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01.07.1988 - 

Siemens geht mit Tochter in den weltweiten Markt für Mehrwertdienste (VANS)

Vastom: Konkurrenz für Große und Kleine

MÜNCHEN (bi) - Mit einer hundertprozentigen Tochter, der Vascom GmbH, geht die Siemens AG jetzt in den Markt der Value Added Network Services (VANS). Das Stammkapital beträgt 15 Millionen Mark. Basis ist das weltweite Netz des Hauses, wesentlich Zielgruppe Groß - und Größtunternehmen. Im Vordergrund des Angebots stehen branchenorientierte Dienstleistungen. Weitere Gesellschafter sind im Gespräch.

Standort der Vascom ist München; zirka 100 Mitarbeiter, zum größten Teil aus den Siemens - Unternehmensbereichen Kommunikationstechnik sowie Nachrichten- und Sicherungstechnik stammend, bilden die Kerntruppe des national und international agierenden Unternehmens. Zu Geschäftsführern wurden benannt: Gerhard Bergmann in der Funktion des Sprechers, zuletzt Direktor in dem Siemens - Unternehmensbereich Nachrichten- und Sicherungstechnik, wo er für das Geschäftsgebiet Text- und Datensysteme öffentlicher Nachrichtennetze verantwortlich zeichnete, und Dr. Götz Huttel in der Funktion des kaufmännischen Leiters, der vor seiner Ernennung als Projektleiter im Siemens -Zentralbereich Unternehmensplanung und -entwicklung tätig war.

Zur wesentlichen rechtlichen Voraussetzung der deutschen VANS - Gründung zitierte Baumann im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE einen Satz des Postministers Christian Schwarz - Schilling vom März, der sich auf die TKO (Telekommunikationsordnung) 1/88 bezieht: "Private Anbieter können in Zukunft durch Anmietung von Übertragungsleitungen von der Telekom und deren Verbindung mit eigenen Anlagen zur Vermittlung, Speicherung und Verarbeitung von Informationen Fernmelde - Dienstleistungen für Dritte erbringen "

Das breit gefächerte Fernmelde-Dienstleistungsangebot der Vascom, im Vordergrund "globale Kommunikation", das heißt Verbindung mit "jedem gewünschten Geschäftspartner" weltweit, ist ausdrücklich nicht herstellergebunden, wiewohl das Know-how für Planung, Installation, Betrieb und Wartung von Telekommunikationsnetzen selbstredend von der Siemens AG kommt. Auch werde man sich hinsichtlich der Endgeräte keinesfalls von der Mutter an die Kandare nehmen lassen, trat Bergmann entsprechenden Vermutungen entgegen. Der Beweis bleibt abzuwarten, immerhin sind die Siemens - Unternehmensbereiche auch innerhalb des Tochterunternehmens in einem Beirat mit von der Partie.

Die existierende Netzinfrastruktur erstreckt sich über 40 Länder, ist an über 400 Standorten mit mehr als 10 000 Anwendungen und derzeit 80 000 Anschlüssen präsent; in dieser Zahl enthalten sind die Zugriffsmöglichkeiten auf internationale Datenbanken. Die Vascom mißt sich bereits auf dieser "alten" Basis, so Baumann, im wesentlichen an den weltweiten VANS von IBM, Geisco und EDS, die zwar in den USA etabliert seien, in Europa dagegen noch deutlich schwächer, weil sich der Markt durch die augenblicklich im Fluß befindliche Liberalisierung hierzulande erst öffne. Aber auch Netzwerksupport - Angebote von DEC und HP dürften von der Vascom Wettbewerb bekommen, von den zahlreichen kleineren Dienstleistungsrechenzentren, die beispielsweise auch mit Backup - Leistungen etc. im Markt sind, ganz zu schweigen.

Die bereits vorhandenen nationalen und internationalen Siemens -internen Netze sollen in ein neues Netz auf der Basis des OSI-Sieben-Schichten-Modells mit den Schwerpunkten Datex - P und Transparenter Multiplexerstandard (64 KBit = T1) übergeführt werden. In der Endausbaustufe ist an bis zu zehn EWSP - Netzknoten gedacht. Gestartet wird derzeit mit zwei derartigen Systemen, die in München und Erlangen/Fürth stehen. Sowohl das Netzwerk - Management für das Datex - P - Netz (40 000 Pakete pro Sekunde) wie die Multiplexer für höhere Datengeschwindigkeiten sollen dort zentriert werden.

Zur Multivendorfähigkeit des Netzes führte Bergmann aus, daß bereits heute in dem Siemens - Netz 66 verschiedene Hardware -Systeme unterschiedlicher Hersteller unterstützt würden und diese Vielfalt sei auch im strategischen Ansatz der Vascom weiterverfolgt.

"Liquiditätserhaltende Alternative"

Wie Götz Huttel erklärte, will die Vascom im Vorfeld des europäischen Binnenmarktes zusätzlich zum klassischen Kundenpotential auch im Sektor "Merger and Aquisition" ihre Klientel finden. Die Siemenstochter stellt sich demzufolge darauf ein, ganze Rechner - und Terminalwelten unterschiedlicher Hersteller und Unternehmenskulturen zu koppeln. Derzeit spielt es in der Tat bei der Übernahme von Unternehmen oder auch Unternehmensteilen eine immer größere Rolle; ob die DV - Systeme der beteiligten Partner kompatibel sind. Sichergestellt sei schon heute, daß die Netzarchitektur nach dem OSI - Konzept so unterschiedliche Systemwelten wie Transdata, DEC - net und SNA verbinden kann.

Wiewohl der Großkunde im Mittelpunkt des Marketingkonzeptes der Vascom steht, expressis verbis Banken, Versicherungen sowie Transport - und Industrieunternehmen, ist auch an branchenorientiertes Mittelstandsmarketing gedacht. Das Unternehmen sieht seine Dienste - unabhängig vom Kundenkreis - als eine "liquiditätserhaltende Alternative" zu bisherigen Telekommunikationslösungen.

Vascom - Anwendungen

Finanzwesen : Verkehr mit Banken, Effektenverwaltung

Verwaltung : Auskunftsysteme, Datenbanken

Personalwesen : Gehaltsberechnung

Rechnungswesen : Vorkalkulation, Auskunftssysteme

Beschaffung : Anbindung von Lieferanten

Fertigung : Logistik, Materialwirtschaft, Werkstattsteuerung, Stücklistenverwaltung

Engineering : CAD, CAM

Vertrieb : Informationssysteme der Absatzentwicklung und Projektierung

Internationale Korrespondenz : Computerunterstütze Übersetzungen

Vascom - Features

Flexible Ausbaufähigkeit

Integration heterogener DV - Systeme

Realisierung weltweiter Standards

Einheitliches Protokoll innerhalb des Transportnetzes nach ISO

Funktionstrennung von Endknoten- und Netzknotenfunktion

Mehr Endknotenleistung durch Übernahme der Vermittlungsleistung aus DV - Rechnern

Reduzierung der Netzlaufzeiten durch moderne Übermittlungstechnik

Dynamisches Routing im ganzen Netz

Wahlfrei vermittelte virtuelle Verbindungen

Integration heterogener Systeme in der Transportebene

Einheitliche Administration

Einheitliche Gebührenanbrechnung

Bereitstellung von transparenten Übertragungskanälen nach Bedarf