiterte Thunderbird am Import der Outlook-Konten, denn fehlerfrei kommt der Mail-Client nur mit Outlook-Express-Accounts zurecht. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet die knapp 30 Dollar teure Software "DmailerSyn V5" (www.dmailer.com). Sie beherrschte im Test die Syn- chronisation mit Outlook und berücksichtigte auch alle Unterordner innerhalb des Micro- soft-Mail-Programms. Will der Anwender unterwegs elektro- nische Post abholen und ver- senden, so kann er dies direkt aus Dmailer heraus tun. Allerdings hat die Software einen Pferdefuß - sie arbeitet nur mit POP-3- und SMTP-Mail-Konten zusammen, nicht jedoch mit Imap-Accounts.

Desktop-Synchronisation

Unproblematischer gestaltete sich dagegen der Umgang mit der Synchronisierungssoftware Migo. Anstandslos übernahm sie die Favoriten aus dem Inter- net Explorer, so dass der User auch unterwegs jederzeit Zu- griff auf seine Links hat. Zudem kann er bestimmen, welche Ordner seines Arbeitsplatzes (beispielsweise "Eigene Dateien") mit dem Speicherstick synchronisiert werden sollen, um mit ihnen an anderen Rechnern weiterarbeiten zu können. Um dabei das Look and feel des heimischen Rechners zu erhalten, offeriert Migo ferner die Option, die Desktop-Einstellungen auf dem Stick abzuspeichern. Zwar verfügt Migo auch über die Möglichkeit, die Outlook-Inhalte zu synchronisieren, doch dies nutzt dem Benut- zer nur dann etwas, wenn auf dem entsprechenden PC der Mail-Client von Microsoft installiert ist - ein Punkt, der auf die wenigsten Rechner in Inter- net-Cafes oder Konferenzzentren zutrifft. Leider kann Migo nicht die notwendigen Pro- gramme zur Bearbeitung der eigenen Dateien auf dem Stift auslagern.

Trostpflaster Skype und Co

Über diese Enttäuschung trösteten jedoch die anderen Möglichkeiten der U3-Technik hinweg: So ist etwa die populäre Internet-Telefoniesoftware Skype als portable Stiftvariante erhältlich und von Avast gibt es einen mobilen Virenschutz, mit dem sich auch fremde Rechner vor den digitalen Plagegeistern schützen lassen. Ebenso ist etwa von Maxthon ein mobiler Browser zu haben.

Eine andere Anwendung, die sich im Alltag schnell großer Beliebtheit erfreute, war die knapp 30 Dollar teure "SignupShield Suite" von Protecteer LLC. Sie ermöglicht das automatische Ausfüllen von Web-Formularen, so dass der Anwender nicht immer wieder die Anmeldeinformationen bei geschützten Web-Seiten neu eingeben muss. Dabei braucht der User keine Angst davor zu haben, dass diese Daten in falsche Hände geraten, wenn er den Stick einmal verliert: Das USB-Device verfügt über einen Passwortschutz, der den Zugriff nach einigen Fehleingaben sperrt.

Neben den angesprochenen Kritikpunkten fiel im Umgang mit dem U3-USB-Stick noch ein anderes Manko auf: Die Softwareauswahl für das mobile Arbeiten mit dem Device ist noch relativ gering, wie ein Blick auf das U3-Portal "software.U3. com" zeigt, denn auf dem Stift laufen nur solche Programme, die gemäß den U3-Spezifika- tionen entwickelt worden sind. Wer vorhandene Unternehmensapplikationen selbst anpassen will, findet auf den U3-Seiten ein kostenloses Software Developer Kit.

Testkandidat 2: Ceedo Personal

Zumindest auf der Web-Seite von Ceedo verspricht verspricht der zweite Testkandidat Ceedo Personal mehr. Vollmundig heißt es dort, dass der Anwender mit der 40-Dollar-Software unterwegs seine bevorzugten Programme in einer personalisierten Windows-Arbeitsumgebung nutzen könne. Der letzte Punkt trifft zu, wie ein Blick auf den Screenshot von Ceedo Personal zeigt: Die Oberfläche ähnelt stark dem Startmenü von Windows. Dagegen scheiterte der Versuch jämmerlich, den ersten Teil des Werbeversprechens in der Praxis umzusetzen. Bei der testweisen Installation von Outlook als unserer favorisierten Anwendung in der Ceedo-Arbeitsumgebung zerschoss es die originale Mail-Installation. Und Outlook war auch auf einem Gastrechner in der Ceedo-Umgebung nicht zu starten. Ebenso scheiterte Ceedo beim Import des Acrobat-Plug-in für Outlook an der Rechteverwaltung von Adobe.

Verwirrend ist zudem, dass Ceedo in seiner Taskbar auch Programme anzeigt, die lediglich direkt auf dem Rechner installiert sind. Dies erweckt den Anschein, die Anwendung sei in der Ceedo-Umgebung vorhanden. Das böse Erwachen erfolgt spätestens dann, wenn der Datenträger an einem anderen PC verwendet wird. Ist das Programm dort nicht installiert, fehlt das entsprechende Symbol, denn Ceedo hatte lediglich einen Link gesetzt. Letztlich ist der Anwender also wie bei U3 auf die Programme angewiesen, die ihm der Plattformhersteller über sein Portal offeriert. Dabei wendet sich das Programmangebot mit Filesharing-Tools, Instant Messenger, Video-Playern und Spielen eher an den Privatkundenmarkt. Hier finden sich auch Security-Lösungen, denn von Haus aus wartet Ceedo mit keinen integrierten Schutzmechanismen auf.

Hat der Benutzer eine ent- sprechende Ceedo-Applikation aufgerufen, so deutet oben rechts im Programmfenster ein kleines Symbol darauf hin, dass die Anwendung nicht nativ auf dem Desktop des Rechners läuft, sondern in der Ceedo-Umgebung.

Im Vergleich zur Konkurrenztechnik U3 ist die Ceedo-Plattform jedoch universeller einsetzbar. Sie kann mit jedem USB-fähigen Wechselmedium (etwa Festplatten oder Speicherkarten) genutzt werden - zumindest auf dem Papier. Die Praxis zeigt, dass der Gastrechner über eine schnelle USB-2-Schnittstelle verfügen sollte, ansonsten reagiert Ceedo quälend langsam. Ein Problem, das der USB-Stick von Extrememory nicht kennt. Mit dem Gerät, dessen Lesegeschwindigkeit mit 6 MB/s angegeben wird, lässt sich sowohl an USB-1- als auch an USB-2-Anschlüssen flott arbeiten.

Unbrauchbarer Ansatz

Aber auch die Vorzüge eines universellen Einsatzes können nicht über die Schwächen von Ceedo hinwegtäuschen. In ihrer der- zeitigen Form erwies sich die Plattform in unserem Test schlicht als unbrauchbar. Da- bei ist die Idee, auf einem Wechseldatenträger eine Windows-Umgebung nachzubilden, durchaus viel versprechend: Wer sich die Mühe macht, einen Ceedo-Datenträger mit dem Explorer zu durchsuchen, entdeckt nämlich, dass Ceedo versucht, die Windows-Umgebung des Arbeitsplatzes mit ihren Unterordner inklusive Systemordnern auf dem Speichermedium nachzubauen.

Eine Erklärung für unsere Probleme mit Ceedo könnte diese Simulation der Windows-Umgebung sein: Hierzu verwendet Ceedo die englischsprachigen Ordnerbezeichnungen, die sich von denen der deutschen Windows-Version unterscheiden. Allerdings ist auf den Web-Seiten des Herstellers kein Hinweis zu finden, dass die Plattform nur mit bestimmten Sprachversionen des Betriebssystems harmonisiert. Hier bleibt nur zu hoffen, dass der Hersteller noch kräftig nachbessert und seine zu hoch gegriffenen Werbeaussagen an die Realitäten anpasst.

Testkandidat 3: Carry it Easy

Der letzte Proband unseres Triumvirats, "Carry it Easy", ist gleich in zwei Varianten erhältlich: als normale Software und als spezielle U3-Version, wofür der Hersteller jeweils rund 20 Dollar berechnet. Im Gegensatz zu den beiden anderen Techniken positioniert Cososys seine Software jedoch nicht als virtuelle Arbeitsumgebung, sondern als reine Synchronisationslösung, die zusätzlich mit Features aufwartet wie einem Passwortschutz sowie das Browsen, ohne Spuren zu hinterlassen. Bei der Installation zeigte sich Carry it Easy allerdings nicht so flexibel wie Ceedo Personal, denn der Anwender muss die Applikation auf einen USB-Speicher-Stick installieren. Ferner wird die Autoplay-Funktion von Windows-XP nicht unterstützt, sondern der Anwender muss das Programm explizit aufrufen.

Gefährliche Synchronisation

Wie die U3-Lösung unterstützt Carry it Easy leider nur Outlook-Express und nicht das im professionellen Umfeld gebräuchlichere Outlook. Zudem muss der Mail-Client wie auch der Browser - hier arbeitet die Anwendung sowohl mit dem Internet Explorer als auch mit Firefox zusammen - auf dem Gast-PC installiert sein. Berücksichtigt der Benutzer diese Voraussetzung, so kann er auf fremden Rechnern durchaus surfen, ohne Spuren zu hinterlassen, und dabei auf seine eigenen Favoriten zurückgreifen.

Allerdings sollte er höllisch aufpassen, dass ihm eine Besonderheit des Programms nicht zum Verhängnis wird: die Option "Favoriten" entweder vom Speicher-Stick oder dem Host-Rechner zu löschen. In der Hektik unterwegs in einem Internet-Cafe kurz vor dem Abflug sind hier schnell die falschen Daten gelöscht - ein Punkt, der für die gesamte Carry-it-Easy-Umgebung gilt. So sehr es zu begrüßen ist, dass der User die Synchronisationsrichtung selbst auswählen kann, so schnell kann er damit womöglich Daten mit veralteten Informationen überschreiben. Punkten kann die Software bei der Synchronisation von Dateien. Hier ist der User in der Lage einzelne Unterverzeichnisse selbst auszuwählen. Dabei kommt auch die Sicherheit nicht zu kurz, denn Cososys hat entsprechende Mechanismen gleich integriert.

Carry it Easy als U3-Variante

Wenig Überraschendes bietet die U3-Variante der Software. Sie wartet mit den gleichen Funktionen wie ihr USB-Pendant auf. Der einzige Unterschied ist, dass die Software über das U3-Launchpad gestartet wird.