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20.06.1986 - 

Rasante Produktentwicklung überfordert DV-Spezialisten, Endbenutzer und Topmanager:

User machen High-Tech-Zirkus nicht mehr mit

MÜNCHEN (ih) - In England gehen die DV-Investitionen drastisch zurück. Zwar weisen bundesdeutsche Branchenkenner darauf hin, daß die "britischen Verhältnisse" auf den hiesigen Markt nicht übertragbar seien. Doch gäbe es auch hierzulande die ersten Anzeichen für eine sinkende Investitionsbereitschaft.

Das DV-Budget auf der britischen Insel wird 1986 um mehr als 14 Prozent auf 1,2 Millionen Pfund (3,9 Millionen Mark) sinken. Noch im Jahr zuvor hatte es nach einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Price Waterhouse eine Steigerung von 1,4 Prozent gegeben. Dieser drastische Rückgang, so betonen die englischen Marktforscher, lasse sich aber nicht auf die sinkenden Hardwarepreise zurückführen. Auslösende Faktoren sind ihrer Meinung nach vielmehr

- die immer komplexer werdenden Technikentwicklungen die das Know-how vieler DV-Mitarbeiter überforderten sowie

- das gewachsene DV-Wissen der Geschäftsführungen und Vorstände. Dies führe in den Managementetagen dazu, daß den DV-Verantwortlichen die geforderten Finanzmittel nicht mehr wie früher uneingeschränkt zur Verfügung gestellt würden.

Wolken am Horizont

Daß die englischen Verhältnisse auch auf den bundesdeutschen DV-Markt übergreifen könnten, hält Gonzalo Lopez-Diaz vom Beratungsunternehmen Roland Berger & Partner in München für wenig wahrscheinlich. Gleichzeitig warnt der Senior-Berater des Fachbereichs Strategie und Marketing, daß auch hierzulande die ersten Anzeichen für Investitionszurückhaltung erkennbar sind. Hauptursache hierfür sei vor allem die Unsicherheit, die zur Zeit auf dem DV-Markt (einschließlich Tele- und Bürokommunikation) herrsche.

Die DV-Szene, kommentiert der Münchener Berater, wird stark durch technische Innovationen und Entwicklungen dominiert. Deshalb stünden Investitionen, die ja in der Regel einen eher langfristigen Charakter haben, auf tönernen Füßen. Die Anwender kämpften mit Fragen wie "Soll ich mir LAN (Local Area Network) zulegen oder lieber warten, bis sich ISDN (Integrated Services Digital Network) durchgesetzt hat?". Verunsicherung herrsche aber auch, wenn es um die Einführung von Bildschirmtext oder den Bereich multifunktionaler Arbeitsplatz ginge.

Zudem ist der Innovationszyklus inzwischen so kurz geworden, daß sich Investitionen nicht mehr amortisieren können, erklärt Lopez. Der DV-Verantwortliche laufe immer mehr Gefahr, sich vor seinem Management dafür verantworten zu müssen, vor einem Jahr eine Investition getätigt zu haben, die jetzt bereits wieder obsolet geworden sei. Um diesem Risiko aus dem Weg zu gehen, verhalte er sich lieber abwartend.

In punkto sinkender Investitionsbereitschaft schieben die bundesdeutschen DV-Leiter den Herstellern den schwarzen Peter zu. Schließlich würden ihnen die Anbieter mit ihren immer neuen und "angeblich fertigen" Produkten und Problemlösungen das Leben schwer machen. So klagt Uwe Neveling, Abteilungsleiter DBU bei den Nova-Versicherungen: "Während der Anwender zur Zeit noch Problembewußtsein entwickelt, liefert der Hersteller bereits seiner Meinung nach fertige Lösungen. Die Planungen für die Zukunft müssen sich aber ausschließlich nach den Bedürfnissen der Benutzer richten. "

Eine weitere Hemmschwelle sieht der Hamburger DV-Profi darin, daß zu erwartende Veränderungen der Ablauforganisation nicht konkret genannt werden. Vielfach werde auch die individuelle DV als Eintrittskarte für die Zukunft bezeichnet. Schimpft Neveling: "Schlagworte wie das Zusammenwachsen von Text Daten, Bild und Sprache sind in diesem Zusammenhang wenig hilfreich." Solange die Anfangsinvestitionen nicht einer konkreten Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden könnten, würde jedes Unternehmen zurückhaltend operieren. Nur wenige Firmen seien hier zu Experimenten bereit.

Daß sich jedoch, ähnlich wie auf der britischen Insel, die hiesigen Vorstände und Geschäftsführungen in die Probleme und Anforderungen der Datenverarbeitung eindenken und DV-Investitionen zurückhaltender genehmigen, können sich bundesdeutsche Anwender nicht vorstellen. Bekräftigt Lopez-Diaz: "Topmanager mögen sich in den USA und auch in England mit der DV-Thematik auseinandersetzen, hierzulande sind sie allein aus kulturellen Gründen noch nicht dazu bereit." Noch ein Stück weiter gehen die DV-Verantwortlichen: Die Geschäftsführung, so der Tenor, will in den meisten Fällen mit dem "Teufelskram" nichts zu tun haben.