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16.08.1985 - 

Durch Chaos im Markt verschieben sich die Kundenwünsche:

User-Frust sorgt für Zulauf bei Rechenzentren

Durch die allgemeine Verunsicherung, vor allen Dingen im Mikrocomputer-Hardware- und -Software-Bereich bieten die Service-Rechenzentren neben der teilweise jahrzehntelangen Erfahrung eine für den individuellen Fall bedarfsgerechte Lösung. Günter Bröking* zeigt in seinem Beitrag verschiedene Möglichkeiten für die Nutzung des Angebots auf.

Viele kleine und mittlere Unternehmen nutzen mit Hilfe der Service-Rechenzentren die Datenverarbeitung, ohne in kostspielige Eigeninstallationen zu investieren.

Aber auch große Unternehmen haben zum Beispiel Teile wie die Personalabrechnung oder die Btx-Aktivitäten "ausgelagert".

Das reine Batch-Rechenzentrum mit Postversand von Datenträgern und Auswertungen kann heute wegen der langen Bearbeitungszeiten von drei bis vier Tagen keinen marktgerechten Service mehr bieten.

Durch die rasche Entwicklung der Hard- und Software entstand eine neue Art von DV-Service-Unternehmen. Der Begriff "Rechenzentrum"

beschreibt das Tätigkeitsfeld dieser Dienstleister nur unzureichend.

Das Angebotsspektrum, zumindest der großen Anbieter, umfaßt heute:

- Batch-Service (FIBU, LOHN, KOST...) mit intelligenten DE-Programmen und DFÜ-Möglichkeit,

- Online-Service (Rechner im Rechenzentrum, Terminals und Drucker beim Kunden)

- Mikro-/Minicomputer,

- Software für Mikros und Minis,

- horizontale und vertikale (Branchen-)Pakete,

- als Stand-alone- oder als Verbundlösung (Mikro-Maxi),

- Bildschirmtext (Btx),

- EDV-Zubehör,

- Wartung der Hardware und Software,

- Einarbeitung,

- Beratung

- und last not least "Service",

also die laufende Betreuung (auf Neudeutsch hand-holding) in Form von Telefon-Beratung (Hot-Line-Service) und Vor-Ort-Betreuung.

Gerade zum Thema Service steht diese Partnerschaft im krassen Gegensatz zu den derzeitigen Praktiken auf dem Mikro-Markt. Der Mikrocomputer im RZ-Einsatz hat sich quasi zu einem "Mehrzweck-Computer" entwickelt.

Neben der "Steigbügel-Funktion" nämlich einem kostengünstigen Einstieg in die Datenverarbeitung, liefern die Service-Rechenzentren je nach betriebsbedingter Situation dezentrale Datenverarbeitung (Mikro -Maxi) bis hin zu Inhouse-Lösungen.

Hier besteht auch die Möglichkeit, daß der Anwender zum Beispiel bei Btx-Applikationen die Anwendung zuerst im Service-Rechenzentrum "fährt" und anschließend das Programm auf die eigene Anlage im Haus übernimmt.

Service-RZ wird zum Problemlöser

Durch die Vielzahl der sich immer rascher verändernden Datenspeicher-Medien gerät der Anwender nicht selten unversehens in die Situation, die Konvertierung von einem auf das andere Medium wegen des fehlenden Equipments beziehungsweise Know-hows nicht mehr vornehmen zu können.

Als Möglichkeit bietet sich hier ein Service-Rechenzentrum als Problemlöser an. Durch eine lange Erfahrung und die maschinelle Ausrüstung stellt sich hier für die Dienstleister im Normalfall kein Problem, egal, ob der Kunde seine Daten von

- 5 - 8-Kanal-Lochstreifen,

- ECMA- oder 3M-Cartridge-Kassetten,

- Magnetbändern mit ASCII-, ISO- oder EBCDIC-Aufzeichnung,

- 2 - 4-Kolonnen-Journalstreifen,

- CP/M- oder DOS-Disketten 5 1/4 Zoll oder 8 Zoll,

- Lochkarten

oder aber übers Telefon hin- und herkonvertiert haben möchte.

Der Kunde hat dadurch die Chance, seine Probleme mit dem Datenfluß zwischen nicht-kompatiblen Rechnern, Telefonanlagen, Erfassungsgeräten, Mikros und Mainframes zu lösen.

Der Anwender spart viel Geld, weil keine spezielle Konvertierungshardware und Software benötigt wird, deren Anschaffung sich im Regelfall wegen des geringen Datenvolumens nicht lohnt. Das gilt übrigens ebenfalls für eine Partnerschaft in der Übergangsphase einer DV-Umorganisation.

Das Angebot der Dienstleister auf dem Gebiet der Datensammlung umfaßt die Daten-Konvertierung, Daten-Sammlung, 24-Stunden-Verfügbarkeit, System-SW-Know-how, Speicher-/Druckkapazität und die Datenerfassung.

"Das Aus für viele Lohn- und Gehaltsabrechnungssysteme" - so stand es Ende 1983 in den Zeitungen zu lesen, als die Einzelheiten der gesetzlichen Änderungen bekannt wurden, vom Bundesfinanzministerium und vom Bundesarbeitsministerium in Bonn vorbereitet.

Dies bedeutete das "Aus" vor allen Dingen für ältere oder kleinere, also sparsam angelegte Abrechnungssysteme. Von besonderer Bedeutung sind die Rückrechnung aufs alte Jahr und vor allen Dingen die "März-Klausel".

Für das Jahr 1986 stehen unter anderem folgende Änderungen "ins Haus":

- neuer Steuertarif,

- Zählkinderproblematik,

- Änderung der Schlechtwettergeld/Kurzarbeitergeld-Regelung,

- Änderung der Urlaubsabgeltung,

- Mutterschaftsumlage,

- Änderung der Lohnfortzahlungsumlage,

- Info-Listen für den Betriebsrat.

So werden Jahr für Jahr oft gravierende Änderungen eingeführt, die nicht gerade "EDV-freundlich" sind.

Bei den Unternehmen treten verschiedene Probleme bei der Realisierung auf, so fehlende Programmierkapazität, Termindruck, fehlende

Speicherkapazität oder auch eine unmögliche, Aufstockung von Speicherkapazitäten. Erschwerend tritt hinzu, daß die Programmstruktur die Einfügung der komplexen Änderungen nicht mehr zuläßt, hohe Investitionskosten anfallen, mangelnde Detailinformationen durch den Gesetzgeber und Analyse-Probleme aufgedeckt werden und Änderungen zu erwarten sind. Im Service-Rechenzentrum werden diese Änderungen und Sonderwünsche der Kunden routinemäßig und zeitnah erledigt.

Außerdem lassen viele Anwender nicht zuletzt wegen der Vertraulichkeit ihre Personalabrechnungen, zur Vermeidung von kritischen Spitzenbelastungen und wegen der laufenden Betreuung "außer Haus rechnen".

Parallel mit der Ausweitung des Marktvolumens, insbesondere bei der Mikrocomputer-Software hat nicht nur bei der Hardware, sondern auch bei der Software ein Preisverfall eingesetzt.

Der Zielmarkt für Mikrocomputer-Software erfordert ein "Umdenken" bei der Erstellung und Vermarktung der Programme. Hieraus ergeben

sich als Konsequenzen für die SW-Anbieter ein hohes Maß an Synergie im Rahmen der Produktentwicklung, neue Maßstäbe in der SW-Qualität, neue Konzepte für: Dokumentation, Ausbildung und Betreuung der Kunden und neue Vermarktungskonzepte.

Verstärkt dringen Rechenzentren auf diesen Markt, denn er ist seit vielen Jahren ihr Zielmarkt. Wie schon bei den Rechenzentrums-Programmen werden bei der Entwicklung der Software deutliche Schwerpunkte auf die Parametrisierung gelegt.

Dadurch ist es gelungen, mit Standardprogrammen eine Vielzahl von Anwenderwünschen zu erfüllen. So werden zum Beispiel Fremdwährungen, die Rabatt- und Provisionsermittlung, Zahlungskonditionen, Lagerbewegungsarten und viele Punkte mehr individuell parametrisiert.

Seit in Berlin und Düsseldorf die Feldversuche liefen, haben sich Service-Rechenzentren mit dem neuen Medium Btx beschäftigt, um es für ihre Kunden nutzbar zu machen.

Der Btx-Rechnerverbund ist eine Verbindung zwischen Btx-Terminals und Großrechnern zum Zwecke der Kommunikation. Das hat den Vorteil der preiswerten Nutzung von Terminals und Modems. Die Verbindung zur Btx-Zentrale wird im Normalfall zum Ortstarif abgerechnet.

Das setzt voraus, daß der Großrechner hard- und softwaremäßig vorbereitet wird, was häufig recht teuer ist und oft eine Umstellung auf einen anderen Computer notwendig macht.

Rechenzentren bieten in diesem Spezialgebiet Know-how und funktionierende Hard- und Software, deren hohe Kosten wie bei den anderen RZ-Leistungen von mehreren Anwendern gemeinsam getragen werden.

Der Btx-Rechnerverbund ist durch eine Partnerschaft mit Service-Rechenzentren preiswert und schnell zu realisieren.

Hinzu kommt hier der Vorteil, daß die erstellten Programme später auf die eigene Anlage übernommen werden können.

Die Entwicklung der nächsten Jahre wird dazu führen, daß sich die Service-Rechenzentren neben der Umstellung der Batch-Programme auf Online-(Dialog-)Systeme verstärkt auch in den Bereichen Systemhaus (Lieferung von schlüsselfertigen Systemen) und Softwarehaus profilieren.

Hieraus ergeben sich neue Betätigungsfelder, vor allem in den Bereichen CAD/CAM, Datenbank-Service, Btx, Facilities Management und Software für Mikros.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß für diese Branche die große Chance besteht, ihre Rolle als Dienstleister und Beratungsunternehmen weiter auszubauen. Der Markt verlangt nach diesen Leistungen.

*Günter Bröking, Bereichsleiter Marketing im Rhein-Main Rechenzentrum (RM), Frankfurt.

Vorteile eines Mikro-Maxi-Service

Groß-Computer und deren Betriebssysteme sind aufgrund ihrer Architektur gut für Batch-Aufgaben geeignet.

Minis und Mikros waren jedoch von Beginn an für die Dialog-Verarbeitung konzipiert.

Die Kombination der Vorteile ist also eine sinnvolle und gut funktionierende Lösung:

- Interne EDV (Mikro-/Minicomputer) für zeitkritische und interaktive, im Dialog zu lösende Aufgaben wie: Intelligente Datenerfassung und DFÜ-Anschluß Auftragsbearbeitung, Lagerverwaltung, Kontokorrent, Buchhaltung, Textverarbeitung etc.

- Externe EDV (Groß-RZ) für monatlich anfallende Arbeiten und "stapelfähige" Massendaten wie: Lohn- und Gehaltsabrechnung, Kostenregelung, Sachbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Berichtswesen etc.

Die monatlich zu verarbeitenden Daten würden den Mikro/Mini stark belasten und ihn für Dialog-Anwendungen stark blockieren.

Außerdem überfordern die vielen Auswertungs-Listen (Sonderproblem: Formularwechsel) auch den relativ langsamen Matrixdrucker. Die Speicher (Disketten und Winchesterplatten) reichen oft nicht aus, um Bestands- und Bewegungsdaten über einer längeren Zeitraum zu speichern.