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15.09.2000 - 

PR-Aktion statt sachlicher Argumentation?

VATM greift Deutsche Telekom und den Regulierer an

MÜNCHEN (CW) - Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) macht Stunk. In einer Stellungnahme zur Übernahme von Voicestream durch die Telekom kritisiert der Verband die Telekom und reitet eine scharfe Attacke gegen die Regulierungsbehörde.

Jürgen Grützner, der Geschäftsführer des VATM, warf dem Bonner TK-Unternehmen vor, es benachteilige seine Wettbewerber vorsätzlich. Außerdem missachte es Anordnungen der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP). Selbst gerichtliche Entscheidungen würden nicht befolgt, so dass die Telekom sogar schon ein Zwangsgeld habe zahlen müssen, weil sie "einen für den Wettbewerb wichtigen Dienst" nicht angeboten habe.

Wollten Kunden zu einem anderen Anbieter wechseln, werde die Umschaltung mutwillig verzögert. In zehn Prozent der Fälle erfolge eine Umleitung gar nicht oder falsch, so der VATM. Den Markt verunsichere der Bonner Riese, indem er wesentliche Informationen (beispielsweise über geplante Umschaltungen von Kunden) "so spät wie möglich" zur Verfügung stelle.

Ein Dorn im Auge des VATM sind außerdem die Pläne der Telekom, sich über den Kauf des amerikanischen Mobilfunkanbieters Voicestream ein Standbein in den USA zu schaffen. Das passe nicht zum Verhalten der Bonner hierzulande, wo Wettbewerber aus dem In- und Ausland mit allen Mitteln behindert würden. Vor dem Subcommittee on Telecommunications, Trade and Consumer Protection of the Commerce Committee plädierte der VATM dafür, der Telekom die Übernahme nur unter bestimmten Auflagen zu genehmigen, die einen "fairen Wettbewerb" im deutschen TK-Markt ermöglichten.

Bevorzugt Reg TP die Telekom?Doch nicht nur die Telekom bezog Schelte, auch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) kam nicht ungeschoren davon. Der Verband warf der Behörde vor, sie verhindere Entscheidungen oder zögere sie zu Gunsten der Telekom hinaus. Rudolf Boll, Pressesprecher der Reg TP, bezeichnet dies als "Quatsch". Seine Behörde respektiere bei ihren Beschlüssen stets die gesetzlich festgelegte Frist von zehn Wochen. "Daran haben wir uns immer gehalten, wir können gar nicht anders", kommentiert Boll.

Schweres Geschütz fuhr der Verband mit der Behauptung auf, dem Regulierer fehle ein "schlüssiges regulatorisches Gesamtkonzept".

Boll kann eigenen Aussagen zufolge nicht verstehen, warum solche Äußerungen getätigt werden. Er vermutet hinter dem VATM-Vorstoß eine reine PR-Aktion. "Wenn sich Konkurrenten der Telekom behindert fühlen und sie uns das nachweisen, dann schaffen wir Abhilfe", stellt der Sprecher klar.

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek wundert sich über die "völlig veränderte Diktion" in der Diskussion mit dem VATM. Er kritisiert, die Argumentation in den Ausführungen des Verbandes verlasse "teilweise wider besseres Wissen" die konstruktive, sachliche Ebene, was in keiner Weise angemessen sei. "Es ist beeindruckend, wie hier mit Vorwürfen operiert wird, die sich im Nachhinein als so nicht richtig herausstellen", kommentiert der Sprecher die "völlig überzogene Aktion". Ihm ist die Argumentation des VATM "schleierhaft".

Das Justizministerium hat indessen den Weg für die Übernahme von Voicestream durch die Telekom freigemacht.