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26.11.1999 - 

Novell hebt Lizenzkosten für große Netze deutlich an

User nehmen Preiserhöhung für Netware verärgert in Kauf

MÜNCHEN (jha) - Mit den Netware Directory Services (NDS) und Netware 5.0 hat Novell nach dem Schlingerkurs der letzten Jahre bei seinen Kunden viel Kredit zurückgewonnen. Beide Produkte laufen stabil und performant, den Funktionsumfang quittieren die Anwender mit Anerkennung. In diese heile Welt platzt Novell nun mit erheblichen Preiserhöhungen. Die Anwender reagieren darauf zwar teils verärgert, wollen dem Abieter aber weiterhin treu bleiben.

Die seit dem 1. November gültigen Preise treffen vor allem Unternehmen, die große Lizenznehmer für Netware-Clients sind. Dort langt Novell kräftig zu, und zwar unabhängig vom Betriebssystem (siehe Tabelle). Vor allem der Preis für die älteste Version der Novell-Netz.-Betriebssysteme - Netware 3.x - steigt über die Maßen. Das Signal ist unmißverständlich: Novell möchte die Kunden zum Umstieg auf die neueren, NDS-tauglichen Versionen bewegen (siehe CW 45/99, Seite 1: "Novell drängt seinen Kunden Netware 5 auf"). Anwender, so die Quintessenz dieser Taktik, sollen die NDS ins Zentrum der heterogenen Netzwerke rücken.

Technisch gibt es durchaus Sinn, in großen Netzen mit unterschiedlichen Betriebssystemen die NDS einzusetzen. Novells Flaggschiff glänzt mit der Administration von IT-Umgebungen über Betriebssystem-Grenzen hinweg. Die zentrale Ablage von Konfigurations- und Anwenderdaten sowie Zugriffsrechten wird von den Anwendern dankend angenommen. Als Tüpfelchen aufs i wird Novell in der nächsten Version einen Verzeichnisdienst ausliefern, der auch in Umgebungen ohne einen Netware-Server läuft. "Die NDS entwickeln sich zu einem Betriebssystem-unabhängigen Verzeichnisdienst", lobt Stefan Mund, Netzadministrator bei der Ostfriesischen Teegesellschaft, Seevetal, das Produkt.

Die NDS, das gibt auch der Anbieter selbst unumwunden zu, sind mittlerweile seine Eintrittskarte in die IT-Projekte. "In die Unternehmen gelangt Novell heute nicht über Netware, sondern mit Hilfe seiner Verzeichnisdienste", bestätigt Christoph Riedner, zuständig für den Vertrieb bei der Net''s go AG, München, einem Netz- und IT-Dienstleister, der kürzlich aus der Fusion der Unternehmen 4-Net und Apex Networks entstanden ist. "In der Folge kann sich Novell auch mit Netware empfehlen, weil die NDS einfach besser zu seinem hauseigenen Betriebssystem passen."

Dennoch wollen sich die Netzwerker mit der im Vergleich zu Windows NT und Unix schwachen Marktposition der Netware-Ausführungen keineswegs abfinden (siehe Tabelle auf der nächsten Seite). Dazu Michael Naunheim, Marketing-Manager in der Düsseldorfer Deutschland-Zentrale von Novell: "Unser Ziel ist es, Netware zur bevorzugten Plattform für Internet-Applikationen zu machen. Die NDS eröffnen uns neue Chancen, den Fuß wieder in Projekte zu bekommen, in denen Netware in der Vergangenheit keine Rolle mehr spielte."

Angesichts dieses ehrgeizigen Vorhabens verwundert es nicht, daß Naunheim den nun angekündigten Preiserhöhungen keine übermäßige Bedeutung zumißt. In großen Projekten, so seine Argumentation, schlagen die Lizenzkosten allenfalls mit fünf Prozent zu Buche.

"Das gleiche sagen die Hardwareverkäufer auch. Aber hier mal fünf Prozent und dort mal fünf Prozent heißt, daß die Projektkosten in der Summe dann doch deutlich steigen", schimpft ein mit diesem Argument konfrontierter Anwender aus einem norddeutschen Steuerberatungsunternehmen. Für das Frühjahr 2000 ist in dessen Niederlassungen der Umstieg von Netware 3.12 auf Netware 5 geplant. Sollten die neuen Listenpreise das Kostenbudget sprengen, ist jedoch eine Neuorientierung denkbar. Als Alternative komme leider nur Windows NT in Frage, so der Manager: "Für mich als DV-Fachmann ist die Funktionalität ausschlaggebend, und die spricht für Netware. Hinter mir steht allerdings der Chef, der das Budget verantwortet. Zwischen diesen Positionen müssen wir einen Kompromiß finden."

Novell verlangt seinen Kunden einiges an Loyalität ab, kann sich das aber erlauben, weil die Produkte derzeit keinen Vergleich scheuen müssen. Zwar ist Windows NT in der Anschaffung billiger, doch die Folge- und damit verbundenen Hardwarekosten rücken den Vergleich in ein anderes Licht. Dennoch: "Die Preiserhöhungen können nur denjenigen kalt lassen, der im finanziellen Bereich aus dem vollen schöpft", kommentiert Mund die neuen Lizenzkosten.

Der Netzadministrator aus dem ostfriesischen Seevetal ist nicht unmittelbar betroffen, weil in seinem Netz mit insgesamt sieben Standorten und 400 Knoten bereits die neueste Netware-Version läuft. Zahlen muß er erst, wenn weitere Lizenzen hinzugekauft werden. Das wird jedoch für ihn kein Grund sein, um Novell den Rücken zu kehren.

Der Version 5.0 von Netware zollt er Anerkennung, weil sie genau die Funktionen liefere, die sein Netz benötigt. Vor allem hat Mund die Vorteile der NDS schätzen gelernt. Insbesondere die zentrale Verwaltung und die Zugangsmöglichkeit der Anwender in eine heterogene IT mit einmaligen Log-on sind "für den Administrator eine angenehme Sache."

Nicht nur aufgrund des derzeit guten Images kann es sich Novell erlauben, die Listenpreise hochzuschrauben, ohne großen Schaden zu nehmen. Mildernd wirkt sich zudem aus, daß große Unternehmen aufgrund relativ günstiger Lizenzverträge mit dem Anbieter oder seinen Resellern selten den offiziellen Preis zahlen. Die Kosten für kleine Installationen hat Novell nicht oder kaum angetastet.

Der übermäßige Anstieg der Preise für die Netware-3.2-Version stößt zumindest bei den Resellern auf Verständnis. Novell ist vermutlich der letzte Softwarehersteller, der mit Netware 3.2, 4.2 und 5 noch drei Versionen eines Produkts im Portfolio führt. Reseller, Systemintegratoren und der Anbieter selbst müssen also Know-how und Ressourcen für drei Ausführungen unterhalten. Aus dieser Sicht ist es verständlich, wenn die Verkäuferseite die Migration auf neuere Versionen forciert, und sei es über die Kosten.

Dennoch wollen Novells Migrationsempfehlung nicht alle Anwender folgen. Vor allem für kleinere Unternehmen mit Netware-3.X-Installationen besteht keine Notwendigkeit zu einem Wechsel, denn ihre Netze laufen meistens stabil. Das alte Novell-Protokoll SPX/IPX zeigt in kleineren Netzen gute Leistungsdaten, für eine Migration auf das in Netware 5 integrierte Internet Protocol (IP) ist daher oftmals nicht ratsam.

Zudem ist die Installation der Verzeichnisdienste, die standardmäßig mit Netware 5 ausgeliefert werden, kein Kinderspiel. Systemadministratoren kleinerer Unternehmen, die oftmals die gesamte IT-Landschaft allein verwalten, wären von einer Einführung ohne externe Hilfe überfordert. Berater und Dienstleister hinzuzuziehen ist teuer und relativiert somit die günstigen Lizenzkosten für Netware 5 oder dessen Small-Business-Variante.

So lautet auch der Appell von Netzadministrator Mund an den Anbieter, die Preise zu senken, statt sie zu erhöhen. "Ein souveränes Vorgehen wäre es, wenn Novell vor allem den kleinen Unternehmen ein günstiges Upgrade auf Netware 5 und dazu einen kostenlosen Hotline-Service anbieten würde", rät Mund dem Hersteller. Novell habe ein gelungenes Produkt herausgebracht, nun müsse man den Anwendern die Möglichkeit bieten, sich der jüngsten Version ohne Bedenken und vor allem ohne große Kosten zu nähern.