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02.09.1988 - 

PS2-Problem - Netzwerkspezialisten befürchten Rückfall in Proprietary-Zeit

User wehren sich gegen Teilung des PC-Marktes

FRAMINGHAM (IDG) - Viele Netzwerk-Planer in den USA sehen sich bei der zukünftigen Ausrichtung ihrer LAN-Strategie,in einem Dilemma: Die Flut neuer Hard- und Softwareentwicklungen im PC-Bereich, insbesondere IBMs OS/2-Politik, hat zu starker Verunsicherung unter den Anwendern geführt.

"Der PC-Markt ist momentan ein einziges Durcheinander", klagt der Manager für Technik-Beratung einer Bank an der Westküste, der nicht genannt werden möchte. Mit der Einführung der PS/2-Familie, vor allem aber mit der Vielzahl der OS/2-Versionen sei es IBM offenkundig gelungen, den bis dato offenen PC-Markt zu spalten. Da OS/2 mindestens Mikroprozessoren vom Typ 80286 erfordert, der überwiegende Teil der US-Anwender jedoch in der Regel über PCs auf 8086- beziehungsweise 8088-Basis verfügt, müßten alle diese Rechner ersetzt oder ausgetauscht werden, um das neue Betriebssystem überhaupt nutzen zu können. Zusätzlich müßten selbst PCs mit dem "richtigen" Mikroprozessor für OS/2 mit bedeutend mehr Speicherplatz ausgerüstet werden. "Die Kosten hierfür", bemerkt der Bank-Manager, "können nicht genau festgelegt werden."

Viele Manager sind auch über die Entscheidung der IBM besorgt, aus PS/2 ein "hauseigenes" System zu machen. PS/2 ist "das Ende des Standard-PCs", stellt Tony Wilkinson fest, bei der Security Title Insurance Co. im kalifornischen Panorama City verantwortlich für Sonderprojekte im Bereich kleiner Systeme. "In meinen Augen ist PS/2 mit den Systemen /23 und /36 vergleichbar -es wird sich gut verkaufen lassen, ist jedoch eine geschlossene Lösung. PS/2 ist so ausgelegt, daß es für die DV-Abteilung gekauft und - um deren Kontrolle weiterhin zu gewährleisten - von dort den Endusern verordnet wird", faßt Wilkinson seine Befürchtungen zusammen.

Die LAN-Verantwortlichen einiger Großunternehmen sind denn auch der Meinung, IBMs Schuß mit PS/2 und OS/2 gehe nach hinten los. Big Blue "hat sich entschieden, wieder zu einem geschlossenen Gehäuse und, im Kern, zu einem "hauseigenen" Betriebssystem zurückzukehren. Das wird bei den Anwendern nicht ankommen", meint der Systemspezialist eines Chemiekonzerns, der es allerdings vorzieht, anonym zu bleiben. Diese Meinung ist weit verbreitet, und das ungeachtet der Tatsache, daß die Multitasking-Fähigkeiten sowie die Möglichkeit, auf mehr als 640 KB Speicherkapazität zuzugreifen, verlockend erscheinen.

Multitasking, so der Bank-Manager von der Westküste, könne zum Beispiel zur zentralen Steuerung von Netzwerken eingesetzt werden, da es erlaube, angeschlossene PCs abzufragen, ohne dabei den Enduser zu stören. Er fügte allerdings auch hinzu, die Kosten für die Aufrüstung der PCs mit der erforderlichen Speicherkapazität seien aus seiner Sicht nicht zu rechtfertigen.

Auch für M.A. Jones, den Desktop-Verantwortlichen in der Corporate Staff Services-Abteilung der Phillips Petroleum Co. in Bartlesville, Oklahoma, ist die Multitasking-Fähigkeit von OS/2 ein "weißer Schimmel", der längst nicht so viel bringt, wie er kostet. Sein Unternehmen verwendet derzeit für die Anbindung von PCs mit IBM-Mainframes Irma-Karten von DCA und ist "damit zufrieden, weil es funktioniert und nicht zu teuer ist", sagt Jones.

Für den Einsatz auf Servern bevorzugt die Phillips Petroleum ohnehin nicht OS/2, sondern Unix, da dieses Betriebssystem für Multitasking und Multi-User-Support ausgelegt ist. "OS/2 wird es schwer haben, sich gegen Unix durchzusetzen, dem viele Leute zugeneigt sind", schätzt Jones, "mit Unix ist es nicht nötig, Hardware bis zum Bankrott zu kaufen."

Während sich ein Großteil der Verwirrung in puncto LAN aus den vielen Optionen ergibt, beklagen sich die Anwender auch darüber, daß effektive Netzwerkmanagement-Produkte heute einfach nicht verfügbar sind. "Bei uns steht das Netzwerkmanagement an erster Stelle", erläutert William Evans, Software-Ingenieur bei der Baxter Healthcare Corp. in MacGraw Park, Illinois. Sein Unternehmen würde gerne die entfernten LAN-Netze von einem zentralen Punkt aus steuern, finde jedoch keine entsprechenden Werkzeuge, die das ermöglichten.