Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.11.1990 - 

MEHRWERTDIENSTE

VANS-Markt: Noch spielen Services eine geringe Rolle

Mehrwertdienste (Value Added Network and Services = VANS) stecken in der Bundesrepublik noch in den Kinderschuhen. Insbesondere die Anwendungen, die über den reinen Datentransfer hinausgehen, spielen hierzulande noch eine relativ geringe Rolle. Dennoch sind die Prognosen der Marktforscher positiv. Sie sagen diesem Dienstleistungssektor insgesamt ein zweistelliges Wachstum voraus. Im folgenden Artikel nimmt Hartmut Kling* eine Analyse des deutschen Marktes in Sachen Carrier- und Service-Angebot vor.

Betrachtet man die Angebote der VANS-Anbieter in der Bundesrepublik Deutschland, so muß zuerst nach Value-Added-Network-Angeboten und dann in einem weiteren Schritt nach Value-Added-Network-and-Services-Angeboten - kurz VANS - strukturiert werden. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und auch zu einigen westlichen europäischen Staaten wie zum Beispiel Großbritannien, ist der Markt der VANS in der Bundesrepublik noch sehr unterentwickelt. Dagegen wuchs der Markt der Value-Added-Network-Anbieter in den letzten Jahren seit der schrittweisen Liberalisierung des Fernmeldemarktes in der Bundesrepublik und hat einiges an Marktpotential, das bisher allein bei der Deutschen Bundespost Telekom lag, abschöpfen können.

Betrachtet man die wichtigsten Anbieter im Bereich der VANS, sind heute folgende Unternehmen zu nennen:

- DBP Telekom

- Meganet

- IBM

- Info AG

- Infonet

- Geisco

Nicht alle der aufgeführten Partner für den Bereich VANS sind jedoch auch in dem Bereich "Service" tätig. Die Mehrheit der derzeitig am Markt befindlichen Unternehmen lebt von der Gebührenarbitrage bei Festverbindungen in der Bundesrepublik. Nur wenige haben es sich derzeit zur Aufgabe gemacht, kurzfristig auch den Bereich der Value Added Services anzusehen, und damit aus der reinen Rolle des Carriers herauszutreten (zum Beispiel Geisco und die Info AG).

Ein weiterer Punkt bei der Analyse der Angebote am Markt ist die Frage nach den Möglichkeiten der Verrechnung. In Abhängigkeit vom Anbieter und auch dem eigenen Verhandlungsgeschick bei den Vertragsverhandlungen, sind die unterschiedlichsten Tarife möglich. Das kann von einer pauschalen Verrechnung aber Transaktionsmengen, hin zu Datenmengen inklusive der Meßmethoden, beziehungsweise bei paketvermittelnden Netzen eine Tarifierung ähnlich wie bei Datex-P, das heißt in Abhängigkeit von der Anzahl der übertragenen Datenpakete, reichen.

Trotz aller Diskussionen über die Tarifierung privater Carrier muß immer berücksichtigt werden, daß nur wenige Private in der Lage sind - das ist ein Problem des Datenvolumens -, ihre Accesspunkte auf dem Gelände des Kunden zu installieren. Geschieht dieses nicht, so sind neben den ausgehandelten Verrechnungsmöglichkeiten bei Vertragsabschluß mit einem Value-Added-Network-Anbieter immer noch die Kosten für die Anbindung der eigenen Applikationen an das fremde Netz hinzuzurechnen.

Schwierig wird dies dann, wenn das Netz ein paketvermittelndes Netz ist und aus Kosten- oder Tarifierungsgründen der Deutschen Bundespost Telekom - ein Datex-P-Anschluß vom eigenen Gelände zu dem fremden Knoten eingesetzt werden muß (hier ist Datex-P die kostengünstigere Lösung).

Dabei besteht die Gefahr, einen Bottle-Neck zu installieren. Ist die Zugangsleitung zu dem fremden Netz nämlich eine schmalbandige Leitung, und das fremde Netz selbst bietet nur Bandbreiten, die im eigentlichen Sinne bereits in den unteren Netzebenen benötigt werden, droht das Problem eines Engpasses. Derartige Überlegungen können nur dann sinnvoll sein, wenn schmalbandige Zugangsleitungen auf Basis von Festverbindungen benötigt werden und das Carrier-Netz breitbandige Kommunikation, unabhängig ob paket- oder transaktionsorientiert, bereitstellt.

Es ist also in jedem Fall erforderlich, die gesamten Netzkosten zu betrachten und nicht nur die Kosten, die private Carrier glauben, den Privatkunden verrechnen zu können. Weiterhin ist zu betrachten, welche Art der Datenverbindungen von privaten Carriern angeboten werden.

Zum Beispiel muß bei der transparenten Übertragung von synchronen Informationen mit einer problematischen End-to-End-Kontrolle, darüber hinaus auch mit Schwierigkeiten beim Netz-Management gerechnet werden. Das Thema Netzmanagement ist im übrigen gesondert zu betrachten; dies gilt nicht nur für transparenten Datentransfer.

Protokollabhängige Übertragung wie zum Beispiel SNA, X.25 etc., nehmen ebenfalls einen unbedeutenden Rahmen im Angebot privater Carrier ein. Solche Angebote bieten unter anderem eine bessere Netzkontrolle und darüber hinaus Standards beziehungsweise Defacto-Standards. Es ist von vornherein nicht pauschal zu sagen, welche Art der Übertragung genutzt werden sollte. Dazu ist eine Betrachtung des DV-Equipments des Kunden erforderlich. Generell sollte der Anwender jedoch auf eine protokollabhängige Übertragung Wert legen, um vor allen Dingen die Sicherheit der Übertragung gewährleistet zu bekommen.

Die Zukunft hat schon begonnen

In Zukunft - und die hat in einigen Branchen heute bereits begonnen - werden paketvermittelnde Netze nach dem CCITT-Standard X.25 auf der Transportseite, das heißt also auch für private Carrier, immer mehr an Bedeutung gewinnen. Fast alle größeren privaten Carrier haben bereits ihr Netz auf X.25 umgestellt oder bieten dem Kunden eine X.25-Variante an. Diese Art der Übertragung hat den Vorteil, daß man auf einen CCITT-Standard zurückgreifen kann und darüber hinaus die Aspekte der Verfügbarkeit optimal berücksichtigt werden können. Allerdings realisiert X.25 nur eine Kommunikation bis zur Ebene 3 und dementsprechend nur eine Netz-Management-Funktion bis zu dieser Schicht, allerdings sehr ausgereift.

Nachdem bisher zum Thema Value Added Network Aussagen gemacht wurden, das Ganze aber im wesentlichen in der Bundesrepublik Deutschland unter dem Stichwort VANS läuft, muß auch noch der klassische Service-Bereich betrachtet werden.

Ein typisches Beispiel solcher Dienste ist der Electronic Data Interchange (EDI), für den eine Vielzahl an Lösungen am Markt vorhanden ist. Es gibt derzeit bereits Angebote von EDI-Lösungen, die auf externen Rechenzentren liegen und auf die verschiedene Interessenten zugreifen können, um darüber einen Austausch von Handelsdaten zu gewährleisten.

Für die chemische Industrie gibt es zum Beispiel branchenspezifische Applikationen, die externen Rechenzentren abgerufen werden können, um darüber Datenaustausch zu betreiben. Dies ist eine typische Anwendung im Value-Added-Network-Service-Bereich in Verbindung mit EDI. Zu einer absoluten VANS-Lösung wird diese Lösung, wenn sowohl die Serviceleistung (Software in einem Rechenzentrum) als auch das Netz durch einen privaten Carrier (kann auch die Deutsche Bundespost Telekom sein) bereitgestellt werden.

Nach der amerikanischen Auffassung von Value Added Services, ist Facility Management das Nonplusultra der Mehrwertdienste (siehe auch auf Seite 31). Hierbei handelt es sich um eine allumfassende Serviceleistung; der Kunde läßt seine gesamte Datenverarbeitung und darüber hinaus auch sein gesamtes Netz nicht nur durch Dritte managen, sondern auch betreiben. Diese Art der Service-Leistungen verzeichnet in den USA in den letzten Jahren speziell im Großkundenbereich - sehr hohe Zuwachsraten.

Berührungsängste in der Bundesrepublik

In Europa, besonders in der Bundesrepublik, gibt es vor derartigen VANS jedoch noch erhebliche Berührungsängste. Weitere Value Added Services sind im Bereich von Backup-Rechenzentren denkbar, beispielsweise Nutzung des Netzes eines privaten Carriers, bei Problemen im eigenen Rechenzentrum, um auf Ausweichrechenzentren zugreifen zu können. Dieser Markt steckt sicherlich noch in den "Kinderschuhen", stößt allerdings bei vielen, hierzulande speziell mittelständischen Unternehmen, auf großes Interesse.

Fazit: Der Bereich der Mehrwertdienste muß strikt in Carrier- und echte Service-Funktionen unterschieden werden. Derzeit machen bei den Anwendungen reine Carrier-Lösungen rund 75 bis 80 Prozent der gesamten Nachfrage aus, der Rest beinhaltet in Verbindung mit der Carrier-Funktion auch Service. Dieses prozentuale Verhältnis gilt jedoch nur für die Anzahl der Anwendungen, nicht aber für das sich dahinter verbergende Volumen. Bezogen auf das Marktvolumen ist die Situation ziemlich ausgeglichen.

Marktforschungsinstitute prognostizieren für die Zukunft - auch für Deutschland - zweistellige Zuwachsraten für den VANS-Markt. Eine genaue prozentuale Analyse über das Verhältnis zwischen Carrier- und Service-Angebot wurde jedoch nicht ermittelt.

Das Netz ist der Computer

So mag sich jedenfalls dem Kunden eines Mehrwertdienste-Anbieters das Netz, dem er angeschlossen ist, präsentieren. "Intelligente Netze" ist ein weiterer Terminus, der darauf hinweist, daß Anwender zwar über intelligente Computer-, Übertragungs-, Vermittlungsdienste etc. verfügen können, aber nicht mehr so genau wissen müssen, wo und wie diese Leistungen erbracht werden.

Mehrwertdienste, besonders die anwendungsorientierten, sind daher in erster Linie für die wachsende Zahl solche Abnehmer gedacht, die nicht über das notwendige Know-how und Equipment verfügen, Daten- und Textkommunikation ins nationalen sowie internationalen Bereich zu realisieren.

Großanwender, wie beispielsweise weltweit operierende Konzerne, verfügen schon lange über interne Mehrwertdienste. Neu ist, daß sie diese Dienste, sprich: ihre gigantischen Rechenzentren, immer häufiger aus dem Firmenverbund ausgliedern - Stichwort Outsourcing - und sie auch anderen weniger mündigen Anwendern quasi als Fertigprodukte anbieten.

Der größte im deutschen Markt, vor zwei Jahren noch "Monopolist", die Deutsche Bundespost Telekom, tritt in einen vielfältigen und harten Wettbewerb an allen Fronten ein. Selbst die Sprachübermittlung, heute noch im Monopolbereich, wird teilweise bereits "gehandelt" als sei sie im Wettbewerb. Die Internationalität des Marktes fordert von dem Staatsunternehmen "Schlagfertigkeit" weit über die europäischen Grenzen hinaus, bei einem gleichzeitigen und außerordentlichen Engagement für den ostdeutschen Markt. Der größte Spieler ist der am meisten geforderte.

Auch wenn der deutsche VANS-Markt noch weit weniger entwickelt ist als der US-Markt, die besonderen politischen Bedingungen versprechen ein rasches Wachstum und viel Wettbewerb - eigentlich ein ideales Umfeld für potentielle Kunden und neue Anbieter. bi

Hartmut Kling ist selbständiger Consultant für integrierte Netze und VANS in Oberschleißheim bei München.