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10.07.1987 - 

DV-technisches Umfeld nicht außer acht lassen:

User und Entwickler müssen an einem Strang ziehen

Sprachen der vierten Generation allein optimieren den Bereich der Anwendungsentwicklung und -pflege noch nicht. Nur wenn Anwender und Programmierer in einem DV-technischen Umfeld zusammenwirken, wird sich beim Leistungsumfang des Systems eine wirkliche Steigerung verzeichnen lassen, meint Werner Kugler*.

Der, Hauptaufwand der Anwendungsentwicklung mit traditionellen Programmiersprachen liegt beim Kodieren und Testen. Eine Sprache der vierten Generation muß den Bereich der Anwendungsentwicklung optimieren und den Aufwand dafür minimieren. Bei der Auswahl einer 4GL ist es weniger wichtig, wie diese das Ziel erreicht, sondern daß dies im größtmöglichen Umfang geschieht.

Folgende Bedingungen sollte eine Sprache der vierten Generation erfüllen:

- sekundenschnelles Wechseln zwischen Kodierung und Test,

- eigenes, offenes Data Dictionary oder eine Schnittstelle zu einem neutralem DD,

- leistungsfähiger Debugger,

- Schnittstellen zu anderen Programmiersprachen,

- modulare Struktur mit selbständigen Dokumentationsfunktionen,

- optimierte Speichererweiterungsmethode,

- eigenes, "offenes" Online-Spooling oder Schnittstelle zu neutralem Spooling-System,

- full Screen Editor mit vollem Funktionsumfang,

- frei wählbare Bedienerführung,

- Simulations-Umfeld für Tests,

- Online-Hilfsfunktionen,

- Masken-Generator für Bildschirm und Drucker,

- Erstellung von Batch-orientierten Anwendungen.

System-Unabhängigkeit sollte gewahrt bleiben

Entscheidend für die Auswahl eines 4GL-Tools sollte immer das gegenwärtige beziehungsweise das geplante DV-technische Umfeld sein.

Den größten Wert innerhalb der DV stellt immer die Anwendungssoftware und die in sie getätigten Investitionen dar. Deshalb muß an eine Sprache der vierten Generation, wie an alle Programmiersprachen, die klare Forderung nach Unabhängigkeit von DB/DC-Systemen, Betriebssystemen und Hardware gestellt werden. Alle 4GL-Tools, die nur mit bestimmten DB-Systemen laufen, sind nicht zukunftssicher oder führen zur Doppelspeicherung von Daten. Es widerspricht der Logik jeder Programmiersprache, nur mit Daten einer Speicherungsform arbeiten zu können. Dies schließt im Einzelfall den Einsatz eines kombinierten DB/4GL-Produkts nicht aus. Ob dies bei einer über Jahre gewachsenen DV in der Praxis realisierbar ist, muß sehr genau geprüft werden.

Produkte, die das Handling mit traditionellen Programmiersprachen vereinfachen, können nicht als 4GL bezeichnet werden. Sie heben die Mängel dieser Sprachen nur in Teilbereichen auf. Einer der wesentlichen Nachteile - zu viele Statements für zuwenig Funktionen - wird dadurch nicht behoben. Dies gilt in besonderem Maße für die Pflege und Weiterentwicklung von Programmen.

Einige Anbieter behaupten von ihrer 4GL, daß sie sowohl für die Programmierung als auch für den Anwender einsetzbar sei. Dieser Aussage sollte man sehr skeptisch gegenüberstehen. Entweder ist der Funktionsumfang für die Programmierung nicht ausreichend oder das Handling für die Anwender zu aufwendig. Für den Anwender ist eine Query oder Formuliersprache das richtige Werkzeug. Diese muß voll in der entsprechenden Landessprache gehalten und mit Begriffen der Umgangssprache zu bedienen sein.

Die starke Verbreitung von Personal Computern hat zu einem großen und vom Funktionsumfang wesentlich besseren Angebot von Programmiersprachen geführt. Diese haben teilweise einen wesentlichen Nachteil, der seinen Grund im PC selbst hat: Diese Rechner sind für Einplatz-Systeme ausgelegt. Wegen der Vorteile des PC als Workstation für die Programmierung ist es eine unabdingbare Forderung an alle 4GL-Produkte, mit identischer Benutzeroberfläche und gleichem Funktionsumfang sowohl auf dem PC als auch auf Host-Systemen lauffähig zu sein. Einige Anbieter haben dies rechtzeitig erkannt und bieten entsprechende Systeme an.

Der größere Leistungsumfang von Sprache der vierten Generation führt natürlich zu einer stärkeren Belastung des DV-Systems. Dem kann durch den gezielten Einsatz von systemnaher Software und entsprechender peripherer Hardware gegengesteuert werden. Viele DV-Verantwortliche wissen leider heute noch nicht, wie intensiv die einzelnen Resourcen genutzt werden. Ein Accounting-System kann die entsprechende Klarheit bringen. Auf dieser Basis läßt sich die optimale Nutzung des gesamten DV-Systems und speziell der effiziente Einsatz einer 4GL erreichen. Für intensiv genutzte System- und Anwendungsdaten können Schnellspeicher-Systeme eingesetzt werden. Spezielle 4GL-Produkte für das Handling der Rechner (Systemprogrammierung, Jobsteuerung) vergrößern die Flexibilität. Dies alles führt sowohl zu einer längeren Nutzung der aktuellen Hardware als auch zu einer früheren Erkennung von Mehrbedarf.

Ein wesentlicher Punkt für den effizienten Einsatz eines 4GL-Tools ist die volle Akzeptanz durch alle davon betroffenen Mitarbeiter. Eine rechtzeitige und umfangreiche Information ist dringend zu empfehlen. Die Einbeziehung von möglichst vielen Mitarbeitern (abhängig von Größe und Organisation der DV) bei der Produktauswahl ist ein wesentliches Mittel der Motivation, das in Verbindung mit einer auf die Möglichkeiten der 4GL ausgerichteten DV-internen Umstellung der Arbeitsweise und Organisation zum effizienten Einsatz dieses, Werkzeuges führt.

Unzureichende Ausbildung wirkt als Erfolgsbremse

Die von den 4GL-Anbietern genannten Faktoren der Leistungssteigerung gegenüber traditionellen Programmiersprachen sind in der Praxis oft nicht im vollen Umfang zu erreichen. Die Gründe dafür liegen zum Beispiel im DV-technischen Umfeld oder bei unzureichender Ausbildung. Auch die fehlende Akzeptanz und der halbherzige Einsatz der 4GL können dazu führen. Wenn das System nur für kleinere Anwendungen und als Ergänzung zu bisherigen Programmiersprachen eingesetzt wird, kann dies zur Spielerei führen. Der volle Nutzen wird nur durch den konsequenten Einsatz bei allen Neuentwicklungen erreicht. Der Aufwand der Neuprogrammierung in einer 4GL ist oft geringer als eine Änderung in der bisherigen Programmiersprache. Der größte Nutzen einer Sprache der vierten Generation liegt in dem wesentlich kleinerem Aufwand bei Änderungen und Erweiterungen von bestehenden 4GL-Anwendungen. Da die Weiterentwicklung bestehender Anwendungen der Hauptaufwand mit dem zeitintensivsten Personaleinsatz ist, kann nur zum schnellstmöglichen, konsequenten Einsatz einer 4GL geraten werden.

Jedem, der schon mit gekaufter Standard-Software gearbeitet hat, sind ihre Vor- und Nachteile bekannt. Der Vorteil der schnellen Realisierung entsprechend den unternehmensspezifischen Anforderungen wird oft durch den Aufwand für die Weiterentwicklung wieder egalisiert. Der Bedarf an Ressourcen ist, bedingt durch eine universelle Auslegung, wesentlich größer als bei Eigenentwicklungen und erfordert eine frühere Erweiterung der Hardware-Kapazität. Unzulänglichkeiten von Produkten bestimmter Hardware-Hersteller, an deren Pflege sich schon Legionen von Software-Häusern "gesund"-verdient haben, sind den Insidern des Marktes hinlänglich bekannt und für die direkt Betroffenen ein ständiges Ärgernis. Ein Weg aus dieser Misere kann die Entscheidung für den konsequenten Einsatz einer 4GL sein.

Der Leistungsumfang einer 4GL und ihre richtige Nutzung ermöglichen den kompletten oder teilweisen Einsatz von gekaufter Standard-Software oder eine kostengünstigere Weiterentwicklung. In welchem Grad der Austausch von Standard-Software oder ihre Ergänzung durch den Einsatz einer 4GL-Tools sinnvoll ist, hängt von der Qualität und vom Anwendungsbereich der Standard-Software ab. Statische Anwendungen, die nur geringen Modifikationen unterliegen, und über Jahre ausgereifte, zur vollen Zufriedenheit der Anwender laufende Programme sind bestimmt kein lohnender Ansatzpunkt. Software, die dem Bedarf einer dynamischen, expansiven Fertigung gerecht werden muß, erfordert auch den Einsatz entsprechend effizienter Werkzeuge. Bei Anwendungen dieser Art ist der Schwerpunkt des Einsatzes von 4GL-Systemen zu sehen - besonders als Ersatz für unflexible, schwerfällige Standard-Software.

Enge Herstellerverbindung blockt Zukunftschancen

Alle derzeit auf dem Markt verfügbaren 4GL-Produkte unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Die Möglichkeit der praxisbezogenen Beeinflussung durch die Anwender sollte durch alle Anbieter geboten werden. Eine zukunftssichere 4GL kann nur als "Offenes System" ausgelegt sein. Abschottung durch Bindung an bestimmte Hard- und Softwarekomponenten ist wegen der ständig steigenden Aufgabenstellung für alle Bereiche eines Unternehmens, die durch Produkte eines einzigen Anbieters nicht mehr abgedeckt werden können, nicht akzeptabel. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung wird dadurch gefährdet. Produktankündigungen der letzten Monate, die mehr auf Abschottung ausgelegt sind, unterstreichen die Notwendigkeit, mehr Hardware-neutrale Software einzusetzen. Dies gilt auch für den Einsatz von Mixed Hardware. Größerer Leistungsumfang, Kostensenkung und Flexibilität sollten langsam dem letzten Hersteller-treuen DV-Verantwortlichen die Scheu davor nehmen.

Anwender denken meist zu Hardware-bezogen

Es ist ein erstaunliches Phänomen, daß viele DV-Verantwortliche zwar so schnell wie möglich die neueste Hardware wollen, aber bei neuen Verfahrenstechniken, die zu einer Änderung der DV-internen Organisation führen, sehr zurückhaltend sind. Kapazitätsengpässe werden meist durch Hardware-Erweiterungen abgefangen. Der Einsatz effizienter Software - sowohl für das Systemumfeld als auch für die Anwendungsentwicklung - wird immer noch in zu geringem Umfang praktiziert.

Die Scheu, Softwareprodukte von anderen Anbietern als dem Lieferanten des Host-Rechners einzusetzen, ist manchmal nur durch blindes, alle Chancen des Marktes ignorierendes Vertrauen in die Produktpolitik dieses einen Herstellers zu erklären. Während den Anwendern ständig Änderungen aufgrund dieser Produktpolitik zugemutet werden, wird teilweise im eigenen Hause noch wie vor zehn Jahren gearbeitet. Der Wandel der DV-Abteilung zum Geschäftsbereich Informationssysteme und die damit verbundene wesentliche Erweiterung der Aufgabenstellung sollte alle Verantwortlichen eines Unternehmens, einschließlich der Geschäftsleitung, zu einer mehr marktorientierten Einstellung bewegen. Unternehmensumfassende DV-technische Lösungen können nicht, oder nur durch Preisgabe wesentlicher Zielsetzungen, mit den Produkten eines Anbiters realisiert werden. Investitions- und Folgekosten sind, neben der größeren Flexibilität bei zukünftigen Erweiterungen, ein weiteres Argument dafür.

Effizienter SW-Einsatz sichert Investitionen

Der Einsatz einer von Hardware und System-Software unabhängigen 4GL ist - bei ausreichender und rechtzeitiger Mitarbeiterschulung und entsprechender Umfeld-Organisation - der richtige Schritt zur Verminderung des Engpasses in der Anwendungsentwicklung und -pflege. Auch die Systemprogrammierung und das RZ-Personal können durch entsprechende 4GLs wesentlich entlastet werden. Entscheidend für die Zukunftssicherheit der Investitionen in eine Sprache der vierten Generation ist ihre Unabhängigkeit von einem bestimmten DV-technischen Umfeld. Nur offene, Hardware-neutrale Produkte gewährleisten eine langfristige Nutzung und rechtfertigen die Anschaffungs- und Nutzungskosten.