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13.05.1988 - 

Textverarbeiter betreiben Grundlagenvermittlung

UV: Noch viele Leisetreter auf LAN-Sektor

HANNOVER - Was technisch als evolutionäre Weiterentwicklung konzipiert wurde, wirkt auf die Mehrzahl der Anwender noch wie eine Revolution. Zu diesem Ergebnis kam der langjährige Pressesprecher Pino von Friedenthal vom Verband für Textverarbeitung und Bürokommunikation e.V. (VTV) auf dem Forum "Netzwerke für die Bürokommunikation", das vor kurzem in Hannover abgehalten wurde, Neben Friedenthal nahmen vier weitere Referenten zu diesem Thema Stellung. Ihre Aussagen hat Gerhard Bernau, Sonderbeauftragter des VTV-Vorstands, im folgenden Bericht zusammengefaßt.

Als Gründe für die Zurückhaltung seitens der Benutzer nannte -von Friedenthal das häufige Fehlen einer gut strukturierten professionellen hausinternen Infrastruktur und eines übergreifenden Informations-Managements sowie die Vielfalt des Vernetzungsangebots. Der Anwender frage sich beispielsweise, ob er die im Rahmen von ISDN angebotene Mischkommunikation sowie die beträchtlich gesteigerte Geschwindigkeit auf 64 Kilobit pro Sekunde brauche und ob die Endgeräte so multifunktional seien, wie sie in seinen Wünschen und Träumen vom Büro der Zukunft sein sollten.

Dabei hätten sich die Voraussetzungen für die Implementierung von Netzen in den letzten Jahren insgesamt jedoch gebessert. Im einzelnen wären das für den Bereich der privaten LANs die Einführung des Token-Ring und auf dem ISDN-Sektor die Tatsache, daß die CCITT-Empfehlungen zu anerkannten Standards geworden sind. Der VTV gehe davon aus, daß zwischen 1987 und 1992 der deutsche LAN-Markt im europäischen Vergleich mit über 40 Prozent am stärksten wachsen wird.

Bedenklich sei auf dem LAN-Sektor allerdings der Einsatz von langsamen Netzen, weil man damit in der Regel zu früh an die Übertragungsgrenzen stoße. Auch gebe der PC aufgrund der fehlenden Speicherkapazität oft keinen idealen Server ab.

Auf PC-Ebene noch technischer Wildwuchs

Karlhinrich Vöge, Marketing-Leiter für Bürokommunikationssysteme bei Nixdorf, ging in seinem Vortrag, "Inhouse-Verbund mit digitalem Vermittlungssystem" ebenso wie der VTV davon aus, daß man in mittleren und größeren Unternehmen meist noch zwei verschiedene Netze benötige; eines davon basiere sicherlich auf dem Telefonnetz. Spezialverbindungen seien für Bild- und Fax-Übertragungen mit Gruppe-3- und -4-Geräten zu und von Sachbearbeiter-Arbeitsplätzen notwendig. Kleineren Betrieben könne man zu einem 64-KB-ISDN-Netz raten. In Hinblick auf lokale Netze betonte Vöge, daß Busstrukturen, wie sie beim Ethernet vorhanden sind, vorwiegend zur Verbindung von Server-Systemen eingesetzt werden. Als Rückverlängerung gewannen die für die Hochgeschwindigkeits-Übertragung vorgesehenen Backbone-Netze zunehmend an Bedeutung. Stärker in den Vordergrund rücke auch das Netzwerk-Management.

Das größte Potential für Netzwerke stellt für den DEC-Spezialisten Wolfgang Stübich die Bürokommunikation dar. Bisher sei allerdings auf der PC-Ebene mit Text- und Grafikanwendungen viel technischer Wildwuchs entstanden, den es zu bereinigen gelte. Digital Equipment sei arm, weil "wir nur ein Netzwerk haben", scherzte Stübich. Seltenheitswert komme auch der Tatsache zu, daß das weltweite DEC-Netz mit seinen 80000 Terminals und 20000 einzelnen Netzen ohne einen EBM-Großrechner im Hintergrund arbeite.

Geschäftsführer Peter Ganser von Schneider & Koch kam zu dem Schluß, daß in der Welt der schnellen PC-LANs inzwischen bis zu einigen hundert PCs angeschlossen werden könnten. Trotzdem herrsche immer noch Unklarkeit darüber, welche Aufgaben ein LAN übernehmen soll und erfüllen kann. Ganser: Für ein PC-Netzwerk, dessen Transportleistung normalerweise bescheiden ist, wird das Ressourcen-Sharing als Hauptnutzen gepriesen. Entscheidend ist allerdings, wie gut die Software hierfür ist.

Zugriff auf mehrere Betriebssystem-Welten

Für den schnellen Datentransfer empfahl er den Ethernet-Standard. Wichtig sei auch, daß der Benutzer auf verschiedene Betriebssystem-Welten zugreifen könne, wie auf das über Netware und au über TCP/IP. Als sinnvoll müsse ferner auch eine Kombination von Koaxialkabeln mit Lichtwellenleitern angesehen werden, um größere Entfernungen zu überbrücken und das Mitwachsen bei zusätzlichem Bedarf oder die Reorganisation bei Veränderungen ohne Unterbrechung des Netzbetriebs zu gewährleisten.

Die de facto häufig bereits sehr heterogene Welt stelle vielfältige Anforderungen:

- die direkte Kommunikation via Ethernet mit unzähligen anderen Arbeitsplatzsystemen,

- die Einbindung entfernter einzelner Stationen,

- die Ankopplung an Großrechnersysteme,

- die Einbindung von Postdiensten und die Kopplung von LANs mit Hilfe von Brücken.

Mit im Vordergrund stehe überall Electronic Mail.

Arbeitsteilung zu weit getrieben

Auch Siemens-Direktor Werner Schmücking machte Defizite im Bereich Bürokommunikation aus und sprach von "viel Sand im Getriebe". Im Bermuda-Dreieck der Büroproduktivität, das allerdings eher ein Viereck sei, bestehend aus Mehrfach-Erfassung, übertriebener Arbeitsteilung, Arbeitsplatzbezogener Teilbetrachtung und monofunktionaler Technik, verschwinde heute so manches. Die zu weit getriebene Arbeitsteilung beispielsweise führe zu einer Zersplitterung der Verantwortlichkeiten und zu vielen kleinen Arbeitsschritten, Deshalb fielen bei jedem Wechsel von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz unnötige Transportzeiten, Liegezeiten und "geistige Rüstzeiten" an, die die Durchlaufzeiten der Informationen unnötig verlängerten. Auf Effektivität bedachte Anwender verlangten heute insbesondere kürzere Durchlaufzeiten, bessere Entscheidungsqualität und einfachen sowie schnellen Zugriff auf wichtige Informationsquellen.

Verschiedene Ebenen der Bürokommunikation

Auf der untersten Ebene der Arbeitsstationen baue die Netzebene mit unterschiedlichen Technologien wie PBX, LAN und Punkt-zu-Punkt-Verbindungen auf. Darüber wiederum befinde sich die wichtige Ebene der Server für Büro- und Kommunikationsservices. Schmücking: Diese Services machen die Rosinen im Kuchen der Kommunikationssysteme aus. "In der oberen Ebene seien die zentrale Datenverarbeitung und der Zugang zu den öffentlichen Netzen und Diensten angesiedelt. Siemens biete diesen Lösungsmix aus einer Hand, könne aber ebenso auch auf einer Hochzeit tanzen, auf der "Blau" oder andere Farben getragen werden."

Über die Frage, wo die technische Intelligenz anzusiedeln sei, wird nach den Worten Schmückings weiterhin kontrovers diskutiert: alles in den Host oder alles in das Arbeitsplatzsystem. Für das "Wie" und "Vo" gebe es kein Patentrezept. Der optimale Verteilungsgrad müsse unternehmensindividuell bestimmt werden, abhängig von der Firmenstruktur, von den zu lösenden Aufgaben, von der Zielsetzung und vom Volumen.

Multifunktionalität und Integration

Hinsichtlich der Kommunikation und der Verteilung von Intelligenz in privaten Netzen kann schließlich laut Schmücking nicht erwartet werden, daß die Büroabläufe allein durch die Übertragungsrate von 64 Kilobit pro Sekunde wirtschaftlicher und schneller werden. Sie könne zwar kostensparend und Performance-verbessernd wirken, stelle aber nur einen Teilaspekt dar. Viel hänge von der elektronischen Post und der Entschärfung von Medienbrüchen ab. Daneben spiele die Multifunktionalität eine große Rolle, durch die sich eine integrierte Vorgangsbearbeitung und damit der Abbau der übertriebenen Arbeitsteilung sowie ein schnellerer Durchlauf gewährleisten ließen.