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06.12.1991 - 

OSF-Microkernel soll Betriebssysteme revolutionieren

USL: Microkernel muß sich in Nischenmärkten bewähren

MÜNCHEN (gfh) - Die Unix Software Laboratories Inc. (USL) hat die Idee der Microkernel-Architektur aufgegriffen. Ein ähnliches Konzept vertritt seit über einem Jahr die konkurrierende Open Software Foundation (OSF). Während dort die Entwickler von dieser Technik die Auflösung des Begriffes Betriebssystem erwarten, geht es der USL vor allem um Nischenmärkte.

Vor kurzem hat sich die USL mit einer Million Dollar bei der Chorus Systemes S.A. eingekauft, die 1990 rund acht Millionen Dollar Umsatz gemacht hat. Das französische Softwarehaus Chorus gilt weltweit als einer der wichtigsten Anbieter für fehlertolerante Echtzeit-Betriebssysteme auf der Basis der Microkernel-Architektur.

Mit Hilfe der französischen Softwerker will die USL in die Entwicklung eines Microkernel für Unix V.4 einsteigen (siehe auch CW Nr. 47 vom 22. November 1991, Seite 6: "Die Unix-Entwickler setzen auf Microkernel-Architektur"). Umgekehrt macht das jetzige Abkommen Chorus zu einem Value Added Reseller (VAR) von Unix V.4. Außerdem soll es in absehbarer Zeit ein gemeinsames Multiprozessor-Sicherheits-Unix geben.

"Es geht uns vor allem um neue Märkte für Unix als Betriebssystem für fehlertolerante Echtzeit-Anwendungen und massiv-parallele Rechnerarchitekturen", konkretisiert Bob Mitze, Europachef der USL, die gemeinsamen Pläne. An die Portierung eines Microkernelbasierten Unix V.4 auf Workstations und PCs sei derzeit nicht gedacht. Kurzum: USL und Chorus konzentrieren sich auf lukrative Nischenmärkte.

Hauptkonkurrent von Chorus sind vor allem die Entwickler der Carnegie-Mellon-Universität, deren ebenfalls Microkernel-basiertes Mach-Betriebssystem als Basis-Technik der OSF sowohl für das OSF/1-Unix als auch für das Microkernel-Projekt verwandt wird. Dort sind die Ambitionen allerdings weiter gesteckt als bei der USL.

In den US-Labors erproben die OSF-Spezialisten derzeit die Möglichkeit, einen Microkernel so zu entwickeln, daß um ihn herum Systemfunktionen als sogenannte Services frei konfigurierbar sind. Die Realisierung dieser Pläne bedeute, so Alain Fastré, europäischer OSF-Chef, daß Anwender von PCs, Midrange- oder Mainframe-Systemen denselben Microkernel für die Betriebssystem-Funktionen benutzen. Dieser werde dann durch sogenannte Servicemodule zu dem erweitert, was heute als OS/2, Unix, VMS oder MVS bekannt ist. Allerdings ließen sich solche Services auch zu völlig neuen Betriebssystemen zusammenstellen.

Zwar möchte auch Bob Mitze eine derartige Entwicklung nicht ausschließen. Die Revolutionierung der Betriebssystem-Architektur wolle er jedoch lieber der OSF überlassen. Die USL orientiere sich weniger an technologischen Visionen als an der Möglichkeit, konkrete Produkte auf den Markt zu bringen. Hier läge der Hauptvorteil der neuen Partnerschaft. Chorus vermerktet bereits seit drei Jahren Microkernel-Betriebssysteme auf Unix-Basis. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie Unisys, Alcatel, GEC Plessey und Thomson SGS.

Derzeit ist das Unternehmen dabei, Unix V.4 in sein verteiltes Chorus/Mix-Betriebssystem einzubauen. Dazu wird Unix in fünf Funktionseinheiten gegliedert, die dann über mehrere Prozessoren verteilt werden können.

Im Anwendungsfall wird über den Microkernel die benötigte Unix-Funktion aufgerufen.

Diese Methode hat den Vorteil, daß bei Parallelrechnern nicht auf jedem Prozessor ein komplettes Unix implementiert werden muß.

Das von Chorus und USL entwickelt Produkt soll als fehlertolerantes und Multiprozessor-fähiges "Unix V.4 ES/MP" herausgebracht werden. Ein Datum für die Freigabe wollten die beiden Unternehmen jedoch nicht nennen.

OSF-Chef-Fastré gibt sich weniger zugeknöpft. Von ihm war zu erfahren, daß in den nächsten Monaten sogenannte "Snapshots " einer Microkernel-Version des OSF/1-Betriebssystems an die Mitglieder verschickt werden.

Das besondere an diesem Unix-Derivat sei, daß dafür keine Lizenzgebühren mehr an die Unix-Lizenzgeber USL zu zahlen seien.

Die Freigabe des Produkts soll im Laufe des nächsten Jahres erfolgen - für möglichst viele Plattformen, wie der OSF-Chef hofft.